Britische Staatsanleihen sind für Anleger uninteressant


01.03.12 12:59
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Nach Meinung des Analysten von Anleihencheck Research Rafal Kulis ist eine Anleihe (ISIN GB00B39R3F84 / WKN A0T167) des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland für Anleger uninteressant.

Die Anleihe habe noch eine Laufzeit bis zum 7. März 2019 und sei mit einem Nominalzinssatz von 4,50% ausgestattet. Aus dem aktuellen Kurs von 119,73 GBP resultiere eine dürftige Rendite von 1,456% p.a.

Obwohl die Risikoaversion in den letzten Wochen etwas abgenommen habe und infolgedessen die Staatsanleihenrenditen vieler krisengeschüttelter Euro-Staaten, vor allem aus Südeuropa, etwas zurückgegangen seien, würden Anleger nach wie vor weltweit um ihr Geld fürchten. Das gehe inzwischen soweit, dass sie keine Rendite mehr erwarten würden, sondern sogar dazu bereit seien, eine Gebühr zu zahlen, damit sie ihr Kapital in einem als sicherer Hafen geltenden Land parken können.

In den vergangenen Jahren und Monaten hätten viele Anleiheinvestoren ihr Geld nach Großbritannien umgeschichtet - aus einem sehr einfachen Grund: Die Bank of England mache das Königreich durch unbegrenztes Gelddrucken zum sicheren Hafen. Dadurch werde der britische Staat trotz hoher Inflation (2011: 4,5%) und schwacher Konjunktur (Q4/2011-BIP: -0,2%) zu einem der weltweit bevorzugten Schuldnern. Dabei seien die Realzinsen bei den britischen Staatsanleihen (Gilts) in letzter Zeit negativ gewesen: Die Rendite zehnjähriger Gilts liege mit rund 2% deutlich unterhalb der Inflationsrate. Bei einer Auktion Anfang Januar hätten die Gilts sogar Negativzinsen erreicht: Die Anleihe mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2047 sei zu einem Zinssatz von -0,116% verkauft worden. Wer sein Geld dem britischen Staat leihe, mache also Verluste. Und Großbritannien gewinne.

Die weltweite Finanzkrise, die Misswirtschaft früherer Regierungen sowie die staatlichen Maßnahmen zur Rettung britischer Banken hätten Großbritannien tief in den Schuldensumpf rutschen lassen. Die Regierung von Premierminister Cameron habe den Abbau des Haushaltsdefizits und die Reduzierung des Schuldenstands (etwa 150% des BIPs) zu ihrer Priorität erklärt und einen harten Sparkurs eingeschlagen. Dieser lasse jedoch auch die Wirtschaft und das Steueraufkommen schrumpfen. Mit dem Sparprogramm oder mit dem Wirtschaftswachstum seien die britischen Staatsfinanzen also nicht wirklich wieder in Ordnung zu bringen. Mit negativen Realzinsen lasse sich der Schuldenstand aber realtiv schnell drastisch drücken.

Deswegen werde die restriktive Fiskalpolitik der britischen Regierung indirekt auch durch die extrem expansiven Geldpolitik der Bank of England (BoE) unterstützt. Die Notenbank halte ihren Leitzins seit Anfang März 2009 auf einem historischen Tief von 0,5%. Und britische Banken, Versicherungen und Pensions- sowie Investmentfonds seien gezwungen, die Staatspapiere trotz niedriger Zinsen weiterhin zu kaufen. Die Pensionskassen müssten zum Beispiel aufgrund ihrer Statuten einen Teil ihrer Anlagen in Gilts halten, dazukämen regulatorische Vorschriften wie Basel II und III. Das alles spiele der britischen Regierung in die Hände.

Dass diese Politik für Großbritannien auf Dauer nicht ohne Risiko sei, habe zuletzt auch die Ratingagentur Moody's festgestellt und dem Land einen Warnschuss versetzt. Das britische AAA-Rating habe von ihr einen negativen Ausblick bekommen. Hinzu komme die Tatsache, dass obwohl Großbritannien kein Mitglied der Eurozone sei, so bekomme seine Wirtschaft durch die engen Handelsverflechtungen die wirtschaftliche Schwäche zahlreicher Euro-Länder deutlich zu spüren. Und dennoch drohe dem Königreich nach Ansicht vieler Experten nicht, auf absehbare Zeit in die Missgunst der Anleger zu fallen. "Großbritannien wird nicht Bankrott gehen, weil die Bank einfach mehr Geld drucken wird. Ob es dann noch den gleichen Wert hat, ist eine andere Geschichte, aber man wird immer etwas kriegen", so Michael Hewson, Analyst von CMC Markets.

Die Anleger würden bei den britischen Staatsanleihen aufgrund der nach wie vor hohen Inflation und der niedrigen - oder zum Teil sogar negativen - Realzinsen nach Ablauf der Laufzeit weniger Geld erhalten als sie dem Königreich anfänglich geliehen hätten. Das zeige zwar, dass Großbritannien von den Investoren noch immer als vermeintlich sicherer Hafen angesehen werde, dadurch würden die UK-Anleihen allerdings auch immer uninteressanter.

Nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research sind die Anleihen des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland für Anleger uninteressant. (Analyse vom 01.03.2012) (01.03.2012/alc/a/a)


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