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Blickpunkt EZB: Mehr Zuversicht für 2026


19.12.25 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Konstante Leitzinsen und Aufwärtsrevisionen bei den Wirtschaftsprognosen - damit überraschte uns die EZB heute nicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Aus Sicht der Marktteilnehmer habe die Zinssitzung ganz im Zeichen gestanden, ob die aktualisierten Wirtschaftsprognosen Signale für den weiteren Zinspfad liefern würden. Mit der nennenswerten Aufwärtsrevision der Kerninflation auf 2,2% für das Jahr 2026 würden die Analysten die EZB zwar nicht unter Druck sehen, die Risiken würden aber sehr wohl in Richtung Zinserhöhung und nicht Zinssenkung verschoben.

Der EZB-Rat habe sich auf seiner letzten Zinssitzung des Jahres entschieden, die Leitzinsen konstant zu belassen. Der EZB-Einlagesatz beende das Jahr somit bei 2%, der Hauptrefinanzierungssatz liege bei 2,15%.

Im Fokus hätten diesmal die überarbeiteten Wirtschaftsprognosen der EZB gestanden. Hier sei es zu Aufwärtsrevisionen gekommen, insbesondere für das Jahr 2026. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum liege zwar immer noch unter der Einschätzung der Analysten, die Aufwärtsrevision beim BIP-Wachstum von 0,2%-Punkten in 2026 gehe aber in die richtige Richtung. Die Aufwärtsrevision könne auf eine steigende heimische Nachfrage zurückgeführt werden, das internationale Umfeld werde weiterhin als schwierig beschrieben, auch wenn die Exporte zuletzt positiv überrascht hätten. Neben den Exporten würde der EZB-Rat aber auch von höherem Lohnwachstum überrascht. Die Inflationsprognosen der EZB setzten nun einen langsameren Rückgang der Dienstleistungsinflation an. Im Lichte einer besseren Konjunkturdynamik erscheine den Analysten das schlüssig und sei ebenso konsistent mit ihrem Prognosebild. Demnach würden die Analysten die Revisionen als einen Schritt in die richtige Richtung betrachten, man würde sich aber dennoch nicht überaus optimistisch hinsichtlich der Konjunkturdynamik in der Eurozone zeigen.

Die Pressekonferenz habe diesmal nur wenig zusätzliche Informationen geboten. Auf die Frage, ob eine Zinserhöhung als nächsten Schritt wahrscheinlicher anzusehen sei als eine Zinssenkung, habe sich Lagarde bedeckt gehalten. Bereits bekannte Formulierungen wie etwa "wir sind gut positioniert", aber dennoch "nicht statisch", seien erneut verwendet worden. Lagarde habe insbesondere die erhöhte Unsicherheit als Risikofaktor betont, dem die Analysten aber nur wenig Bedeutung beimessen würden. Die EZB gebe keine Forward Guidance, so viel sei klar, dennoch erschienen den Analysten die Risiken des Zinspfads im Licht der erwarteten Konjunkturentwicklung klar nach oben gerichtet zu sein. Am Zinsmarkt sei dem im Dezember mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden, und auch heute sei die initiale Marktreaktion hawkisch gewesen, was sich aber im Zuge der Pressekonferenz wieder umgekehrt habe.

Einige Fragen habe es auch dazu gegeben, wer Lagarde 2027 an der Spitze der EZB nachfolgen solle. Isabel Schnabel, aber auch Klaas Knot, seien erwähnt worden. Natürlich habe sich Lagarde nicht zu ihrer Nachfolge geäußert. Sie habe jedoch bemerkt, dass es bereits zuvor rechtliche Bedenken gegeben habe, wenn ein Mitglied des EZB-Direktoriums zum EZB-Präsidenten aufsteige. Eine Ernennung Isabel Schnabel wäre somit mit rechtlichen Risiken verbunden, was neben ihrer oft polarisierenden Einschätzungen gegen die Deutsche spreche. Das Thema der EZB-Nachfolge werde aber wohl präsent bleiben. (Ausgabe vom 18.12.2025) (19.12.2025/alc/a/a)