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Ausverkauf bei den Zinsen vorerst beendet


25.08.23 12:15
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Schwächere Einkaufsmanagerindizes haben darauf schließen lassen, dass sich die Wirtschaftstätigkeit verlangsamt, wenn die Straffung der Geldpolitik ihre volle Wirkung entfaltet, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Gleichzeitig bestehe die Hoffnung, dass die kommenden Inflationsdaten niedriger ausfallen würden. Vor diesem Hintergrund würden die fünfjährigen Terminsätze von über 4,1 Prozent darauf hindeuten, dass der Ausverkauf bei den Zinsen vorerst weit genug gegangen sei. Allerdings scheine die gängige Positionierung bereits in langen Laufzeiten zu liegen.

Die Stärke der Aktien- und Kreditmärkte in den letzten Monaten werde die US-Notenbank nicht unter Zugzwang setzen, ihren Kurs in Richtung hin zu einer Lockerung der Geldpolitik zu ändern. Andererseits stelle der jüngste Hurrikan in Kalifornien ein kurzfristiges Aufwärtsrisiko für die kommenden Inflationsdaten im Zusammenhang mit den Preisen für frische Lebensmittel dar.

Daher würden wir uns vorerst damit begnügen, keine Tendenz bei den US-Zinsen zu prognostizieren. Eine Kurserholung, die die 10-jährigen Renditen in Richtung 4,5 Prozent drücke, könnte allerdings ein interessanter Einstiegspunkt sein. Derzeit gebe es jedoch keinen zwingenden Grund, Long-Positionen zu erwerben. Es scheine sinnvoller zu sein, abzuwarten und zu beobachten.

Auch die europäischen Renditen hätten in dieser Woche nachgegeben. Die Konjunkturdaten seien weiterhin enttäuschend, da die Einkaufsmanagerindices aufgrund der schwachen Nachfrage zurückgehen. Die starke Verlangsamung in China bremse die europäischen Exporte schon seit einiger Zeit, während die Stimmung der Verbraucher trotz der relativ guten Arbeitsmarktlage gedämpft bleibe.

Im nächsten Monat würden die Konjunkturdaten darüber entscheiden, ob die EZB ihre Geldpolitik nun auf Eis lege oder ob sie eine weitere Zinserhöhung in Aussicht stelle.

Die Nachfrage an den Anleihemärkten sei zuletzt trotz der Ruhe der Sommerzeit relativ robust geblieben. In einer Zeit in der sich die Anleger üblicherweise zurückziehen und in Erwartung eines starken saisonalen Angebots nach der Sommerpause Barmittel aufstocken würden, habe es Anzeichen für Käufer gegeben, die ihr Engagement ausbauen und auf Rendite abzielen würden, da die absoluten Renditen gestiegen seien.

Die Aktienmärkte hätten sich in diesem Monat innerhalb einer breiten Range bewegt. Auffällig sei geblieben, dass Sektoren wie der Technologiesektor, die eine lange Duration hätten, nicht wirklich unterdurchschnittlich abgeschnitten hätten, obwohl die Zinssätze gestiegen seien. Der NASDAQ sei im Jahresverlauf bereits um rund 30 Prozent gestiegen.

Nach Jackson Hole stehe eine ruhige letzte Sommerwoche bevor, auch wenn am kommenden Freitag wieder auf die Lohn- und Gehaltsabschlüsse geschaut werde. Da die Zentralbanken aktuell vor allem auf die Konjunkturdaten blicken würden, werde es noch viel zu verdauen geben, bevor die nächsten Zentralbank-Sitzungen kämen. (25.08.2023/alc/a/a)