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Barings-Experten über EMD: Starker Rückenwind, aber Risiken am Horizont
11.12.20 14:30
Barings
Boston (www.anleihencheck.de) - Die Barings-Manager Omotunde Lawal, Ricardo Adrogué und Cem Karacadag haben das Marktsegment Emerging Markets Debt unter die Lupe genommen und konstatieren, dass die Unternehmen gemessen an der Ausfallrate ihrer Anleihen bislang besser durch die COVID-Krise gekommen sind als erwartet.
Auch viele Schwellenländer scheinen ihre durch den Kampf gegen die Pandemie gestiegenen Schulden tragen zu können, so die Experten von Barings. In ihrem insgesamt positiven Ausblick würden sie aber vor möglichen, am Horizont aufziehenden Risiken warnen.
Die Dynamik, die Emerging-Markets-Anleihen im zweiten Quartal erlebt hätten, habe während des größten Teils des dritten Quartals angehalten, auch wenn die Entwicklung gegen Quartalsende etwas an Schwung verloren habe, als die Sorgen um eine zweite COVID-Welle und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zugenommen hätten. Sowohl Unternehmens- als auch Staatsanleihen hätten das Quartal im positiven Bereich beendet, während die Währungen zurückgeblieben seien. Hinsichtlich der Performance (per 30.09.2020) hätten EM-Unternehmensanleihen mit einem Zuwachs von 2,75% an der Spitze gelegen, gefolgt von Staatsanleihen (2,32%) und lokalen Anleihen (0,61%).
Seit März hätten die EM-Unternehmen von einer Welle der Unterstützung durch Regierungen und Banken profitiert, die dazu beigetragen habe, die Anlageklasse gegen die negativen Auswirkungen der Pandemie abzuschirmen - ein Beleg dafür sei die solide Gewinnsaison der EM-Unternehmen im zweiten Quartal und eine Ausfallquote der Anleihen, die mit 2,9% deutlich unter den ursprünglichen Prognosen von 4,5% liege.
Nach Ansicht der Experten sei eines der größten Risiken für EM-Unternehmen, dass die Nachfrage (einschließlich der Rohstoffnachfrage aus China) ins Stocken gerate und verhindere, dass die Unternehmen ihre Schulden bedienen könnten, sobald die Unterstützungsprogramme reduziert oder eingestellt würden. Daher müssten, auch wenn sich weiterhin ausgewählte Gelegenheiten ergeben würden, vor allem diejenigen Unternehmen identifiziert werden, deren Geschäftsmodelle widerstandsfähig genug seien, um einem Nachfragerückgang standzuhalten. Hier scheinen vor allem Unternehmen in defensiven Sektoren wie Verbraucher, Versorger und Telekommunikation, Medien und Technologie (TMT) relativ gut positioniert zu sein, so die Experten von Barings.
Auch das High-Yield-Segment sehe, trotz des inzwischen hohen Niveaus, weiterhin attraktiv aus. Zu Beginn dieses Jahres habe sich der Spread-Unterschied zwischen dem Hochzins- und dem Investment-Grade-Segment erheblich ausgeweitet und über 700 Basispunkte erreicht. Zwar habe sich diese Differenz in den letzten Monaten etwas verringert, doch sei sie mit etwa 400 Basispunkten (per 30.09.2020) nach wie vor groß genug, um in ausgewählten Teilen des Hochzinssegments Spielraum für eine weitere Spread-Einengung zu bieten. Innerhalb des High-Yield-Segments würden die Experten auch weiterhin Chancen bei kurzlaufenden Anleihen sehen, die eine geringere Volatilität aufweisen würden.
