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Ausblick 2022: Rentenmärkte vor der Zinswende?
21.12.21 11:30
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Bislang schien das Szenario einer davon galoppierenden Inflationsrate lediglich ein Schreckgespenst zu bleiben: Nach den Pandemie-bedingten Ausfällen in der Wirtschaft war mit einer anziehenden Teuerung gerechnet worden - aber nur übergangsweise, so die Experten von "FONDS professionell".
Ob die Inflation eine vorübergehende Erscheinung bleibe oder sich als hartnäckige Bedrohung entpuppe, darüber seien sich auch die Investmentstrategen der Vermögensverwalter und Banken uneins.
Einig seien sich die Experten lediglich im verhaltenen Ausblick für die Bondmärkte. Angesichts des historisch niedrigen Renditeniveaus und des unsicheren Umfelds würden sie Rentenpapieren kaum Potenzial zubilligen - und wenn, dann auch nur in ausgewählten Segmenten und Titeln.
Die Notenbanken hätten die Finanzmärkte wegen der Coronakrise mit noch mehr Liquidität geflutet. Nun gewinne die Teuerung an Fahrt. Die Zentralbanker könnten daher die Zinswende einläuten. Im Folgenden, wie Bondprofis die Lage für 2022 einschätzen würden:
Philipp Hildebrand, Vizepräsident von BlackRock: Das BlackRock Investment Institut rechne für 2022 das zweite Jahr in Folge mit positiven Aktienrenditen und negativen Renditen bei Anleihen - das wäre ein Novum seit Beginn der systematischen Datenerfassung 1977. "Wir stehen am Beginn eines neuen Marktregimes", würden Philipp Hildebrand, Vice Chairman von BlackRock, und die Kapitalmarktexperten des globalen Asset-Management-Riesen schreiben. "Diese ungewöhnliche Entwicklung ist die nächste Phase der neuen nominalen Zinswelt, die sich weiter entfaltet: In ihr reagieren Währungshüter und Anleiherenditen verhaltener als früher auf die vom kräftigen Neustart angefachte Inflation", so die Experten. Dieser Rahmen sorge für historisch niedrige inflationsbereinigte Anleiherenditen und begünstige Aktien.
Jörg Boysen, Chefanlagestratege Deka Investment: "Obwohl in den 1960ern bis in die Anfänge der 1980er Jahre die Zinsen bei US-Staatsanleihen von rund vier Prozent bis über zwölf Prozent angestiegen sind, haben Treasuries keinen Schutz gegen steigende Inflation geboten. Im Gegenteil, die Wertentwicklung dieser Anlageklasse war in diesem Zeitraum in realer Rechnung nicht nur negativ, sondern auch deutlich schlechter als die der Aktien. Im Inflationsumfeld von Mitte bis Ende der 1980er profitierten Treasuries von hohen Kupons und konnten in dieser Zeitspanne real leicht an Wert zulegen, blieben aber hinter dem realen Wertzuwachs von Aktien spürbar zurück. Von den derzeitigen rekordniedrigen Zinsen aus kommend würde die Bilanz für Staatsanleihen im Fall eines Inflationsanstiegs sogar noch dramatisch schlechter als in der Vergangenheit ausfallen."
Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International: "Anleihen sind infolge niedriger Zinsen und Risikoprämien nur selektiv interessant. Zinspapiere aus Asien und vor allem China bilden hier eine Ausnahme. Sinnvoll sind Anlagen in dieser Region auch im Portfoliokontext infolge stärker gefallener Korrelationen. Im Kreditbereich haben vor allem Hochzins- und Schwellenländeranleihen noch Potenzial."
Ariel Bezalel, Strategiechef Anleihen bei Jupiter Asset Management: "Die höhere Inflation verstärkt den Druck auf die Zentralbanken, die Zinsen früher anzuheben, als bislang erwartet wird. Das könnte katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft haben, die 2022 bereits Gegenwind aus mehreren Richtungen spüren wird. Falls der Wachstumshöhepunkt bereits erreicht sein sollte und die Wirtschaft ins neue Jahr hinein an Dynamik verliert, bestünde ein reales Risiko, dass die Zentralbanken die Geldpolitik in einen Abschwung hinein straffen und sich im Anschluss zu einer drastischen Kehrtwende gezwungen sehen werden."
