Erweiterte Funktionen

Bankenpleiten 2023: Gefallene Schurken oder "Kanarienvögel in der Kohlengrube"?


13.04.23 10:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - 2023 startete mit drei wichtigen Themen: Ein aggressiver Straffungszyklus der Federal Reserve (FED), eine immer noch über dem Zielwert liegende Inflation, und widerstandsfähige Konjunkturdaten, so Greg Wilensky, Head of U.S. Fixed Income, und Michael Keough, Portfolio Manager, Janus Henderson Investors.

Vor diesem Hintergrund hätten die Märkte mit verschiedenen Wirtschaftsentwicklungen gerechnet, von einer weichen Landung über eine harte Landung bis hin zu gar keiner Landung. Im März sei es jedoch noch "interessanter" geworden.

Ein Sprichwort besagt: "Die FED erhöht so lange, bis etwas zerbricht". Im letzten Monat sei etwas "zerbrochen", als die Silicon Valley Bank (SVB) und die Signature Bank (SBNY) pleitegegangen seien und die Schweizer Regierung die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS habe erzwingen müssen. Die Auswirkungen dieser Ereignisse würden für die Entwicklung der Märkte und der Wirtschaft in den kommenden Monaten von Bedeutung sein.

Auch wenn die endgültigen Folgen noch nicht absehbar seien, würden die Experten davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession gestiegen sei und sich ihr Zeitpunkt nach vorne verschieben könnte. Ihrer Ansicht nach beeinflusse dies die Positionierung der Anleger in einem sich verändernden Umfeld.

Die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor hätten die Märkte überrascht. Denn die meisten Marktteilnehmer hätten den Sektor als qualitativ hochwertig eingestuft, nachdem er in den letzten 15 Jahren nach der globalen Finanzkrise durch staatliche Regulierung solide Kapitalpositionen aufgebaut habe. Schwierigkeiten im Bankensektor könnten erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsprognosen, den Straffungszyklus der Zentralbank und die Marktrenditen haben.

Hochwertige festverzinsliche Wertpapiere könnten in diesen Zeiten die dringend benötigten defensiven Eigenschaften in ein Portfolio bringen. Kernanleihen hätten sich im März, als Aktien aufgrund des angespannten Bankensektors nachgegeben hätten, weitgehend invers entwickelt und den von Investoren von ihrer Anleiheallokation erwarteten Ausgleich geliefert.

Anfang 2023 waren die Experten von Janus Henderson Investors der Meinung, dass die wichtigsten Merkmale von Qualitätsanleihen, nämlich Ertrag und Diversifizierung, nach dem großen Zinsschritt 2022 zurückgekehrt waren. Sie hätten geglaubt, dass Anleger mit einer Allokation in Kernanleihen wieder gut bedient wären. Zwar hätten sie nicht mit großen Bankenzusammenbrüchen gerechnet, aber sie seien überzeugt gewesen, dass festverzinsliche Wertpapiere ein notwendiges Instrument für die Portfoliokonstruktion seien, da der Straffungszyklus der FED eine Konjunkturabkühlung und Senkung der Inflationsrisiken mit sich bringen könnte. Im März hätten sie dann sehen können, dass die Anleihenallokation die Kundenerwartungen erfüllt hätten.

Während die Anleger die Diversifizierungsvorteile von Anleihen in den letzten Wochen zu schätzen wissen, stellt sich die dringende Frage: Handelt es sich bei den jüngsten Bankenzusammenbrüchen um idiosynkratische Ereignisse, die sich in Grenzen halten werden, oder um die ersten Anzeichen einer systemischen Bankenkrise, so die Experten von Janus Henderson Investors. Sie würden es noch für zu früh halten, um dies mit Sicherheit sagen zu können. Im Moment scheinen sie idiosynkratisch zu sein, da die insolventen Banken mit Risiken und Herausforderungen zu kämpfen hatten, die sich deutlich von denen des gesamten Bankensektors unterscheiden, so die Experten von Janus Henderson Investors weiter.

Dennoch seien die Experten der Meinung, dass idiosynkratische Ereignisse das Potenzial hätten, systemisch zu werden, insbesondere wenn Investoren und Einleger weiterhin sozusagen "das schwächste Glied in der Kette" suchen würden. Egal, ob es auf Wahrheit oder Gerüchten beruhe, der Verlust des Vertrauens in ein Institut könne schnell zu dessen Untergang führen, wenn es zu einem Ansturm auf die Bank komme.

