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Auf findige Anleger warten bei High-Yield-Werten attraktive Renditen


18.04.16 17:01
AB

München (www.anleihencheck.de) - Kursrückgänge am Hochzins-Anleihemarkt sind nichts Ungewöhnliches, so Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt bei AB.

Ebenso üblich seien jedoch auch darauf folgende starke Erholungsphasen. Investoren sollten daher den aktuellen Aufschwung nach einem längeren Abschwung nicht verpassen. Besonders wichtig sei dabei die Auswahl der richtigen Anleihen. Statt auf eine passive Anlage über ETFs, sollten Anleger lieber auf ausgewählte Qualitätsanleihen setzen.

Seit 1984 habe es nur fünf Kalenderjahre gegeben, die US-Hochzinsanleihen mit einer negativen Performance beendet hätten. Auf ein Minusjahr sei stets ein Jahr mit positivem Ertrag gefolgt. Von 1998 bis 2015 seien die Kurse von US-High-Yields neunmal über fünf Prozent gesunken, gemessen von der Spitze bis zum Tiefpunkt. Im Schnitt hätten sie vier Monate gebraucht, um ihren Verlust wieder gutzumachen. Die längste Erholungsphase sei 2009 gewesen. Damals habe der Markt nach dem starken Einbruch in der Finanzkrise in nur acht Monaten um 55 Prozent zugelegt.

Diese Zahlen sollten sich Investoren aktuell ins Gedächtnis rufen, denn im Mai 2015 habe sich der Hochzins-Anleihenmarkt wieder in eine Abschwungphase begeben. Die Erfahrung der Vergangenheit zeige jedoch, dass nicht die Volatilität, die auch künftig anhalten dürfte, die größte Gefahr für Investoren sei. Wirklich riskant sei es nach Erachten der Experten dagegen, sich ganz aus dem Markt zu verabschieden - und somit die meist sehr intensive Erholungsphase zu verpassen. Seit Jahresanfang hätten Hochzinsanleihen zwar schon einiges an verlorenem Terrain gut gemacht. Der Aufschwung ebbe jedoch noch längst nicht ab, die Erholung stehe vielmehr erst am Anfang.

Abgesehen von einer potenziellen schnellen Erholung habe die aktuelle Situation nach Ansicht der Experten nichts mit der Finanzkrise 2008 gemein. Eine Wiederholung eines solchen Szenarios, welches einige Marktteilnehmer befürchten würden, würden die Experten nicht sehen. Vielmehr erinnere die jetzige Lage an 2002. Damals, nach dem Platzen der Dotcom-Blase, hätten viele Telekommunikationsunternehmen ihre Anleihen nicht mehr bedienen und zurückzahlen können. Darunter habe der gesamte High-Yield-Markt gelitten.

Die heutigen Telekommunikationsunternehmen seien Öl- und Gas- sowie Minen- und Metallgesellschaften. Als die Rohstoffpreise noch höher gewesen seien, hätten sich diese Unternehmen in hohem Maße über die Kapitalmärkte verschuldet. Als die Preise dann gefallen seien, seien die Margen gesunken und Projekte seien unprofitabel geworden. Das erhöhte Risiko dieser Anleihen bekomme auch diesmal der gesamte Markt zu spüren. Und wie damals würden die gefallenen Preise die Türen für hohe künftige Erträge öffnen. Wer sich nach 2002 von den Telekommunikationsunternehmen ferngehalten habe, habe in der Erholung gut verdient. Analog dazu würden die Experten die Kurse von High Yields fernab des Energie- und Rohstoffsektors für so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr halten.

Für Investoren, die nach den Kursrückgängen 2008, 2011 und 2013 einfach blind den breiten Markt gekauft hätten und damit allgemein gut gefahren seien, funktioniere passives Investieren über einen ETF nach Überzeugung der Experten diesmal nicht. Energie- und Rohstoffunternehmen hätten sich in den vergangenen Jahren in den USA, dem wichtigsten High-Yield-Markt, zum Indexschwergewicht entwickelt. Die Experten würden erwarten, dass diese Sektoren in den nächsten Jahren für einen Großteil der Zahlungsausfälle verantwortlich sein würden. Eine nüchterne Analyse und gezielte Anleihenauswahl seien daher die Grundlagen für den Anlageerfolg.

Insgesamt dürften die Ausfälle in den kommenden Jahren steigen - allerdings bei weitem nicht so stark wie 2008. Seit Jahren lägen sie unter dem Durchschnitt. Mittlerweile sei der Markt zum Teil aber, vor allem in den USA, in einer späteren Phase des Kreditzyklus angelangt. Hier seien Insolvenzen durchaus verbreitet. Das sei nach Meinung der Experten allerdings noch lange kein Grund, den High-Yield-Markt zu meiden. Denn wenn die Ausfälle steigen würden, würden auch die Erträge zunehmen - vorausgesetzt man sei in den richtigen Anleihen investiert.

In den vergangenen beiden Jahrzehnten sei auf einen Anstieg in der Ausfallstatistik üblicherweise ein starker Performance-Sprung gefolgt. Die Gründe hierfür seien zum Teil in der Anlegerpsychologie auszumachen. Meist seien Ausfälle nicht gleichmäßig über Regionen und Sektoren gestreut, abgestraft werde aber zunächst der ganze Markt. Die Konsequenz: Viele solide Anleihen würden zu sehr attraktiven Preisen handeln. Ein globaler Ansatz mit einer breiten Streuung über Regionen und Sektoren, die sich in unterschiedlichen Phasen des Kreditzyklus befinden würden, erhöhe die Anlagechancen und mische unterschiedliche Kreditrisiken. Um die Volatilität im Portfolio zu begrenzen und attraktive Renditen zu erzielen, würden die Experten zurzeit kurzlaufende Qualitätsanleihen bevorzugen. (18.04.2016/alc/a/a)