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Augen auf bei grünen Anleihen!


10.09.19 12:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Den Klimawandel aufhalten, umweltschonende Maßnahmen vorantreiben: Unter dieser Prämisse sind "grüne Anleihen" im Jahr 2007 erstmals angetreten, um vorrangig Projekte im Bereich des Klimaschutzes und der Klimaanpassung zu finanzieren, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Das Emissionsvolumen sei seitdem Jahr um Jahr stetig gewachsen. 2018 seien mit einem Volumen von 168 Milliarden Dollar (Climate Bonds Initiative) bislang die meisten Neuemissionen auf den Markt gekommen.

"Mit grünen Anleihen allein wird der Wandel hin zu einer CO2-armen Weltwirtschaft nicht zu finanzieren sein. Green Bonds sind dennoch eine zentrale Finanzierungsform, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten", sage Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei DPAM. "Auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft werden bis 2030 etwa 93 Billionen Dollar2 benötigt. Eine immense Herausforderung, bedenkt man, dass der gesamte globale Anleihenmarkt derzeit etwa 90 Billionen Dollar umfasst. Mit den in 2018 begebenen Green Bonds wurden gerade einmal 0,18 Prozent des bis 2030 benötigten Finanzierungsbedarfs abgedeckt".

Aufgrund der bislang noch relativ geringen Größe des Marktes sei das Entwicklungspotenzial in Bezug auf die Quantität und Qualität der Green Bonds und deren Emittenten beträchtlich. Der Markt befinde sich noch in der Initialphase, habe aber bereits deutlich an Breite und Tiefe zugelegt. Im jetzigen Stadium bestehe allerdings noch das Risiko des "Greenwashing".

"Nicht nur die zu finanzierenden Klimaprojekte müssen genau geprüft und laufend überwacht werden. Auch beim Blick auf die Emittenten gilt es kritisch zu bleiben und diese unter ESG-Gesichtspunkten zu analysieren. Nur weil ein Unternehmen oder ein Staat eine grüne Anleihe begibt, sagt das noch lange nichts über seine eigene ESG-Güte aus. Bei der Auswahl von Green Bonds müssen Portfoliomanager deshalb sehr auf Qualität achten und selektiv vorgehen", sage Ophélie Mortier.

Als Beispiel nenne die ESG-Expertin China. Das Land sei weltweit einer der größten Emittenten von grünen Anleihen zur Finanzierung qualitativer Klimaprojekte. Allerdings komme das Investment für DPAM nicht infrage, da China im Sinne des hauseigenen ESG-Bewertungssystems ein autoritär geführter, nicht-freier Staat sei und damit kein nachhaltiger Emittent hinsichtlich sozialer Mindeststandards und guter Staatsführung.

Beim Management eines auf niedrigen Kohlenstoffausstoß abzielenden Anleihenportfolios sollte das Anlageuniversum möglichst breit gefasst werden und neben Green Bonds auch in Unternehmensanleihen investiert werden. Und zwar in solche von so genannten "Climate Challengers" und "Climate Enablers". Climate Challengers seien Unternehmen, die vom Klimawandel bzw. dem Druck zur Anpassung besonders betroffen seien, wie zum Beispiel Öl- und Gasfirmen oder Versorger, aber gleichzeitig gute Fortschritte bei der Verbesserung ihrer CO2-Bilanzen machen würden.

Demgegenüber würden sich Anleihen von Climate Enablers, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen direkten, aktiven Beitrag zur Klimaanpassung leisten würden, wie zum Beispiel Recyclingunternehmen oder Windturbinenhersteller, ebenso zur Ergänzung eines Green Bond-Portfolios eignen.

"Die Option, auf Anleihen von Climate Challengers und Climate Enablers zurückzugreifen, kann für das Management eines grünen Anleihe-Portfolios sehr hilfreich sein. Sie sind gute Alternativen, wenn Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Green Bond-Emittenten bestehen und daran, ob die finanzierten Klimaprojekte tatsächlich zielführend sind im Hinblick auf den Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft", sage Ophélie Mortier. (10.09.2019/alc/a/a)