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Augen auf bei Bankanleihen


28.10.20 12:30
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Mit Blick auf festverzinsliche Anlagen sollte in der zweiten Jahreshälfte vorsichtig agiert werden - vor allem auch bei Bankanleihen, so Barbara Mainieri, Buy-side Credit Analyst bei DPAM (Degroof Petercam Asset Management).

Die zweite COVID-19-Welle, die gesamtwirtschaftlichen Aussichten und die US-Präsidentschaftswahlen würden vermutlich zu einer erhöhten Volatilität und erhöhten Risiken im Bankensektor führen. Es sei davon auszugehen, dass die Spreads von Bankanleihen in den kommenden Monaten aufgrund der zweiten COVID-19-Welle, der allgemeinen Wirtschaftsaussichten und der Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen unter Druck geraten würden. Die Höhe der notleidenden Kredite (NPLs) werde von der Ausweitung der fiskalischen Unterstützungsprogramme und Schuldentilgungsaufschüben abhängen. Der Bloomberg-Konsens erwarte einen Rückgang der Gewinne um 48% im Jahr 2020 und eine Erholung um etwa 58% im Jahr 2021.

Auf der einen Seite würden Schuldentilgungsmoratorien und andere kreditnehmerfreundliche Maßnahmen die Qualität der von Banken vergebenen Kredite unterstützen. Auf der anderen Seite würden die Maßnahmen die zugrunde liegende Notlage vieler Kreditnehmer verschleiern. Dies habe zur Folge, dass sich die Qualität der Banken-Aktiva viel schwächer erweisen könnte, als es die Zahlen vermuten lassen würden. Im Durchschnitt würden europäische Banken Kreditengagements von 15 bis 20% in Sektoren halten, die am stärksten von COVID-19 betroffen seien.

Vor diesem Hintergrund sei es ratsam, als Anleger den sichersten Teil der Kapitalstruktur zu bevorzugen (vorrangige Anleihen, obwohl der Anteil der Anleihen mit negativer Rendite beträchtlich sei) und Banken mit einer besseren Rentabilität und einem niedrigeren Niveau an NPLs. Bei DPAM seien die nordischen Banken und Retail-Banken aus Kerneuropa (hauptsächlich französische, Benelux- und Schweizer Institute) die bevorzugte Wahl.

Vom Bankensektor emittierte Anleihen würden rund 27% des Iboxx Euro Corporate Investments Grade Index ausmachen. Ein Engagement bei Banken sei daher für festverzinsliche Anleger unvermeidlich. Nach einer massiven Ausweitung im März/April 2020 hätten sich die Spreads von Bankanleihen rasch wieder erholt, was hauptsächlich auf die Unterstützung der EZB und die fiskalischen Maßnahmen der nationalen Regierungen zurückzuführen sei. Im September 2020 habe der Anteil der negativ verzinslichen Anleihen im Investment-Grade-Universum 22% bei Finanztiteln gegenüber 20% bei Unternehmen betragen.

Konsolidierung scheine im gegenwärtigen Marktkontext eine der wenigen Optionen zu sein, die zur Sicherung der Stabilität und zur Verbesserung der Effizienz der europäischen Banken sowie zur Schaffung internationaler Champions zur Verfügung stünden. (28.10.2020/alc/a/a)