Erweiterte Funktionen

Bank of England stellt sich Brexit entgegen


08.08.16 08:54
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Sehr langsam lösen sich die ersten Nebelschwaden, die die Folgen des Brexits umhüllen und die die Finanzmärkte in den letzten Wochen so sehr haben schwanken lassen, so die Analysten der Weberbank.

Auch wenn längst nicht klar sei, was bei den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien im Endeffekt vereinbart werden werde und die die Auswirkungen des Brexits noch nicht greifbar seien, so böten doch die ersten veröffentlichten Indikatoren post-Brexit einen interessanten Referenzpunkt: Wie befürchtet seien das Verbrauchervertrauen und die Unternehmensumfragen pessimistisch ausgefallen und würden entsprechend auf harte Zeiten für die britische Wirtschaft hindeuten. Folgerichtig habe die Bank of England nach anfänglichem Zaudern am vergangenem Donnerstag eine Antwort auf den Brexit gegeben und zwar in Form einer Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf ein neues Rekordtief von 0,25 Prozent sowie einer Ausweitung ihrer Wertpapierankäufe. Die entscheidende Frage aber, die sich breit aufgestellten Anlegern stelle, sei die nach den Auswirkungen einer möglichen britischen Rezession auf das globale Wachstum. An dieser Stelle sollte von Horrorszenarien Abstand genommen werden. Bereits am 7. Juli 2016 hätten die Analysten auf die engen Grenzen der realwirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits auf Amerika und die Weltwirtschaft hingewiesen.

Trotzdem würden die Wachstumsprognosen für die Eurozone keinen Raum für übertriebenen Optimismus lassen. Für das Jahr 2016 seien die Prognosen der Volkswirte um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5% zurückgegangen und für das Jahr 2017 sogar um 0,4 Prozentpunkte auf 1,2%. Eine wichtige Rolle im Euroraum könnte dabei auch der Ölpreis spielen. Dieser sei seit einigen Wochen auf Talfahrt, was an weiterhin hohen Förderniveaus der OPEC-Staaten, an unerwartet hohen Lagerbeständen in den USA und an dem Umstand liege, dass nach der zwischenzeitlichen Erholung des Ölpreises einige ölfördernde Unternehmen in den USA ihre Produktion wieder ausgeweitet hätten. Kurzum: Das Angebot am Ölmarkt sei wieder gestiegen. Sofern dieser Preisrückgang fortgesetzt werde, könnte das Auswirkungen auf die Geldpolitik in der Eurozone haben, denn fallende Energiepreise und damit fallende Inflation würden erfahrungsgemäß die EZB auf den Plan rufen, die ohnehin versuche, mit einer ultraexpansiven Geldpolitik die Inflation und indirekt das Wachstum in der Eurozone zu stützen.

Die Analysten würden für die kommenden Monate aber noch von moderat steigenden Verbraucherpreisen ausgehen. In Amerika werde derweil mit großem Interesse der kommende Arbeitsmarktbericht erwartet, da dieser, neben der Inflation, eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Geldpolitik der FED darstelle. Besonders im Lichte des positiven Vormonatsberichts könne eine weitere positive Meldung vom US-Arbeitsmarkt die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung des Leitzinses in diesem Jahr signifikant erhöhen. Die Analysten würden aber erwarten, dass durch einen behutsamen Anstieg der Zinsen der Rentenmarkt nicht auf einem falschen Fuß erwischt werden sollte.

Am europäischen Rentenmarkt könne ohne Polemik behauptet werden, dass die Mechanismen einer freien Marktwirtschaft durch einen Akteur ausgehebelt würden, die EZB. Auf der einen Seite wirke die ultraexpansive Geldpolitik auf die Renditen der Staatsanleihen, sodass die Renditen der deutschen und französischen Papiere bereits bis in die langen Laufzeiten negativ seien. Zum anderen würden durch massive Unternehmensanleihenkäufe der EZB mehr und mehr auch die Kompensationen für das Ausfallrisiko (Risikoprämie) europäischer Unternehmensanleihen verzerrt und somit Investitionsentscheidungen erschwert. Zusätzlich sei auch die Liquidität, also die Handelbarkeit solcher Anleihen durch die EZB-Politik eingeschränkt worden. Vor diesem Hintergrund lohne es sich aus Sicht der Analysten, die Positionen in den Schwellenländern wieder aufzustocken und dadurch attraktive Risikoprämien zu vereinnahmen.

Auch wenn das wirtschaftliche Umfeld derzeit von politischen Risiken und globalen Unsicherheiten dominiert werde, so lohne es sich doch, am Aktienmarkt den Blick für die fundamentalen Unternehmensdaten nicht zu verlieren, die derzeit veröffentlicht würden. Dabei sei positiv hervorzuheben, dass die Gewinnschätzungen der Analysten bisher häufig übertroffen worden seien und somit die mittelfristig positive Einschätzung der Analysten für Aktien bestätigt worden sei. Schließlich sei letzte Woche der Fokus der Anleger in Richtung des krisengeschüttelten Bankensektors geschwenkt, da die Publikation des Stresstests der EU-Bankaufsichtsbehörde (EBA) angestanden habe. Am Ende habe verhalten aufgeatmet werden können, denn das Ergebnis habe die Widerstandsfähigkeit im EU-Banken-Sektor als Ganzes unterstrichen, die auf die erheblichen Kapitalaufstockungen der Vergangenheit zurückgeführt werden könne. (Ausgabe vom 05.08.2016) (08.08.2016/alc/a/a)