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Auf der Suche nach Wertschöpfung an den Anleihemärkten


21.07.17 11:08
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Die Anleihemärkte unterlagen 2016 heftigen Schwankungen und es drohte das Risiko steigender Zinsen, so Rose Ouahba, Teamleiterin Fixed Income bei Carmignac Gestion.

In diesem Jahr werde jedoch deutlich, dass die Zinssätze in Kerneuropa nicht die soliden Fundamentaldaten der europäischen Volkswirtschaften widerspiegeln würden. So hätten die Märkte auf die französischen Präsidentschaftswahlen angesichts der jüngsten Welle des Populismus nervös reagiert. Die Experten von Carmignac waren zuversichtlich, dass extremistische Parteien nicht als die geeignetere Alternative zur Lösung der zahlreichen sozialen und wirtschaftlichen Probleme Frankreichs wahrgenommen werden. Die Märkte hätten sich jedoch vorsichtig verhalten und die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen sei um 0,16 Prozent gestiegen.

Die andere große Erzählung in diesem Jahr sei die Inflation gewesen. Die Devise "keine weitere Inflation" schien sich zunächst durchzusetzen, und die Renditen erreichten erneut Tiefstände, so die Experten von Carmignac. Vor dem Hintergrund der anhaltend robusten Konjunkturdaten in Europa sei es zweifellos gerechtfertigt, das historisch niedrige Zinsumfeld zu hinterfragen. Schon bei der letzten EZB-Sitzung in Portugal habe sich angedeutet, dass die EZB der amerikanischen Notenbank auf dem Weg zur Normalisierung der Geldpolitik folgen müsste. Wie sollten sich Anleger nun verhalten?

Zunächst sei es wichtig, dass sie ihr Portfolio gegen potenzielle Zinsanhebungen in Europa absichern würden. Dies betreffe die gesamte Anlageklasse, insbesondere diejenigen Marktsektoren, die kurzfristig agierende Investoren auf der Suche nach Rendite angezogen hätten. Hinzu kämen strengere Vorschriften für Banken - unter anderem in Bezug auf die Art der Anlagen, die sie halten dürften. Diese hätten zu einem deutlichen Anstieg des Liquiditätsrisikos geführt. Die Experten von Carmignac raten daher, Gewinne bei High-Yield-Anleihen in den USA und Europa mitzunehmen. Sie seien zudem der Ansicht, dass die Spreads zu eng seien und sich das Risiko nicht mehr auszahle.

Grexit, Brexit, Frexit - allem Anschein nach sei der politische Wille in Europa zurückgekehrt. Die wiedererwachten Reformbestrebungen stimmen die Experten von Carmignac optimistisch und liefern willkommene Impulse für das europäische Projekt und damit auch für die Staatsanleihen der europäischen Nachbarstaaten, die nicht zu den Kernländern zählen. Ab Mitte der 1990er Jahre bis zum Jahr 2000 habe es eine tief greifende Phase der Konvergenz gegeben. Im Jahr 2010 erlebten wir eine zweite Phase mit einer Schuldenkrise, die Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal erfasste - und die europäische Politik auf eine harte Probe stellte, so die Experten von Carmignac. Die dritte Phase könnte sich nun als die ultimative Stufe erweisen, die möglicherweise eine robuste Konvergenzphase einläute.

Die Anleger sollten daher Long-Positionen in italienischen, portugiesischen und griechischen Anleihen in Betracht ziehen. Interessant sei insbesondere die italienische Staatsanleihe BTP (Buono del Tesoro Poliennale), verzinst mit 2,2 Prozent und einer Fälligkeit im Jahr 2027. Die BTP biete ein gutes Carry, da die Zinskurve für italienische Staatsanleihen recht steil sei. Darüber hinaus beobachte man intensiv griechische Staatsanleihen mit einem Zins von 4,75 Prozent und einer Fälligkeit im Jahr 2019. Griechische Anleihen hätten außerdem möglicherweise das Potenzial für eine Rally, wenn sie sich für das Anleihekaufprogramm der EZB qualifiziert hätten. Auf diese Weise würden sich die Renditen reduzieren.

Außerhalb von Europa finde sich Wertpotenzial zudem in Schwellenländeranleihen, die von Chinas makroökonomischer Stabilisierung, einer Erholung der Rohstoffpreise, einer Verbesserung der Leistungsbilanzen und höheren Renditen als in den Industriestaaten profitieren würden. Bei Ländern, die zum Großteil von Rohstoffexporten abhängen, bevorzugen die Experten von Carmignac Brasilien (BRASILIEN 10,00 Prozent, 01.01. 2025) und Mexiko (MEXIKO 8,00 Prozent, 07.11.2047). Vor allem für Brasilien sei festzustellen: Die Leistungsbilanz habe sich deutlich verbessert und strukturelle finanzpolitische Reformen hätten die öffentlichen Finanzen saniert. (Ausgabe vom 20.07.2017) (21.07.2017/alc/a/a)