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Anleihenmärkte vertrauen Zentralbanken


16.12.21 16:34
OFI Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - In den USA liegt die Verzinsung der 10-jährige Staatsanleihe unter 1,5 Prozent - bei einer Inflation von fast 6 Prozent; in Deutschland liegt die Verzinsung bei -0,4 Prozent, die Geldentwertung bei rund 4 Prozent; in Brasilien treffen 11 Prozent Verzinsung auf 10 Prozent Inflation, so die Experten von OFI Asset Management.

Trotz massiver Geldvermehrung würden Anleger also weiterhin in die Zentralbanken vertrauen. Und es demonstriere deren Macht bei der Steuerung der wichtigsten Reservewährungen der Welt. Das würden Jean-Marie Mercadal, Head of Investment Strategies, und Eric Bertrand, Chief Investment Officer bei OFI Asset Management sagen.

Die Zentralbanken in Europa und den USA hätten ihre Bilanzen massiv ausgeweitet, um öffentliche Ausgaben zu finanzieren, und damit quasi die Kontrolle über ihre Renditekurven übernommen. Die Zentralbanken in den Schwellenländern könnten eine derartige Politik nicht betreiben, ohne ihre Währungen abzuwerten und die Inflation anzuheizen.

Vor diesem Hintergrund sei der Kurswechsel des FED-Chefs Jerome Powell einzuordnen. Powells Eingeständnis, dass die Inflation vielleicht doch nicht so vorübergehend sei wie angenommen, sei der Auftakt zu einer schneller als erwarteten Änderung der Geldpolitik. Die FED scheine das Kunststück geschafft zu haben, der Entwicklung einen Schritt voraus zu sein und das Vertrauen der Märkte zu halten, die weiterhin an die vorübergehende Natur der Inflation glauben würden. Die in inflationsgebundenen Anleihen eingepreisten Inflationserwartungen seien gesunken. Auch die Renditen langfristiger Anleihen seien nach Powells Äußerungen ziemlich stark zurückgegangen, und die Rendite der 10-jährigen T-Note sei wieder unter die Schwelle von 1,50 Prozent gefallen.

Die Renditekurve sei erheblich abgeflacht: Die Anleihen mit kürzerer Laufzeit hätten sich in Erwartung einer Leitzinserhöhung bereits seit März oder Juni kaum verändert. Der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Anleihen habe bei etwa 85 Basispunkten gelegen, gegenüber 125 Basispunkten am Ende des vorangegangenen Quartals.

Historisch gesehen sei eine flachere Kurve ein Frühindikator für eine Konjunkturabschwächung. In der Tat dürften die kommenden Monate schwieriger werden. Die Produktion werde durch die verschiedenen Lieferkettenengpässe deutlich beeinträchtigt und private Haushalte würden unter dem Preisanstieg leiden, insbesondere bei den Energiepreisen. Zudem breite sich die neue Covid-19-Variante Omikron aus, über die bisher nicht viel bekannt sei.

Die Experten würden also mit einer Verschiebung der Wachstumstrends rechnen, was eine Abschwächung der derzeit positiven Dynamik der Unternehmensgewinne, insbesondere in den USA und Europa, bedeuten dürfte. Experten würden erwarten, dass das globale Wachstum in diesem Jahr bei rund 6,0 Prozent und 2022 bei 4,5 Prozent liegen werde, allerdings mit dem Risiko von Korrekturen nach unten. (16.12.2021/alc/a/a)