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Brasilien: Forderndes Umfeld für Zentralbank


29.09.22 10:07
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Industrieproduktion schrumpfte stärker als erwartet und die Einzelhandelsumsätze fielen deutlich schwächer aus, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management.

Die fiskalischen Stimuli würden allmählich Wirkung zeigen - auch in den Wahlumfragen.
Forderndes Umfeld für Brasiliens Zentralbank

Brasiliens Industrieproduktion sei im Juni etwas stärker als erwartet geschrumpft, wobei die Schwäche alle Sektoren betroffen habe, mit Ausnahme langlebiger Güter. Die Belebung bei letzteren sei allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau erfolgt. Auch die Einzelhandelsumsätze seien deutlich schwächer gewesen. Die Zentralbank zeige sich angesichts dessen zunehmend besorgt über die konjunkturelle Situation, während sie gleichzeitig an der Inflationsfront voll gefordert sei und sowohl Währung als auch die Zinsanhebungen in den USA im Auge behalten müsse. Dieser schwierige Spagat sei einmal mehr im August deutlich geworden: Mit einer Leitzinsanhebung um 0,50% auf nunmehr 13,75% habe die Notenbank zwar wie von den Märkten agiert erwartet, die verbale Begleitmusik sei allerdings sehr "dovish" gewesen und habe teilweise die Botschaft der Zinsanhebung unterminiert.

Wahlumfragen: Bolsonaro hole stark auf

Unterdessen würden die fiskalischen Stimuli, die Präsident Bolsonaro vor allem mit Blick auf die Anfang Oktober anstehenden Präsidentschaftswahlen initiiert habe, sowohl volkswirtschaftlich als auch in den Wahlumfragen allmählich Wirkung zeigen. Der noch vor zwei Monaten zweistellige Rückstand des Amtsinhabers gegenüber Ex-Präsident Lula da Silva sei kräftig geschrumpft und habe zuletzt nur noch wenige Prozentpunkte betragen. Damit scheine der Wahlausgang völlig offen. Hilfreich dabei sei zweifellos auch, dass das für Bolsonaro sehr unangenehme Thema der Covid-Pandemie angesichts der neuen Herausforderungen zusehends verblasse.

Die Börse in Sao Paolo habe im August zu den stärkeren Märkten weltweit gehört und um rund 6% zugelegt. Ähnlich hoch falle das Plus seit Jahresbeginn aus (jeweils in Lokalwährung). Das sei eine sehr gute Performance im Vergleich zu den deutlich negativen Wertentwicklungen in den allermeisten anderen Märkten, sowohl bei Industrienationen als auch Schwellenländern. (29.09.2022/alc/a/a)