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Anspannung steigt, Zinsen erreichen Höchststand


23.03.23 11:40
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Diese FOMC-Sitzung fand in einem Umfeld größter Zinsunsicherheit der Investoren seit der Finanzkrise statt, so Paul O’Connor, Head of Multi-Asset, Janus Henderson Investors.

Seit der letzten FED-Sitzung Anfang Februar seien in dem Monat die Marktbewertungen für die Dezember US-Zinssätze um 1% gestiegen, bevor sie im März angesichts der Probleme im Bankensektor um fast 2% eingebrochen seien. Wenngleich in den letzten Tagen eine gewisse Ruhe an den Finanzmärkten eingekehrt zu sein scheine, würden die Optionskurse zeigen, dass die Anleger vor dieser Sitzung so wenig Vertrauen in die Bewertung der zwei- und zehnjährigen Anleiherenditen gehabt hätten wie seit den turbulenten Tagen des Jahres 2009 nicht mehr.

Manche FED-Sitzungen seien reine Routine, bei denen die möglichen Ergebnisse recht begrenzt seien - die aktuelle Sitzung habe nicht dazu gezählt. Für eine aktuelle Zinserhöhung hätten auch die seit der letzten FOMC-Sitzung gestiegenen Konsensschätzungen für das US-Wachstum und die Inflation gesprochen. Da die nächste FED-Sitzung erst im Mai stattfinde, hätten die Falken befürchtet, dass eine dreimonatige Pause im Straffungszyklus, während der Arbeitsmarkt noch angespannt sei, große Fragen zur Glaubwürdigkeit der Zentralbank bei der Inflationsbekämpfung aufwerfen würde.

Dennoch hätten die wirtschaftlichen und finanziellen Risiken im Zusammenhang mit dem angespannten Bankensektor für ein vorsichtigeres Vorgehen gesprochen. Während die meisten Analysen darauf hingedeutet hätten, dass der Druck auf das Bankensystem zu einer Verschärfung der Kreditkonditionen führen würde, die einer oder zwei FED-Funds-Anhebungen um 25 Basispunkte entspräche, seien einige zu dem Schluss gekommen, dass die Zentralbank hier eine Pause einlegen und der Finanzstabilität Vorrang einräumen sollte, bis die Spannungen in diesem Sektor deutlich nachgelassen hätten.

Präsident Powell habe eingeräumt, dass die jüngsten Entwicklungen im Bankensektor das Risikoverhältnis für die US-Wirtschaft erheblich verändert hätten, und angemerkt, dass die FED auf der heutigen Sitzung eine Pause in Betracht gezogen habe. Der Ausschuss habe jedoch eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte beschlossen, womit das obere Ende des Zielbereichs für den Leitzins auf 5% angehoben worden sei.

Die wichtigste Neuerung in der begleitenden Erklärung sei die Entscheidung gewesen, die seit einem Jahr bestehende Ankündigung einer "kontinuierlichen Anhebung" des Leitzinses zu streichen und durch die Aussage zu ersetzen, dass "in Zukunft eine gewisse zusätzliche Straffung der Geldpolitik angemessen sein könnte".

Während der Präsident betont habe, dass der Ausschuss nicht davon ausgehe, die Zinssätze in diesem Jahr zu senken, würden die Finanzmärkte einen eher gemäßigten Ausblick einpreisen. Die Zinserwartungen für Ende 2023 und für das nächste Jahr seien im Anschluss an die Erklärung der FED um 15 bis 30 Basispunkte zurückgegangen. Die Märkte würden nun damit rechnen, dass der Zinserhöhungszyklus in den USA mehr oder weniger abgeschlossen sei, wobei eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte im Mai als 50:50-Wahrscheinlichkeit angesehen werde und für die zweite Jahreshälfte drei Zinssenkungen eingepreist seien.

Die Herausforderungen für die FED seien nach wie vor gewaltig. Da sich die Arbeitslosenquote einem 50-Jahres-Tief nähere und die Inflation nur langsam sinke, seien viele Wirtschaftsexperten der Ansicht, dass weitere Zinserhöhungen notwendig seien. Wie jedoch die jüngsten Turbulenzen an den Anleihemärkten zeigen würden, sei die Unsicherheit über die Konjunkturaussichten selten größer gewesen als heute. Die Meinungen über die künftigen Auswirkungen der geldpolitischen Straffung des vergangenen Jahres - des aggressivsten Zinserhöhungszyklus seit vier Jahrzehnten - würden weit auseinander gehen.

Die unvorhersehbaren potenziellen Folgen der Entwicklungen im Bankensystem würden nur zur weiteren Verunsicherung beitragen. Wenn sich das Wachstum verlangsame und späte Zyklusfragilitäten unweigerlich auftreten würden, könne die FED vernünftigerweise davon ausgehen, dass strengere Kreditvergabebedingungen im Bankensektor und auf den Kreditmärkten den wachstumshemmenden Einfluss höherer Zinssätze verstärken würden. Anzeichen von Spannungen im Finanzsektor seien ein Wendepunkt in der Geldpolitik und ein klares Zeichen dafür, dass der hektische Zinserhöhungszyklus in den USA mehr oder weniger vorbei sei. (23.03.2023/alc/a/a)