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Appetit auf Anleihen mit höherem Beta


07.09.15 11:48
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - AXA Investment Managers äußert sich zu der Entwicklung der Anleihemärkte:

"Wie gewohnt haben Anleihen bewiesen, dass sie in Zeiten globaler Spannungen aufgrund aufkeimender Wachstumsängste die besseren Kapitalbewahrer sind als Aktien. Bislang haben diese Ängste noch nicht zu einem signifikanten Kreditereignis geführt, und insgesamt bleiben die Grundlagen für Unternehmen gut. Das bedeutet, dass es lukrative Chancen auf manchen Anleihemärkten gibt, wenn die Federal Reserve die Zinsen erhöht und sich die Rohstoffpreise stabilisieren", so Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.

Anleihen hätten bislang kein gutes Jahr gehabt. Schon zu Beginn des Jahres hätten die Fixed-Income-Experten von AXA Investment Managers (AXA IM) erklärt, dass ihre Renditeerwartungen eher niedrig seien. Und so sei es auch gekommen: Die Performance eines breiten globalen Anleiheindex liege seit Jahresbeginn annähernd bei Null, wobei Investitionen in globale Staatsanleihen etwa 0,5 Prozent gebracht hätten, während globale Credits bei -0,3 Prozent lägen.

"Trotz einer gewissen Flucht in Qualitätstitel infolge der erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten und der makroökonomischen Unsicherheitsfaktoren hat es kaum Raum für Anleihen aus den Kernländern gegeben, Verluste durch risikoreichere Anlagen auszugleichen, weil die Renditen nach wie vor relativ niedrig sind", sage Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers. "In einem ausgeglichenen Portfolio von Anleihen und Aktien benötigen Anleihen eine sehr lange Laufzeit, um eine vernünftige Absicherung für die Einbußen an den Aktienmärkten sicherzustellen." In Risk-Off-Situationen seien sie aber nach wie vor die bevorzugte Anlageklasse.

Auf den europäischen Staatsanleihemärkten sehe Iggo weiterhin niedrige Ertragschancen, jedoch keine signifikant negativen. Positiv hätten sich Andeutungen der Europäischen Zentralbank (EZB) von vergangener Woche ausgewirkt, dass sie bereit sei noch mehr zu tun, um das Abwärtsrisiko für Wachstum und Inflation im Euroraum auszugleichen. "Das heißt, Draghi ist darauf vorbereitet, das Quantitative Easing (QE) über September 2016 hinaus zu verlängern oder, wenn nötig, vielleicht das Volumen der Wertpapierankäufe zu erhöhen", interpretiere Iggo. Und das seien vor allem für die Peripheriestaaten gute Neuigkeiten: Anleger würden wahrscheinlich vor allem Anleihen aus Spanien, Italien, Irland und Portugal übergewichten, solange das QE anhalte.

Doch auch das sei nicht mehr so lukrativ wie früher. "Die Erträge aus den Peripherie-Staatsanleihen werden 2015 leicht positiv sein." Interessanter seien nach Ansicht des Experten derzeit ganz klar US-High-Yield- und Schwellenländer-Anleihen. Dabei müsse man sich aber die Frage stellen, ob schon alle negativen Faktoren eingepreist seien, etwa die Entwicklung des Energiesektors.

Wer in den High-Yield-Markt investiere, müsse sich darüber im Klaren sein, was er von den Ölpreisen erwarte. Sollten diese niedrig bleiben, könnten die Schieferölförderer in den USA Cashflow-Probleme bekommen, und das wiederum könnte zu einem Anstieg der Zahlungsausfälle führen. "Um das zu verhindern, müssen die Ölpreise über 50 US-Dollar per Barrel steigen", sage Iggo.

Klammere man den Energiesektor aus, dann sei die Rendite von High-Yield-Anleihen auf dem Markt nahe bei 6,5 Prozent. "Ein High-Yield-Exposure, in dem der Energiesektor signifikant untergewichtet ist, ist also noch immer sehr attraktiv angesichts des implizierten Spreads und der kurzen Duration dieser Assetklasse", meine Iggo. Dasselbe gelte nach Meinung des Experten für die Emerging Markets.

Staatsanleihen mit höheren Ratings und Unternehmensanleihen in Hartwährung aus Schwellenländern hätten sich während der Unruhen auf dem chinesischen Markt gut geschlagen und böten nun angemessene Renditen. Das Problem sei nur, dass die makroökonomischen Aussichten der Länder miteinander verkoppelt seien. Hier verlangsame China die Wachstumsaussichten.

Sinkende Investitionen hätten die Nachfrage nach Rohstoffen verringert, und das wirke sich auf die Preise aus. Iggo warne darum: "Die niedrigeren Preise erhöhen die Kreditrisiken in den rohstoffproduzierenden Ländern und Sektoren. Die Abwärtsspirale muss gestoppt werden, entweder durch geldpolitische Maßnahmen in China, oder die Rohstoffmärkte finden auch ohne China einen Boden, der konsistent ist mit der globalen Nachfrage."

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Anleihestrategie zum Ende dieses und Beginn des nächsten Jahres sei für Iggo das richtige Timing für die Erhöhung des Portfoliorisikos. Angesichts der immer noch niedrigen Zinsen für Anleihen aus entwickelten Märkten mit hohen Ratings sollten die Investoren Appetit auf Anleihen mit höherem Beta haben. "Die Zahlungsausfälle bleiben niedrig, und mit der erwarteten geringen Zinserhöhung durch die FED sollte das Refinanzierungsumfeld für hochverzinsende Emittenten positiv bleiben." (07.09.2015/alc/a/a)