Anleihenmärkte im Auge des Hurrikans


31.08.12 16:13
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vor den im neuen Monat anstehenden wichtigen Entscheidungen verharren Anleger in Wartestellung, so die Deutsche Börse AG.

"Alles hängt von den nächsten Wochen ab", erkläre Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft und verweise vor allem auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsfonds ESM am 12. September: "Wird der gekippt oder stehen zeitaufwendige Nachbesserungen an, ist mit massiven Bewegungen im Markt zu rechnen."

Bis dahin sei Abwarten angesagt: Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank melde für diese Woche wenig Bewegung beim Euro-Bund-Future und ein unterdurchschnittliches Handelsaufkommen in Bundesanleihen. "Wir hatten von den Umsätzen wohl die schlechteste Woche im ganzen Jahr", meine Förtsch sogar.

Der Euro-Bund-Future notiere am heutigen Freitag mit 143,39 Punkten mehr oder weniger unverändert gegenüber dem Vorwochenschluss von 143,73 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege bei 1,317 Prozent.

Dabei seien die Auktionen spanischer und italienischer Papiere in dieser Woche durchaus erfolgreich verlaufen. "Spanien und Italien konnten bei Neuemissionen von Geldmarkttiteln geringere Zinssätze erzielen, Italien brachte zusätzlich eine zehnjährige Emission mit 5,82 Prozent nach zuletzt 5,96 Prozent in den Markt", berichte Blum.

Im Sekundärmarkthandel habe aber auch andere Signale gegeben: "Auffällig war der Anstieg bei zehnjährigen spanischen Staatsanleihen, die unter negativen BIP-Daten sowie unter der Nachricht litten, dass mit Katalonien nun auch die wirtschaftsstärkste Region Spaniens Hilfen beim Zentralstaat beantragt", schreibe die HSH Nordbank.

ESM und EZB-Anleiherückkäufe hin oder her: Am heutigen Freitag würden die Märkte erst einmal gen USA blicken: Zentralbankchef Ben Bernanke halte auf dem Notenbanksymposium im US-amerikanischen Jackson Hole die Eröffnungsrede. Erhofft werde eine Antwort auf die Frage, ob es neue geldpolitische Lockerungsmaßnahmen geben werde. Angesichts der hohen Erwartungen sei laut HSBC Trinkaus & Burkhardt die Gefahr von Enttäuschungen aber groß. "Ein geldpolitischer Rundumschlag scheint ungewiss. Bernanke wird wohl vielmehr zunächst die verschiedenen geldpolitischen Optionen abwägen, um dann Hinweise über die nächsten geplanten Schritte zu geben, die auf der Sitzung am 13. September beschlossen werden dürften."

Vor der US-Notenbank sei noch die EZB an der Reihe. Für die Sitzung am kommenden Donnerstag werde mit Zinsänderungen nicht gerechnet. "Hier ist von einem unverändertem Satz von 0,75 Prozent auszugehen", bemerke Christian Apelt von der Helaba. Im Mittelpunkt stünden vielmehr Aussagen über das mögliche Kaufprogramm. "Auf der letzten EZB-Pressekonferenz deutete Präsident Draghi Staatsanleihekäufe unter gewissen Bedingungen an. Ob er aber bereits diesmal sehr konkret wird, darf bezweifelt werden." Fast alle Analysten seien der Überzeugung, dass die EZB die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten werde.

Im Bereich der Corporate Bonds gehe es heute für die stark gebeutelte Praktiker-Anleihe deutlich nach oben. "Gestern lag der Kurs noch bei 34 Prozent, heute sind es 40", bemerke Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Die strauchelnde Baumarktkette habe einen neuen Investor gefunden, den Wiener Großaktionär Semper Constantia, wie Praktiker am gestrigen Donnerstag mitgeteilt habe. Die Verhandlungen mit dem US-Hedgefonds Anchorage seien abgebrochen worden. Die bis 2016 laufende Anleihe mit einem Kupon von 5,875 Prozent sei bis Sommer vergangenen Jahres noch zu über 100 Prozent gehandelt worden.

Unterdessen habe Siemens die Gunst der Stunde genutzt und sich zu extrem günstigen Konditionen Mittel besorgt, die zum Rückkauf von Aktien eingesetzt werden sollten. Wie Petz melde, habe der Technologiekonzern am gestrigen Donnerstag vier neue Anleihen, zwei davon in Euro begeben. "Die bis 2014 laufende Anleihe (ISIN nicht bekannt/ WKN A1G85A) hat einen Kupon von nur 0,375 Prozent", berichte der Händler staunend. Für das bis 2020 laufende Papier (ISIN nicht bekannt/ WKN A1G85B) werde ein Festzins von 1,5 Prozent gezahlt. "Der Handel startet nächste Woche."

Seit Mittwoch und bis zum 14. September könne im Übrigen die Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) von Travel24.com (ISIN DE000A0L1NQ8 / WKN A0L1NQ) gezeichnet werden. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren biete die Gesellschaft einen Kupon von 7,50 Prozent, der Handel solle am 17. September im Entry Standard der Börse Frankfurt beginnen. Das Unternehmen sei Onlinevermittler von Pauschal- und Lastminute-Reisen, Flügen, Hotels, Ferienwohnungen und exklusiven Kurzreisen.

Fremdwährungsanleihen würden großes Thema bleiben. "Weiterhin munter gehandelt werden "Rettungswährungen" wie Norwegische Kronen und Australische Dollar", beobachte Blum. Es werde dabei auch auf die Qualität des Emittenten geschaut, gehandelt würden zum Beispiel Anleihen von BMW, Daimler (ISIN DE0007100000 / WKN 710000) und der Europäischen Investitionsbank. Auch Förtsch sehe anhaltendes Interesse an Fremdwährungspapieren, vor allem in Australischen Dollar. (31.08.2012/alc/a/a)