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Bank of Japan mit Negativzinsen


03.02.16 10:40
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Zentralbank in Tokio beschloss überraschend die Einführung eines Negativzinses, womit die schwächelnde Wirtschaft angekurbelt werden soll, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Geschäftsbanken sollten - ähnlich wie bereits in der Eurozone - davon abgehalten werden, große Mengen an Geld bei der Notenbank zu parken, anstatt sie als Kredite für Investitionen an die Unternehmen zu vergeben. So werde künftig ein Zins von minus 0,1% auf bestimmte Geschäftsbanken-Einlagen erhoben. Seit 2014 fahre auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine solche Strategie. Im Euroraum liege der negative Einlagezins derzeit bei minus 0,3%. Angekündigt worden sei, die Zinsen noch weiter in den Minusbereich zu senken, sollte dies notwendig sein, hätten Vertreter der Bank of Japan (BoJ) erklärt.

Neben der oft als zu schleppend kritisierten Kreditvergabe sei die geringe Inflation auch für die drittgrößte Volkswirtschaft ein Problem. So habe die BoJ beschlossen, die Geldmenge unverändert um 80 Billionen Yen (rund 617 Milliarden Euro) pro Jahr auszuweiten - dies solle die Teuerung anheizen. Sofern dies auf Dauer nicht gelinge, könnten Verbraucher und Firmen in Erwartung weiter sinkender Preise Käufe und Investitionen immer mehr verschieben. Dann könnte der gesamten Wirtschaft eine Abwärtsspirale drohen. Die BoJ kämpfe darum, nach fast zwei Jahrzehnten stetig fallender Preise ein Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Doch das gestalte sich nicht zuletzt wegen des rasanten Ölpreisverfalls schwierig. So sei das Inflationsziel auf die erste Hälfte des Haushaltsjahres 2017/2018 verschoben worden.

Für das nächste Fiskaljahr gehe man jetzt von 0,8% Inflation aus. Im Oktober habe die Erwartung hier noch bei 1,4% gelegen. Am Finanzmarkt sei der Druck auf die BoJ zuletzt gestiegen, die geldpolitischen Zügel wegen der Flaute beim größten Handelspartner China sowie des geringen Preisanstiegs im Inland abermals zu lockern. Die Geldschwemme sei neben schuldenfinanzierten Konjunkturspritzen tragender Pfeiler der "Abenomics" genannten Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe. Daneben habe Abe auch Strukturreformen zugesagt - doch gerade daran mangele es nach Meinung von Analysten. (Ausgabe Februar 2016) (03.02.2016/alc/a/a)