Geraldine Sundstrom, Portfoliomanagerin bei PIMCO: "Wir gehen davon aus, dass die Renditen von Staatsanleihen im Laufe des Zyklus steigen werden, sobald Zentralbanken ihre Zinsen anheben. Obwohl inflationsgebundene Assets bereits deutliche Wertsteigerungen verzeichnen konnten, preisen sie unseres Erachtens nach noch keine angemessene Inflationsrisikoprämie ein. Unternehmensanleihen erscheinen insgesamt gesehen angemessen bewertet. Daher sehen wir außerhalb von einmaligen Gelegenheiten kaum noch Möglichkeiten dafür, sich Spread-Kompressionen zunutze zu machen. Allerdings sind wir der Auffassung, dass verbriefte Kredite nach wie vor attraktiv sein können."
Chris Iggo, Anlagechef bei Axa Investment Managers: "Eine gewisse Absicherung in den Portfolios bleibt sinnvoll. Inflationsgebundene Anleihen haben die tatsächliche Inflation in diesem Zyklus übertroffen und dürften dies auch im kommenden Jahr tun. Andere festverzinsliche Anlagen werden es schwer haben, aber selbst dann können aktiv verwaltete Durations- und Kredit-Engagements Anlegern positive Renditen bescheren. Es ist zu bedenken, dass die Märkte für entwickelte Staatsanleihen nur selten zwei Jahre in Folge negative Renditen aufweisen. Prognosen über deutlich höhere Anleiherenditen haben sich in der Vergangenheit als falsch erwiesen - sie könnten es erneut sein."
Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management: "Über das Jahr 2021 hinweg waren in vielen Ländern Teuerungsraten zu beobachten, die zuletzt vor mehr als 30 Jahren vorherrschten. Einige der preistreibenden Effekte können noch immer den Folgen der Corona-Krise zugerechnet werden. Die Beschwichtigung der Notenbanken, die Inflation sei ausschließlich "temporärer" Natur, kann aber pauschal nicht als zutreffend gewertet werden. Es wäre fahrlässig, in der aktuellen Gemengelage nicht auf Anlagestrategien zu setzen, die eine gewisse Robustheit gegenüber einer strukturell höheren Teuerung aufweisen. Innerhalb von festverzinslichen Investmentstrategien sind inflationsgeschützte Anleihen erste Wahl."
Oliver Pfeil, Geschäftsführer und Investmentchef EB-SIM: "Die schrittweise Normalisierung der Geldpolitik, die Rückführung der Anleihekaufprogramme sowie der Einstieg in einen neuen Zinszyklus werden voraussichtlich zu einem schwierigen Umfeld für Renten führen. Vor allem Staatsanleihen könnten dadurch unter Druck geraten. Unternehmensanleihen sollten aufgrund des positiven konjunkturellen Ausblicks jedoch besser unterstützt bleiben. Im Langfristausblick bis 2032 sehen wir allenfalls bei globalen Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen mit 1,2 und 2,8 Prozent noch nennenswertes Renditepotenzial."
Tom Ross, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors: "Wir gehen davon aus, dass die negativen Realrenditen in weiten Teilen des Fixed-Income-Marktes die Anleger weiterhin in höher rentierliche Marktsegmente drängen werden. Die Bewertungen schränken unsere positive Einschätzung ein, da die starke Nachfrage nach Hochzinsanleihen bedeutet, dass sie nicht mehr preiswert sind. Dies macht den Markt anfällig für Phasen erhöhter Volatilität, obwohl wir diese als potenzielle Kaufgelegenheiten betrachten würden."
Oliver Reinhard, Portfoliomanager bei Fisch Asset Management: "In den nächsten 12 bis 18 Monaten sollten deutlich mehr High-Yield-Anleihen in das Investment-Grade-Universum hochgestuft werden als noch 2021. Aufgrund der zunehmenden Popularität des Themas und der Bekanntheit der Emittenten - viele davon waren vor der Pandemie bereits Investment-Grade-Emittenten - ist jedoch die Mehrheit solcher "Rising Stars" bereits so bewertet, als wäre das Upgrade schon vollzogen worden. Entsprechend muss im Einzelfall geprüft werden, ob sich ein Investment noch lohnt. Eine selektive Beimischung von Rising Stars in einem Investment-Grade-Corporates-Portfolio erscheint uns für das kommende Jahr durchaus sinnvoll."