Darüber hinaus seien Banken mit einem schwierigen Zinsumfeld konfrontiert, denn die kurzfristigen Zinssätze seien hoch bei inverser Renditekurve. In einem normalen Zinsumfeld - langfristige Zinsen liegen über den kurzfristigen Zinsen - würden die Banken Geld verdienen, indem sie kurzfristige Einlagen entgegennehmen und diese Einlagen zu höheren Zinsen für längere Laufzeiten verleihen würden. Bei einer inversen Zinsstrukturkurve werde es jedoch, für die Banken schwieriger, Kredite zu wesentlich höheren Zinssätzen zu vergeben, als sie für Einlagen zahlen würden.

Darüber hinaus seien die Banken angesichts der gestiegenen Kurzfristzinsen einem harten Wettbewerb um neue Einlagen durch höher rentierende Geldmarkt- und Rentenfonds ausgesetzt. Die US-Banken würden seit Beginn der Zinserhöhungen durch die FED 2022 stetige Einlagenabflüsse verzeichnen. Dies werde letztendlich ihre Kapazität zur Vergabe neuer Kredite einschränken und gleichzeitig die Zinsen für die von ihnen vergebenen Kredite in die Höhe treiben, da ihre Finanzierungskosten steigen würden.

Die Kreditvergabe sei ein wichtiger Motor des Wirtschaftswachstums. Da neue Einlagen zu einer neuen Kreditvergabe führen würden, gelte auch der Umkehrschluss: Einlagenabflüsse würden zu einem Rückgang der Kreditvergabe führen. Würden bei Banken weiterhin Einlagen abgezogen, werde dies nach Meinung der Experten die Wirtschaft zusätzlich belasten. Die Banken würden gezwungen sein, Liquidität vorzuhalten und die Kreditbestimmungen zu verschärfen, indem sie weniger, risikoärmere und teurere Kredite vergeben würden. Dies führe letztlich zu einer Konjunkturabschwächung.

Die jüngsten Bankenpleiten hätten einen dramatischen Einfluss auf die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen gehabt, nachdem diese Anfang 2023 begonnen hätten, sich zu entspannen.

Unabhängig davon, ob es zu einer systemischen Bankenkrise kommt oder nicht, sehen die Experten von Janus Henderson Investors die FED jetzt in einer noch schwierigeren Lage: Sie versuche, Bankenzusammenbrüche zu verhindern bei gleichzeitiger Inflationseindämmung. Ein in ihren Augen großer Nachteil für die Wirtschaft, der die Wahrscheinlichkeit einer Rezession erhöhe. Außerdem dürfte die FED nach ihrer Zinserhöhung um 0,25% im März eher eine Pause einlegen, da sie die Auswirkungen der strengeren Finanzierungsbedingungen und des bevorstehenden langsameren Kreditwachstums der Banken auf die Wirtschaft berücksichtige.

- Inkaufnahme eines gewissen Zinsrisikos (Duration). Aufgrund des angespannten Bankensektors, der gestiegenen Wahrscheinlichkeit einer Rezession und unserem Eindruck, dass die FED ihre Zinserhöhungen abgeschlossen habe - oder kurz davorsteht -, würden die Experten einen deutlichen Zinsanstieg ab jetzt für sehr unwahrscheinlich halten. Darüber hinaus seien sie der Meinung, dass eine Erhöhung der Duration auf dem derzeitigen Niveau den Portfolios dringend benötigte defensive Eigenschaften bieten könne.

- Vorsicht beim Spread-Risiko. Aufgrund der in letzter Zeit gestiegenen Risiken würden sicht die Experten von Janus Henderson Investors für eine defensivere Haltung bei der Allokation in Anleihen geringerer Bonität aussprechen. Sie würden auch konjunkturabhängige Branchen meiden, insbesondere solche, die am empfindlichsten auf strengere Kreditvergabebedingungen reagieren würden. Sie seien der Meinung, dass Research im derzeitigen Umfeld wichtiger denn je sei. Die Anleger sollten sich bewusst sein, welche Titel sie halten würden und welchem Risiko das Portfolio ausgesetzt sei.

- Seien Sie flexibel und aktiv. In einem schwieriger werdenden Wirtschaftsumfeld steige auch die Wahrscheinlichkeit auf deutliche Gewinner und Verlierer. Gleiches gelte für bestimmte Sektoren, Branchen und einzelne Emittenten. Aus Sicht der Experten erlaube ein flexibler Ansatz eine bessere Nutzung von sich im Laufe des Jahres bietenden Anlagechancen, was möglicherweise zu besseren risikoadjustierten Renditen führe. (13.04.2023/alc/a/a)