Anstieg der Kreditvergabe ohne nachhaltige Inflationsgefahr


25.02.21 12:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Krise hat in der Eurozone nicht zu einem Deleveraging geführt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Im Gegenteil, der Bestand an Krediten sei gestiegen. In der Eurozone liege der Bestand von Darlehen, die an Nicht-Finanzunternehmen vergeben worden seien, im Januar fast 10% über dem Wert des Vorjahres, bevor also die Corona-Krise zugeschlagen habe. Der stärkste Kreditzuwachs sei in Italien (19,4% YoY) und Spanien (17,4 % YoY) zu verzeichnen. In diesen Ländern hätten die Banken jahrelang ihre Firmenkundenkreditporfolien abgebaut. In Deutschland sei der Zuwachs in der Kreditvergabe vergleichsweise bescheiden (Bestandsveränderung im Januar: 4% YoY). Frankreich sei etwas aktiver (8,6% YoY im dritten Quartal, jüngere Daten lägen noch nicht vor).

An dieser insgesamt freundlichen Entwicklung hätten die staatlichen Kreditgarantien sowie das TLTRO-Programm der EZB vermutlich einen maßgeblichen Anteil. Der EU-Wiederaufbaufonds könnte helfen, dass die Kreditvergabebereitschaft der Banken über das gesamte Jahr überdurchschnittlich bleibe. Marktteilnehmer, die aus dieser Entwicklung ein erhöhtes Inflationsrisiko ableiten würden, würden übersehen, dass die Arbeitslosenraten relativ hoch seien und die Zahl der Insolvenzen zunächst steigen dürfte. Vollauslastung, eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige Inflation, sehe anders aus. (25.02.2021/alc/a/a)