Axel Cron, Investmentchef HSBC Asset Management (Deutschland): "In den Anleihenmärkten gibt es weiterhin wenig attraktive Möglichkeiten. Zu den Ausnahmen zählen asiatische Unternehmensanleihen, die außergewöhnlich hohe Risikoprämien bieten. Sorgen macht zurzeit der dominante Immobiliensektor in China. Allerdings können gerade Probleme und Zahlungsausfälle bei High-Yield-Bonds im Nachgang für Verbesserungen in dem entsprechenden Bereich führen. Lokalwährungsanleihen in den Emerging Markets sind ebenfalls ein interessanter Markt mit enormen Chancen. Ein selektives Vorgehen und die Beurteilung der einzelnen Märkte sind jedoch derzeit sehr wichtig, wie das Negativbeispiel Türkei zeigt."
Brad Tank, Investmentchef Anleihen bei Neuberger Berman: "Wir gehen davon aus, dass die Renditen steigen. Das Tempo ist dabei allerdings mindestens genauso wichtig wie das Wachstum. Wir rechnen mit einem langsamen und geordneten Anstieg. Trotz mehr als fünf Prozent Inflation lag unsere Zehnjahresrendite selbst im November noch immer unter unserem Zielwert für 2021. Die Nachfrage nach Festzinstiteln ist gewaltig. Die Spreads sind zurzeit eng, ganz so als sei alles perfekt. Ziel müssen laufende Erträge bei einer allenfalls moderaten Duration bleiben. Zu Beginn des Kreditzyklus setzte man noch ganz allgemein auf Credits, also auf Beta. Jetzt zählt die Einzelwertauswahl. Mit größeren Marktturbulenzen oder Zahlungsausfällen rechnen wir dennoch nicht."
Norman Villamin, Investmentchef Private Wealth bei der Union Bancaire Privée (UBP): "Im Jahr 2022 dürfte sich die Entwicklung der langfristigen Renditen in den USA und der Eurozone wieder normalisieren: Erstmals seit 2019 ist mit Renditen für deutsche Bundesanleihen von über null Prozent und US-Treasuries von über zwei Prozent zu rechnen."
Vincent Hamelink, Investmentchef von Candriam: "Angesichts dessen, dass die EZB weiter Wertpapiere kaufen wird, während die Fed ihre Käufe reduziert, halten wir europäische Anleihen für attraktiver als ihre Pendants aus den USA. Jedoch dürften die Anleiherenditen auch im Euroraum steigen - für die zehnjährige deutsche Anleihe haben wir ein Renditeziel von 0,2 Prozent gesetzt. Vorsicht ist dagegen bei Spreads europäischer Peripherieländer geboten: Hier sind viel gute Nachrichten bereits eingepreist." (21.12.2021/alc/a/a)
Ob die Inflation eine vorübergehende Erscheinung bleibe oder sich als hartnäckige Bedrohung entpuppe, darüber seien sich auch die Investmentstrategen der Vermögensverwalter und Banken uneins.
Einig seien sich die Experten lediglich im verhaltenen Ausblick für die Bondmärkte. Angesichts des historisch niedrigen Renditeniveaus und des unsicheren Umfelds würden sie Rentenpapieren kaum Potenzial zubilligen - und wenn, dann auch nur in ausgewählten Segmenten und Titeln.
Die Notenbanken hätten die Finanzmärkte wegen der Coronakrise mit noch mehr Liquidität geflutet. Nun gewinne die Teuerung an Fahrt. Die Zentralbanker könnten daher die Zinswende einläuten. Im Folgenden, wie Bondprofis die Lage für 2022 einschätzen würden:
Philipp Hildebrand, Vizepräsident von BlackRock: Das BlackRock Investment Institut rechne für 2022 das zweite Jahr in Folge mit positiven Aktienrenditen und negativen Renditen bei Anleihen - das wäre ein Novum seit Beginn der systematischen Datenerfassung 1977. "Wir stehen am Beginn eines neuen Marktregimes", würden Philipp Hildebrand, Vice Chairman von BlackRock, und die Kapitalmarktexperten des globalen Asset-Management-Riesen schreiben. "Diese ungewöhnliche Entwicklung ist die nächste Phase der neuen nominalen Zinswelt, die sich weiter entfaltet: In ihr reagieren Währungshüter und Anleiherenditen verhaltener als früher auf die vom kräftigen Neustart angefachte Inflation", so die Experten. Dieser Rahmen sorge für historisch niedrige inflationsbereinigte Anleiherenditen und begünstige Aktien.
