Erweiterte Funktionen

Ausblick auf die EZB-Sitzung: Abwarten und Beobachten


04.03.24 12:27
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat es nicht eilig, an diesem Donnerstag die Leitzinsen zu ändern, so Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac.

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung liege nahe bei 0 Prozent und die Chancen einer Anhebung seien noch geringer. Der ‘Modus des Abwartens‘ scheine für die Sitzung in dieser Woche in vollem Gange zu sein. Das Gleiche gelte für den April.

Die jüngsten Wirtschaftsveröffentlichungen und die erwarteten Prognosen aus dem Mitarbeiterstab würden verdeutlichen, warum.

1) Es werde erwartet, dass die Gesamtinflation nach unten korrigiert werde. Der gewichtete Durchschnitt der Öl- und Gaspreise liege heute 10 Prozent niedriger als bei der letzten EZB-Prognose, aber die Korrekturen der Kerninflationsprognosen für 2025 und 2026 dürften bescheiden ausfallen und auf eine Rückkehr zum Zielwert im Laufe des nächsten Jahres hindeuten. Die Disinflationserwartung dürfte fortbestehen, aber auch die Unsicherheit darüber, wo die Preise letztendlich landen würden.

2) Bei den Wirtschaftsindikatoren überwiege die Ambivalenz. Die EZB befinde sich in einer Zwickmühle zwischen den abflauenden Frühindikatoren (die Einkaufsmanagerindices lägen im Kontraktionsbereich) und Fortschritten bei den zukunftsweisenden Komponenten (Auftragseingänge, Neugeschäft und künftige Produktion seien auf einem 10-Monatshoch). Darüber hinaus sei der Arbeitsmarkt nach wie vor angespannt, aber die Löhne würden sich verlangsamen (das angekündigte durchschnittliche Lohnwachstum sei weniger signifikant und die Tariflöhne in Deutschland würden sich dem Vor-Corona-Niveau nähern).

Da die Daten noch keinen klaren Weg in die Zukunft weisen würden, erwarte Carmignac nicht, dass die EZB ihre Leitzinsen vor Juni senke, es sei denn, es kommt zu größeren ‘Unfällen‘.

Was seien die Folgen für die Anleger?

Die Aussicht auf Zinssenkungen auf beiden Seiten des Atlantiks wirft Fragen auf. Die Märkte gehen davon aus, dass die beiden Zentralbanken die gleiche Anzahl von Zinssenkungen vornehmen werden, und zwar in etwa zum gleichen Zeitpunkt. Allerdings ist die wirtschaftliche Lage in den beiden Regionen sehr unterschiedlich. Die US-Wirtschaft wächst 1,5 mal stärker als ihr Potenzial, die Eurozone liebäugelt dagegen mit Stagnation.

Vor diesem Hintergrund bevorzuge Carmignac europäische Kernzinsen gegenüber ihren amerikanischen Pendants. Und generell bevorzuge man bei festverzinslichen Wertpapieren renditestarke Vermögenswerte. Carrys seien attraktiv und würden den Anlegern zeigen, inwieweit die Zeit zu ihren Gunsten spiele, denn Anleiheinvestoren würden fürs Warten bezahlt. (04.03.2024/alc/a/a)