Auch bei Staatsanleihen habe der Markt seine Erholung über den größten Teil des dritten Quartals fortsetzen können, bevor es am Quartalsende zu einer erhöhten Volatilität und einer geringfügigen Spread-Ausweitung gekommen sei. Bemerkenswert sei, dass nach wie vor eine Diskrepanz zur Entwicklung der Realwirtschaften der Schwellenländer bestehe, wobei es Jahre dauern könne, bis diese ihre volle Kapazität wieder erreicht hätten. Vor diesem Hintergrund sei eine der Schlüsselfragen, welche Länder ihren Schuldenverpflichtungen nachkommen könnten - und würden. Was die Zahlungsfähigkeit betrifft, so gibt es eine Reihe von Ländern, die in einer recht guten Verfassung zu sein scheinen - Mexiko zum Beispiel, oder auch Russland, Thailand und Peru scheinen zahlungsfähig zu sein, ebenso europäische Schwellenländer wie Ungarn, die Tschechische Republik und Polen, so die Experten von Barings.
Komplizierter sei die Analyse, ob ein Land auch bereit sei, seine Schulden zu bezahlen, was zum Teil auf den Einfluss internationaler Finanzinstitutionen wie der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zurückzuführen sei. In den letzten Monaten habe es Anzeichen dafür gegeben, dass diese Institutionen EM-Länder mit einem hohen Schuldenstand im Verhältnis zum BIP zu einer Umschuldung ermutigen könnten. Nach Ansicht der Experten könne die Analyse der Zahlungsfähigkeit eines Landes auf der Grundlage dieses BIP-Verhältnisses jedoch irreführend sein, da einige Länder in der Lage seien, Kredite zu sehr niedrigen Zinssätzen aufzunehmen und daher viel höhere Schulden im Verhältnis zum BIP zu verkraften als andere.
Angesichts dieser Überlegungen sei es fast unmöglich, weitreichende, pauschale Schlussfolgerungen über die Attraktivität von EM-Staatsanleihen zu ziehen. Alles in allem würden die Experten aber nach wie vor Chancen in Ländern sehen, die ein Investment-Grade-Rating hätten, wie Kolumbien, Rumänien, Russland und Brasilien. Im High-Yield-Segment seien die Experten wählerischer, würden aber ebenfalls Chancen in Ländern wie der Ukraine, Aserbaidschan und in mittel- und osteuropäischen Volkswirtschaften wie Kroatien, Albanien und Mazedonien sehen.
Die Länder- und Kreditauswahl sei von entscheidender Bedeutung, da das Jahr 2021 neue Herausforderungen mit sich bringen werde, weshalb sich die Experten darauf konzentrieren würden, Länder zu vermeiden, in denen sich die Finanzierungsmaßnahmen verschlechtern und Bonitätsherabstufungen drohen könnten. (11.12.2020/alc/a/a)
Auch viele Schwellenländer scheinen ihre durch den Kampf gegen die Pandemie gestiegenen Schulden tragen zu können, so die Experten von Barings. In ihrem insgesamt positiven Ausblick würden sie aber vor möglichen, am Horizont aufziehenden Risiken warnen.
Die Dynamik, die Emerging-Markets-Anleihen im zweiten Quartal erlebt hätten, habe während des größten Teils des dritten Quartals angehalten, auch wenn die Entwicklung gegen Quartalsende etwas an Schwung verloren habe, als die Sorgen um eine zweite COVID-Welle und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zugenommen hätten. Sowohl Unternehmens- als auch Staatsanleihen hätten das Quartal im positiven Bereich beendet, während die Währungen zurückgeblieben seien. Hinsichtlich der Performance (per 30.09.2020) hätten EM-Unternehmensanleihen mit einem Zuwachs von 2,75% an der Spitze gelegen, gefolgt von Staatsanleihen (2,32%) und lokalen Anleihen (0,61%).
Seit März hätten die EM-Unternehmen von einer Welle der Unterstützung durch Regierungen und Banken profitiert, die dazu beigetragen habe, die Anlageklasse gegen die negativen Auswirkungen der Pandemie abzuschirmen - ein Beleg dafür sei die solide Gewinnsaison der EM-Unternehmen im zweiten Quartal und eine Ausfallquote der Anleihen, die mit 2,9% deutlich unter den ursprünglichen Prognosen von 4,5% liege.