Jörg Boysen, Chefanlagestratege Deka Investment: "Obwohl in den 1960ern bis in die Anfänge der 1980er Jahre die Zinsen bei US-Staatsanleihen von rund vier Prozent bis über zwölf Prozent angestiegen sind, haben Treasuries keinen Schutz gegen steigende Inflation geboten. Im Gegenteil, die Wertentwicklung dieser Anlageklasse war in diesem Zeitraum in realer Rechnung nicht nur negativ, sondern auch deutlich schlechter als die der Aktien. Im Inflationsumfeld von Mitte bis Ende der 1980er profitierten Treasuries von hohen Kupons und konnten in dieser Zeitspanne real leicht an Wert zulegen, blieben aber hinter dem realen Wertzuwachs von Aktien spürbar zurück. Von den derzeitigen rekordniedrigen Zinsen aus kommend würde die Bilanz für Staatsanleihen im Fall eines Inflationsanstiegs sogar noch dramatisch schlechter als in der Vergangenheit ausfallen."
Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International: "Anleihen sind infolge niedriger Zinsen und Risikoprämien nur selektiv interessant. Zinspapiere aus Asien und vor allem China bilden hier eine Ausnahme. Sinnvoll sind Anlagen in dieser Region auch im Portfoliokontext infolge stärker gefallener Korrelationen. Im Kreditbereich haben vor allem Hochzins- und Schwellenländeranleihen noch Potenzial."
Ariel Bezalel, Strategiechef Anleihen bei Jupiter Asset Management: "Die höhere Inflation verstärkt den Druck auf die Zentralbanken, die Zinsen früher anzuheben, als bislang erwartet wird. Das könnte katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft haben, die 2022 bereits Gegenwind aus mehreren Richtungen spüren wird. Falls der Wachstumshöhepunkt bereits erreicht sein sollte und die Wirtschaft ins neue Jahr hinein an Dynamik verliert, bestünde ein reales Risiko, dass die Zentralbanken die Geldpolitik in einen Abschwung hinein straffen und sich im Anschluss zu einer drastischen Kehrtwende gezwungen sehen werden."
Chris Iggo, Anlagechef bei Axa Investment Managers: "Eine gewisse Absicherung in den Portfolios bleibt sinnvoll. Inflationsgebundene Anleihen haben die tatsächliche Inflation in diesem Zyklus übertroffen und dürften dies auch im kommenden Jahr tun. Andere festverzinsliche Anlagen werden es schwer haben, aber selbst dann können aktiv verwaltete Durations- und Kredit-Engagements Anlegern positive Renditen bescheren. Es ist zu bedenken, dass die Märkte für entwickelte Staatsanleihen nur selten zwei Jahre in Folge negative Renditen aufweisen. Prognosen über deutlich höhere Anleiherenditen haben sich in der Vergangenheit als falsch erwiesen - sie könnten es erneut sein."
Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management: "Über das Jahr 2021 hinweg waren in vielen Ländern Teuerungsraten zu beobachten, die zuletzt vor mehr als 30 Jahren vorherrschten. Einige der preistreibenden Effekte können noch immer den Folgen der Corona-Krise zugerechnet werden. Die Beschwichtigung der Notenbanken, die Inflation sei ausschließlich "temporärer" Natur, kann aber pauschal nicht als zutreffend gewertet werden. Es wäre fahrlässig, in der aktuellen Gemengelage nicht auf Anlagestrategien zu setzen, die eine gewisse Robustheit gegenüber einer strukturell höheren Teuerung aufweisen. Innerhalb von festverzinslichen Investmentstrategien sind inflationsgeschützte Anleihen erste Wahl."
Oliver Pfeil, Geschäftsführer und Investmentchef EB-SIM: "Die schrittweise Normalisierung der Geldpolitik, die Rückführung der Anleihekaufprogramme sowie der Einstieg in einen neuen Zinszyklus werden voraussichtlich zu einem schwierigen Umfeld für Renten führen. Vor allem Staatsanleihen könnten dadurch unter Druck geraten. Unternehmensanleihen sollten aufgrund des positiven konjunkturellen Ausblicks jedoch besser unterstützt bleiben. Im Langfristausblick bis 2032 sehen wir allenfalls bei globalen Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen mit 1,2 und 2,8 Prozent noch nennenswertes Renditepotenzial."
