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Die Aufholjagd am Anleihemarkt geht weiter


08.07.20 10:00
StarCapital

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleihemärkte mit Fokus auf Unternehmensanleihen erzielten zwischen April und Juni eines ihrer besten Quartalsergebnisse in den vergangenen zehn Jahren, so Adam Choragwicki, Leiter Rentenfondsmanagement StarCapital.

Trotz dieser deutlichen Erholung würden die Experten von StarCapital davon ausgehen, dass noch nicht das Ende des Kursaufschwungs erreicht sei. Dafür spreche, dass nach heftigen Ausverkaufsphasen in der Vergangenheit häufig eine positive Tendenz habe beobachtet werden können. Zudem habe die Risikoprämie im März um das Fünffache höher als im historischen Durchschnitt gelegen und sei trotz der jüngsten Einengung noch nicht am historischen Mittelwert angelangt. Entsprechend günstig sei die aktuelle Bewertung. Auf dem aktuellen Niveau sei der Markt längst nicht so teuer wie zu Beginn dieses Jahres.

Nach unserer Analyse bewegen sich die Risikoprämien von Unternehmensanleihen um ihren historischen Mittelwert, so Adam Choragwicki, Leiter Rentenfondsmanagement StarCapital. Nach dem starken Anstieg im März sei seit April eine deutliche Erholung gefolgt. Dennoch bestehe bei europäischen High Yield Anleihen weiteres Potenzial zum 10-Jahres-Durschnitt von ca. 140 Basispunkten. Begünstigt werde die Entwicklung von der wirtschaftlichen Erholung, die sich positiv auf Unternehmensgewinne auswirken sollte. Beides dürfte sich in steigenden Anleihekursen widerspiegeln. Derzeit liege die Rendite bei High Yields im Schnitt bei 4,5 Prozent bei Anleihen mit einer Restlaufzeit von unter vier Jahren.

Auch das Sentiment lässt Luft nach oben - abzulesen an unserem hausinternen Risikoindex, der zwischen 0 und 1 oszilliert, so Adam Choragwicki, Leiter Rentenfondsmanagement StarCapital. Mitte März habe die Stimmung auf einem Niveau von 0,02, aktuell bei 0,7 gelegen. Die Marktstimmung sei somit nicht von Euphorie geprägt. Die Experten von StarCapital würden für die zweite Jahreshälfte zwar eine U-förmige Erholung der Konjunktur erwarten, aber das Vorkrisenniveau werde man dieses Jahr nicht erreichen. Auch die noch immer steigenden Neuinfektionszahlen in den USA und einigen Schwellenländern könnten die wirtschaftliche Erholung verzögern. Daher könnte die Marktstimmung temporär belastet werden, was mit einer erhöhten Volatilität einhergehen würde.

Während sich Sektoren wie Lebensmittel, Technologie oder Tabak stark erholt hätten und fast auf dem Niveau wie zu Beginn des Jahres handeln würden, sei die Erholung bei vielen Anleihen aus zyklischen Branchen noch nicht vollumfänglich eingepreist. Die höchsten Risikoprämien würden aktuell der Energie, Automobil- und Touristiksektor bieten. Die besten Chancen gebe es für antizyklische Investoren, die sich auf solide Unternehmen mit stabilen Cashflows, solider Liquiditätsausstattung und vertretbarer Verschuldung konzentrieren würden. Hier sei deutliches Erholungspotenzial vorhanden.

Ein antizyklisches Vorgehen mache jedoch keinen Sinn, wenn die Substanz oder das Vertrauen in ein Unternehmen fehle. So hätten die Experten von StarCapital zu keinem Zeitpunkt Wirecard-Anleihen in ihr Portfolio genommen, obwohl sie mit einem Investment Grade-Rating versehen gewesen seien. Das Unternehmen habe sich letztes Jahr in einer euphorischen Phase zu 0,5 Prozent Fremdkapital für fünf Jahre beschaffen können. Es habe jedoch Anzeichen von unklaren Bilanzverhältnissen gegeben, kombiniert mit der unattraktiven Bewertung der Anleihen und schlechten Nachrichten, die die Experten von StarCapital von einem Anleiheinvestment in Wirecard abgehalten hätten. Zuletzt habe deutlich bessere Alternativen gegeben. (08.07.2020/alc/a/a)