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Ausblick EZB-Sitzung: Es gibt auch optimistische Zeichen


15.12.25 09:45
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Annalisa Piazza, Anleihe-Analystin bei MFS Investment Management, kommentiert die EZB-Sitzung am Donnerstag vorab.

Es sei wahrscheinlich, dass die EZB bei ihrer Sitzung den Markterwartungen entsprechen werde, da sich die Wirtschaftslage stabilisiert habe. Das BIP-Wachstum in den wichtigsten Volkswirtschaften der Eurozone sei zwar uneinheitlich. Insgesamt sei die Lage jedoch weniger schwierig als befürchtet. Die mittelfristige Inflation dürfte sich um das Ziel von 2% stabilisieren, wobei die Prognosen für 2028 leicht über diesem Niveau lägen. Die EZB scheine bereit zu sein, ihren aktuellen Kurs beizubehalten - ohne unmittelbare Zinsänderungen in Sicht - und eine eher abwartende Haltung einnehmen.

Allerdings bestünden weiterhin Risiken für Wachstum und Inflation. Die Unsicherheiten im Handel mit den USA und China könnten in Verbindung mit möglichen Auswirkungen auf schwächere Investitionen und zurückhaltendere Konsumausgaben die Aussichten verdüstern. Aktuelle Daten, wie beispielsweise der Rückgang der deutschen Exporte in die USA und nach China, würden die Fragilität der Handelsdynamik unterstreichen. Eine Zinssenkung Anfang 2026 sei zwar nicht das Basisszenario, könnte aber bei einem Nachlassen des Wirtschaftswachstums eintreten.

Gründe für Optimismus

Auf der anderen Seite gebe es Gründe für Optimismus. Die niedrigeren Leitzinsen würden sich nach wie vor auf die Realwirtschaft auswirken. Das Ausgabenpaket der Bundesregierung dürfte der Konjunktur den dringend benötigten Aufschwung verleihen. Darüber hinaus würden ein robuster Arbeitsmarkt und eine niedrige Inflation die real verfügbaren Einkommen stützen. Das könnte dazu beitragen, dass das BIP-Wachstum in den kommenden Quartalen sein Potenzial annähernd ausschöpfe. Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen hätten die Abwärtsrisiken etwas gemildert und würden die Aussicht auf stabile Zinsen in absehbarer Zukunft stützen.

Die kommenden Monate würden entscheidend dafür sein, ob externe Schocks oder unerwartete Daten das Gleichgewicht kippen und eine Änderung der EZB-Politik bewirken würden. Vorerst scheine die EZB zufrieden damit zu sein, ihren Kurs beizubehalten und das empfindliche Gleichgewicht zwischen Wachstumsrisiken und Inflationsdruck zu halten. (15.12.2025/alc/a/a)