Tom Ross, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors: "Wir gehen davon aus, dass die negativen Realrenditen in weiten Teilen des Fixed-Income-Marktes die Anleger weiterhin in höher rentierliche Marktsegmente drängen werden. Die Bewertungen schränken unsere positive Einschätzung ein, da die starke Nachfrage nach Hochzinsanleihen bedeutet, dass sie nicht mehr preiswert sind. Dies macht den Markt anfällig für Phasen erhöhter Volatilität, obwohl wir diese als potenzielle Kaufgelegenheiten betrachten würden."
Oliver Reinhard, Portfoliomanager bei Fisch Asset Management: "In den nächsten 12 bis 18 Monaten sollten deutlich mehr High-Yield-Anleihen in das Investment-Grade-Universum hochgestuft werden als noch 2021. Aufgrund der zunehmenden Popularität des Themas und der Bekanntheit der Emittenten - viele davon waren vor der Pandemie bereits Investment-Grade-Emittenten - ist jedoch die Mehrheit solcher "Rising Stars" bereits so bewertet, als wäre das Upgrade schon vollzogen worden. Entsprechend muss im Einzelfall geprüft werden, ob sich ein Investment noch lohnt. Eine selektive Beimischung von Rising Stars in einem Investment-Grade-Corporates-Portfolio erscheint uns für das kommende Jahr durchaus sinnvoll."
Axel Cron, Investmentchef HSBC Asset Management (Deutschland): "In den Anleihenmärkten gibt es weiterhin wenig attraktive Möglichkeiten. Zu den Ausnahmen zählen asiatische Unternehmensanleihen, die außergewöhnlich hohe Risikoprämien bieten. Sorgen macht zurzeit der dominante Immobiliensektor in China. Allerdings können gerade Probleme und Zahlungsausfälle bei High-Yield-Bonds im Nachgang für Verbesserungen in dem entsprechenden Bereich führen. Lokalwährungsanleihen in den Emerging Markets sind ebenfalls ein interessanter Markt mit enormen Chancen. Ein selektives Vorgehen und die Beurteilung der einzelnen Märkte sind jedoch derzeit sehr wichtig, wie das Negativbeispiel Türkei zeigt."
Brad Tank, Investmentchef Anleihen bei Neuberger Berman: "Wir gehen davon aus, dass die Renditen steigen. Das Tempo ist dabei allerdings mindestens genauso wichtig wie das Wachstum. Wir rechnen mit einem langsamen und geordneten Anstieg. Trotz mehr als fünf Prozent Inflation lag unsere Zehnjahresrendite selbst im November noch immer unter unserem Zielwert für 2021. Die Nachfrage nach Festzinstiteln ist gewaltig. Die Spreads sind zurzeit eng, ganz so als sei alles perfekt. Ziel müssen laufende Erträge bei einer allenfalls moderaten Duration bleiben. Zu Beginn des Kreditzyklus setzte man noch ganz allgemein auf Credits, also auf Beta. Jetzt zählt die Einzelwertauswahl. Mit größeren Marktturbulenzen oder Zahlungsausfällen rechnen wir dennoch nicht."
Norman Villamin, Investmentchef Private Wealth bei der Union Bancaire Privée (UBP): "Im Jahr 2022 dürfte sich die Entwicklung der langfristigen Renditen in den USA und der Eurozone wieder normalisieren: Erstmals seit 2019 ist mit Renditen für deutsche Bundesanleihen von über null Prozent und US-Treasuries von über zwei Prozent zu rechnen."
Vincent Hamelink, Investmentchef von Candriam: "Angesichts dessen, dass die EZB weiter Wertpapiere kaufen wird, während die Fed ihre Käufe reduziert, halten wir europäische Anleihen für attraktiver als ihre Pendants aus den USA. Jedoch dürften die Anleiherenditen auch im Euroraum steigen - für die zehnjährige deutsche Anleihe haben wir ein Renditeziel von 0,2 Prozent gesetzt. Vorsicht ist dagegen bei Spreads europäischer Peripherieländer geboten: Hier sind viel gute Nachrichten bereits eingepreist." (21.12.2021/alc/a/a)


