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Attraktive Renditen bei krisenerprobten Emerging Markets Corporates


15.07.22 10:15
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Emerging Markets kennen und können Krisen, so Thomas Fischli Rutz, Head Emerging Markets bei Fisch Asset Management.

Denn das heterogene Gebilde umfasse so viele Nationen wie kein anderer Anlagemarkt und es sei normal, dass es alle drei bis vier Jahre in einzelnen Ländern, wie beispielsweise Argentinien, zu Verwerfungen komme. Und es sei seit Einführung der Schwellenländer-Anlageklasse ebenfalls kein Novum, dass Rückschläge zu besonderer medialer Aufmerksamkeit führen würden und Investoren sich mehr verunsichern lassen würden als bei negativen Ereignissen betreffend die entwickelten Märkte. So sei das erste Halbjahr 2022 durch eine enorme Abnahme des Risikoappetits der Anleger gekennzeichnet und Outflows bei den Anleihensegmenten der Emerging Markets seien die Folge. Dies habe zusammen mit den allseits bekannten globalen Problemen zu hohen Kursrückgängen geführt.

Aus Bewertungssicht seien die Unternehmensanleihenmärkte in den Schwellenländern mittlerweile auf einem günstigen Niveau. Natürlich sehe man eine unverändert zu hohe Volatilität im Markt, die die Investoren noch etwas bremse bezüglich der Rückkehr in Schwellenländer-Anleihen. Wenn sich die Volatilität verringere, die Zurückhaltung weiche und sich die Finanzmarktakteure an eine dauerhaft höhere Inflation als in der vergangenen Dekade gewöhnt hätten, dann würden die Experten auch wieder mit einem allgemein höheren Risikoappetit und entsprechenden Inflows in die Anlageklasse rechnen. Zudem weise die fundamentale Situation unverändert eine relative Attraktivität gegenüber den Industrienationen auf.

Zahlreiche Schwellenländer hätten ihre Nettoverschuldung verringert und bei den Unternehmen registriere man überwiegend robuste Bilanzen. Dies würden auch die moderaten Ausfallraten belegen. Sie würden ohne die Spezialfälle Ukraine/Russland und dem Immobiliensektor in China bei lediglich 0,5 Prozent liegen. Auch seien schon länger Zinsen in einigen Ländern, beispielsweise Brasilien, angehoben worden und seien in den Kursen eingepreist.

Das Risiko-/Chance-Verhältnis bei Emerging-Markets-Unternehmensanleihen zeige sich zur Jahresmitte deutlich verbessert. Nachdem einzelne Aktienmärkte in Schwellenländern wie beispielsweise China bereits wieder Zugewinne verbuchen würden und damit einen Teil ihrer Kursrückgänge aufgeholt hätten, würden die Experten dies nun auch im Anleihenbereich erwarten. Zusammen mit den hohen Kupons - im High-Yield-Segment seien dies mittlerweile zwischen acht und zehn Prozent - bestehe entsprechendes Renditepotenzial. Generell würden Prognosen in diesen Zeiten schwerfallen und von Entwarnung könne noch keine Rede sein.

Positiv zu erwähnen sei noch die schrittweise Lockerung der harten Corona-Maßnahmen in China und eine entsprechende Rückkehr der Wirtschaftsaktivitäten. Die Chinesen würden über hohe Guthaben verfügen und der Tourismus, insbesondere in asiatischen Gefilden, dürfte profitieren. Generell könnte China der globalen Entwicklung positive Impulse geben, wenn eine Normalisierung in Richtung Westen erfolge. Auf jeden Fall würden es herausfordernde Zeiten bleiben und Investoren sollten die krisenerprobten Emerging Markets nicht aus den Augen verlieren, mehr denn je diversifizieren und in Etappen ihre Investments tätigen. (15.07.2022/alc/a/a)