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Chancen im Segment der Wandelanleihen


04.12.20 11:45
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Augen zu und durch - wird wohl das Motto dieses Winters, so Hannah Thielcke von der Weberbank.

Die Impfstoffe könnten zwar teilweise sogar noch in diesem Jahr an den Start gehen, jedoch werde es bis zu einer flächendeckenden Verteilung des Impfstoffes noch deutlich länger dauern. Derzeit sei es unsicher, ob die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) noch in diesem Jahr über die Zulassung des Impfstoffs entscheiden werde. In Großbritannien, China oder den USA habe man es etwas eiliger. Hier seien bereits Impfstoffe per Schnellverfahren zugelassen worden bzw. solle noch in diesem Monat über eine Zulassung entschieden werden. Anthony Fauci - das US-amerikanische Pendant zu Lothar Wieler - habe eine mögliche Herdenimmunisierung bis Mitte 2021 angekündigt. Mindestens bis dahin gelte es also durchzuhalten. Insbesondere im industrialisierten Teil der Welt sollte also auch im neuen Jahr noch mit deutlichen Einschränkungen zu rechnen sein. Zwar würden die Infektionszahlen in Europa mittlerweile wieder zurückgehen, befänden sich jedoch nach wie vor auf hohen Niveaus. Lockerungsmaßnahmen scheinen in dieser Situation deutlich verfrüht bzw. laufen Gefahr, schnell wieder rückgängig gemacht zu werden, so die Analysten der Weberbank.

In den USA werde ein erneuter umfassender Lockdown bisher hingegen gemieden, weshalb das Infektionsgeschehen zunehmend außer Kontrolle gerate. In vielen Bundesstaaten befänden sich die Krankenhäuser bereits an ihren Kapazitätsgrenzen und die Fallzahlen würden insgesamt deutlich die Zahlen aus der ersten und zweiten Infektionswelle übersteigen. Da nun mittlerweile auch wieder die wirtschaftsstarken Regionen betroffen seien, wäre bei einem zweiten Lockdown mit härteren Einschnitten in die wirtschaftliche Erholung zu rechnen. Obwohl wir also noch ein paar schwierige Monate vor uns haben, gab es zuletzt vermehrt positive Nachrichten, die uns auf eine Normalisierung Mitte des kommenden Jahres hoffen lassen, so die Analysten der Weberbank. Erst dann werde die Wirtschaft ihre Erholungsdynamik vollends entfalten können.

Die enorm erfolgreiche Bekämpfung der Covid-19-Pandemie in Asien habe der Region einen deutlichen Vorsprung in der wirtschaftlichen Erholungsbewegung verschafft. Vor allem China sei in vielen Bereichen bereits wieder auf Vorkrisen-Niveaus angekommen und habe die Zeit außerdem dazu genutzt, verstärkt in Zukunftsthemen zu investieren. Aber auch die durch die Pandemie hart getroffenen Schwellenländer wie Brasilien oder Indien hätten zuletzt mit positiven Wirtschaftsdaten aufwarten können. Wo Volkswirte lange einen pessimistischen Ausblick gegeben hätten, würden sich nun also auch erste Lichtblicke zeigen. Die Industrieproduktion in Indien beispielsweise wachse bereits wieder im Jahresvergleich und in Brasilien werde die Wirtschaft durch starke Konsumzahlen sowie Staatshilfen unterstützt. Die Bewegung werde zudem durch positive Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate untermauert.

Auf der anderen Seite habe dieses Jahr auch viele Sorgenkinder hervorgebracht. So hätten beispielsweise Argentinien, Sambia und Ecuador ihre Staatsschulden nicht mehr bedienen können und Restrukturierungsmaßnahmen einleiten müssen. In Mexiko und Russland komme die Wirtschaft nach wie vor noch nicht richtig in Schwung. Der fiskalpolitische Spielraum lasse vielerorts keine großangelegten Konjunkturpakete zu, die den Haushalten und Unternehmen in der Pandemie unter die Arme greifen könnten. Insgesamt scheine in den Schwellenländern jedoch nun das Schlimmste überstanden.

