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Anleihenrenditen werden mit der Wahl von Trump steigen


21.11.16 10:40
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Es ist noch nicht sicher, welche Auswirkungen die US-Wahl auf die Weltwirtschaft haben wird, so Larry Hatheway, Group Head of GAM Investment Solutions und Chefökonom bei GAM.

Zwar habe die Unsicherheit über die Auswirkungen des Ergebnisses und die fiskalischen Impulse in den USA auf kurze Sicht abgenommen. Die Zweifel über die Handels- und Außenpolitik bestünden jedoch weiter.

Die Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten sei in einer Zeit erfolgt, in der es der Weltwirtschaft verhältnismäßig gut gehe. In China setze sich das Wachstum dank fiskalischer Maßnahmen und Kreditimpulsen fort. Europa sei stabil und in Japan wachse die Wirtschaft wieder. Dieses Umfeld einer robusten Weltwirtschaft dürfte kurzfristig weiter anhalten.

Allerdings dürfte die Wahl von Trump signifikante Auswirkungen auf die US-Notenbank haben, die in den Marktbewertungen noch nicht berücksichtigt seien. Nach dem Wahlergebnis seien die Anleihenrenditen stark angestiegen. Betrachte man jedoch die implizierten Wahrscheinlichkeiten künftiger US-Zinserhöhungen, sei es so gut wie sicher, dass die FED die Zinsen im Dezember anheben werde.

Mit Blick auf 2017 werde derzeit keiner einzigen geldpolitischen Sitzung eine Zinserhöhungswahrscheinlichkeit von über 40 Prozent beigemessen. In den Augen von Hatheway werde diese Rechnung nicht aufgehen. Die US-Wirtschaft lasse Anzeichen einer Vollbeschäftigung erkennen, die Löhne würden beginnen anzuziehen, und eine hohe Anzahl weiterer Impulse sei anzunehmen. Die Märkte hätten noch nicht berücksichtigt, dass die FED die kurzfristigen Zinssätze jetzt aggressiver anpassen müssen werde.

Die Anleihenrenditen würden mit der Wahl von Trump steigen. Das dürfte den US-Dollar vor allem gegenüber den Währungen von Ländern, die nach wie vor eine expansive Geldpolitik betreiben würden, weiter aufwerten lassen - dazu würden beispielsweise Japan und die Schwellenmärkte gehören. In der Regel seien die Währungen vieler Schwellenmärkte für Abwärtsrisiken anfällig, wenn die US-Zinsen steigen würden und der US-Dollar aufwerte.

Wie sich das Wahlergebnis auf Aktien auswirken werde, sei hingegen weniger klar. Das Gesamtniveau der Aktienmärkte sei recht hoch und die Bewertungen seien alles andere als günstig. Damit werde es Aktien schwer fallen, in einer Zeit der steigenden Anleihenrenditen auf breiter Linie zuzulegen. Schwellenländeraktien, die bessere Bewertungen bieten würden, dürften durch die oben genannten Faktoren ausgebremst werden. Man könne mit einer weiteren heftigen Rotation an den Aktienmärkten rechnen, von der Zykliker, Finanz-, Gesundheits- und wahrscheinlich auch Verteidigungsaktien profitieren würden. Anleihenersatzwerte und Kandidaten für Aktienrückkaufprogramme dürften dabei ins Hintertreffen geraten.

In diesem Umfeld richten die Experten von GAM ihre Portfolios allgemein auf kurzfristige festverzinsliche Papiere an einer Reihe von Märkten aus, darunter US-Treasuries, deutsche Bundesanleihen sowie italienische BTPs. Sie würden Währungspositionen bevorzugen, die auf eine Abwertung des Japanischen Yen setzen würden, beispielsweise gegenüber der Schwedischen Krone. Am Aktienmarkt tendieren die Experten von GAM eher zu Zyklikern und Nutznießern einer Währungsschwäche wie dem japanischen Aktienmarkt. Außerdem hätten sie einige ihrer Positionen in Schwellenmärkten reduziert. (21.11.2016/alc/a/a)