Auch das High-Yield-Segment sehe, trotz des inzwischen hohen Niveaus, weiterhin attraktiv aus. Zu Beginn dieses Jahres habe sich der Spread-Unterschied zwischen dem Hochzins- und dem Investment-Grade-Segment erheblich ausgeweitet und über 700 Basispunkte erreicht. Zwar habe sich diese Differenz in den letzten Monaten etwas verringert, doch sei sie mit etwa 400 Basispunkten (per 30.09.2020) nach wie vor groß genug, um in ausgewählten Teilen des Hochzinssegments Spielraum für eine weitere Spread-Einengung zu bieten. Innerhalb des High-Yield-Segments würden die Experten auch weiterhin Chancen bei kurzlaufenden Anleihen sehen, die eine geringere Volatilität aufweisen würden.
Auch bei Staatsanleihen habe der Markt seine Erholung über den größten Teil des dritten Quartals fortsetzen können, bevor es am Quartalsende zu einer erhöhten Volatilität und einer geringfügigen Spread-Ausweitung gekommen sei. Bemerkenswert sei, dass nach wie vor eine Diskrepanz zur Entwicklung der Realwirtschaften der Schwellenländer bestehe, wobei es Jahre dauern könne, bis diese ihre volle Kapazität wieder erreicht hätten. Vor diesem Hintergrund sei eine der Schlüsselfragen, welche Länder ihren Schuldenverpflichtungen nachkommen könnten - und würden. Was die Zahlungsfähigkeit betrifft, so gibt es eine Reihe von Ländern, die in einer recht guten Verfassung zu sein scheinen - Mexiko zum Beispiel, oder auch Russland, Thailand und Peru scheinen zahlungsfähig zu sein, ebenso europäische Schwellenländer wie Ungarn, die Tschechische Republik und Polen, so die Experten von Barings.
Komplizierter sei die Analyse, ob ein Land auch bereit sei, seine Schulden zu bezahlen, was zum Teil auf den Einfluss internationaler Finanzinstitutionen wie der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zurückzuführen sei. In den letzten Monaten habe es Anzeichen dafür gegeben, dass diese Institutionen EM-Länder mit einem hohen Schuldenstand im Verhältnis zum BIP zu einer Umschuldung ermutigen könnten. Nach Ansicht der Experten könne die Analyse der Zahlungsfähigkeit eines Landes auf der Grundlage dieses BIP-Verhältnisses jedoch irreführend sein, da einige Länder in der Lage seien, Kredite zu sehr niedrigen Zinssätzen aufzunehmen und daher viel höhere Schulden im Verhältnis zum BIP zu verkraften als andere.
Angesichts dieser Überlegungen sei es fast unmöglich, weitreichende, pauschale Schlussfolgerungen über die Attraktivität von EM-Staatsanleihen zu ziehen. Alles in allem würden die Experten aber nach wie vor Chancen in Ländern sehen, die ein Investment-Grade-Rating hätten, wie Kolumbien, Rumänien, Russland und Brasilien. Im High-Yield-Segment seien die Experten wählerischer, würden aber ebenfalls Chancen in Ländern wie der Ukraine, Aserbaidschan und in mittel- und osteuropäischen Volkswirtschaften wie Kroatien, Albanien und Mazedonien sehen.
Die Länder- und Kreditauswahl sei von entscheidender Bedeutung, da das Jahr 2021 neue Herausforderungen mit sich bringen werde, weshalb sich die Experten darauf konzentrieren würden, Länder zu vermeiden, in denen sich die Finanzierungsmaßnahmen verschlechtern und Bonitätsherabstufungen drohen könnten. (11.12.2020/alc/a/a)