Für das kommende Jahr 2021 würden Volkswirte trotz der fehlenden Hilfsmaßnahmen von hohen Wachstumsraten ausgehen, die die Volkswirtschaften dann im Jahr 2022 auf ihren ursprünglichen Wachstumspfad zurückführen würden. Das Tempo der Erholung werde sich innerhalb der Gruppe der Schwellenländer jedoch deutlich unterscheiden. Die übergeordneten Risiken wie erneut stark ansteigende Infektionszahlen oder fehlender Rückenwind durch eine stockende Erholung der globalen Wirtschaft seien zwar nach wie vor existent, würden jedoch im Lichte der anhaltend neuen Nachrichten zu Impfstoffen zunehmend weniger ins Gewicht fallen.

Mit Blick auf das kommende Jahr sähen die Analysten der Weberbank daher Unternehmensanleihen und Aktien der Schwellenländer positiv. Diese würden von der dynamischen wirtschaftlichen Erholung profitieren können und würden noch vergleichsweise attraktive Risikoprämien beziehungsweise Kurspotenziale aufweisen.

Die Impfstoffnachrichten Anfang November hätten, wie bereits in der letzten Ausgabe beschrieben, zu einer dynamischen Aufholbewegung der Titel geführt, die es in der Krise bislang besonders schwer gehabt hätten. Diese Sektorrotation, weg von bisherigen Gewinnern hin zu den Verlierern der Pandemie, habe historische Ausmaße gehabt. Nachdem nun innerhalb von nicht einmal einem Monat ein gutes Stück der vorherigen Underperformance seit Krisenbeginn aufgeholt worden sei, sei die Bewegung nun wieder abgeebbt. Für eine weitere Fortsetzung der Rally würden nun wohl Tatsachen zum Beispiel in Form von flächendeckenden Impfungen der Bevölkerung benötigt. Auch unter den Anleihen setze sich dieses Muster fort.

Vor allem Hochzinsanleihen hätten Mittelzuflüsse verzeichnen können und ein Schrumpfen der Risikoprämien erlebt. Auch Unternehmensanleihen höherer Bonität hätten von einem Rückgang der Risikoaufschläge profitieren können, welche sich hier mittlerweile sogar wieder unter ihrem historischen Durchschnitt von 1,29 Prozent bewegen würden. Gleichzeitig seien die fundamentalen Risiken jedoch weiterhin erhöht. Die Unternehmen seien höher verschuldet als zu Beginn der Pandemie und seien strukturell größeren Risiken in einem unsicheren Wirtschaftsumfeld ausgesetzt. Für Investoren bleibe hier die Frage, ob sie für das eingegangene Risiko noch adäquat vergütet würden. Anleger sollten daher weiterhin sehr selektiv vorgehen.

Chancen sähen die Analysten der Weberbank noch im Segment der Wandelanleihen, die mit einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil die Möglichkeit eröffnen würden, an der Entwicklung des Aktienmarkts zu partizipieren. Bei Aktien würden sich die Analysten der Weberbank zwar offensiver aufstellen, um an der Erholung von zyklischen Aktien zu partizipieren, gleichzeitig jedoch weiterhin an den Krisengewinnern festhalten. Zusätzlich würden sie ihre Aktienmandate um Nebenwerte ergänzen, die im Zuge einer zyklischen Erholung einen Mehrwert erwirtschaften sollten. Die Analysten der Weberbank würden nach wie vor auf die Qualität der Geschäftsmodelle achten und nicht in Versuchung geraten, vermeintlich günstige Aktien zu kaufen, die am Ende geschwächt aus der Pandemie hervorgehen würden. Wir gehen zudem allein aufgrund der Technologieaktien weiterhin von einer relativen Stärke des US-amerikanischen Aktienmarkts aus, so die Analysten der Weberbank. (04.12.2020/alc/a/a)