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Anleihen: Fakten spielen eine Nebenrolle
19.07.13 15:58
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Alles läuft wieder in geordneten Bahnen, fassen Spezialisten im Anleihehandel das Marktgeschehen der Woche zusammen, so die Deutsche Börse AG.
Das geldpolitische Zurückrudern von US-Notenbank-Gouverneur Ben Bernanke und seine Bekenntnisse zu langfristig sehr niedrigen Zinsen hätten die Märkte wieder beruhigt. "Auch der Renditeanstieg bei Hochzinsanleihen wurde - zumindest vorübergehend - gestoppt", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler und ergänze: "Die Fakten spielen für die meisten Anleger eher eine Nebenrolle, so lange die Notenbanken bereit stehen. Früher oder später wird die Zinswende aber doch kommen und dann werden die Mittelstandsanleihen als erstes einstecken müssen." Dementsprechend sei aktuell zwar der Aufwärtstrend bei den Zinsen gestoppt, von einer Trendwende nach unten könne aber keineswegs gesprochen werden.
Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft bestätige: "Die Märkte haben jetzt erst mal auf die jüngsten Aussagen von Bernanke reagiert und eine Gegenbewegung gemacht. Hochzinsanleihen werfen ja aber nicht umsonst 7 oder 8 Prozent Rendite ab: Das ist der Preis für hohes Risiko und das nehmen Anleger nur in Kauf, so lange das Geld billig ist und solidere Papiere kaum Zinsen bringen." Sobald die Zinswende komme, werde sich die Bewegung der vergangenen Wochen fortsetzen.
Aber nicht nur im Hochzinssegment, auch bei den Staatsanleihen sei der jüngste Zinsanstieg erst mal ausgebremst. "Die spanischen Renditen am Sekundärmarkt sind von knapp 4,9 in der vergangenen Woche auf aktuell 4,6 gesunken und auch bei einer Emission neuer Papiere mit drei, fünf und zehn Jahren Laufzeit gingen die Zinsen im Vergleich zu den vorangegangenen Auktionen zurück", wisse Brunner.
Selbst eine Auktion Frankreichs sei völlig problemlos verlaufen, obwohl kurz zuvor die Rating-Agentur Fitch dem Land die Top-Bonität "AAA" entzogen habe. Damit bekomme Frankreich nun von allen drei großen Rating-Agenturen nicht mehr die Bestnote. "In beiden Ländern war rege Nachfrage der Investoren zu verzeichnen. Allgemein zeigten sich die Anleihemärkte der EU-Peripherie in dieser Woche in guter Verfassung", ergänze Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Der Euro-Bund-Future notiere am heutigen Freitagmittag bei 144,26 Punkten, nach 143,46 vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder weniger Rendite abwerfen, aktuell seien es 1,51 Prozent nach 1,57 Prozent am vergangenen Freitag. Auch in den USA seien die Renditen zehnjähriger Treasuries weiter zurückgegangen, nachdem sie vor zwei Wochen noch ein Zweijahreshoch markiert hätten.
Am Markt für Unternehmensanleihen sorge laut Rainer Petz von Close Brothers Seydler nach wie vor die Praktiker-Insolvenz für rege Kursbewegungen. "Für die Anleihe (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) mit einem Volumen von 250 Millionen Euro war es nach der Insolvenzmeldung und der Kursaussetzung ja rasant auf bis zu 8,75 Prozent abwärts gegangen. Mittlerweile haben Spekulationen über einen Einstieg von Hedgefonds das Papier wieder auf knapp 19 Prozent nach oben getrieben", wisse der Spezialist.
Die Hedgefonds hätten sich Finanzkreisen zufolge mit starken Abschlägen in die Anleihe eingekauft und würden inzwischen bis zu 30 Prozent daran halten. Offenbar wollten sie als größte Gläubigergruppe der Praktiker AG ihre Verbindlichkeiten vollständig in Eigenkapital tauschen und zusätzlich frisches Geld nachschießen, um rund zwei Drittel der deutschen Baumärkte des Konzerns unter dem Namen Max Bahr weiterzuführen.
Ein weiterer Gewinner der Woche sei, wie Brunner berichte, eine neue Anleihe (ISIN XS0953199634 / WKN A1X24V) von Continental. "Das am Dienstag emittierte Papier hat deutlich davon profitiert, dass die Rating-Agentur Fitch die Bonität von Continental von "BB" auf "BBB" anhob. Fitch ist damit die erste der großen Agenturen, die Conti wieder den Investment Grade bewilligt." Auch Förtsch beobachte "massive Käufe" in der Conti-Anleihe. Von 100 Prozent am Montag sei der Kurs mittlerweile auf 102,10 gestiegen. Das Papier mit einem Kupon von 3 Prozent laufe bis Juli 2018.
Im Zuge des freundlichen Bund-Future habe laut Hellwig eine Anleihe (ISIN XS0211637839 / WKN A0DX0V) der Allianz zulegt und bei zwischenzeitlich guten Umsätzen gut einen Prozentpunkt zugelegt. Aktuell handle der Titel bei Preisen knapp unter 103 Prozent.
Die neu in den Handel gekommene eine 2,25-prozentige Anleihe (ISIN XS0954025267 / WKN A1HNRF) von GE Capital mit einer Laufzeit bei Juli 2020 sei, wie Hellwig berichte, auf gute Nachfrage am Markt getroffen. Von 100,3 am Dienstag sei der Preis auf 100,4 gestiegen.
Das Immobilienunternehmen Grand City Properties stocke seine im Juni begebene Unternehmensanleihe (ISIN XS0937063310 / WKN A1HLGC) um bis zu 100 Millionen Euro auf. Das Papier (ISIN XS0951839991 / WKN A1HNBM) biete einen Kupon von 6,25 Prozent und laufe sieben Jahre. Die Anleihe mit einem Nennbetrag von 1.000 Euro könne bis heute 14 Uhr gezeichnet werden und komme am 24. Juli in den Handel. (19.07.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Das geldpolitische Zurückrudern von US-Notenbank-Gouverneur Ben Bernanke und seine Bekenntnisse zu langfristig sehr niedrigen Zinsen hätten die Märkte wieder beruhigt. "Auch der Renditeanstieg bei Hochzinsanleihen wurde - zumindest vorübergehend - gestoppt", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler und ergänze: "Die Fakten spielen für die meisten Anleger eher eine Nebenrolle, so lange die Notenbanken bereit stehen. Früher oder später wird die Zinswende aber doch kommen und dann werden die Mittelstandsanleihen als erstes einstecken müssen." Dementsprechend sei aktuell zwar der Aufwärtstrend bei den Zinsen gestoppt, von einer Trendwende nach unten könne aber keineswegs gesprochen werden.
Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft bestätige: "Die Märkte haben jetzt erst mal auf die jüngsten Aussagen von Bernanke reagiert und eine Gegenbewegung gemacht. Hochzinsanleihen werfen ja aber nicht umsonst 7 oder 8 Prozent Rendite ab: Das ist der Preis für hohes Risiko und das nehmen Anleger nur in Kauf, so lange das Geld billig ist und solidere Papiere kaum Zinsen bringen." Sobald die Zinswende komme, werde sich die Bewegung der vergangenen Wochen fortsetzen.
Aber nicht nur im Hochzinssegment, auch bei den Staatsanleihen sei der jüngste Zinsanstieg erst mal ausgebremst. "Die spanischen Renditen am Sekundärmarkt sind von knapp 4,9 in der vergangenen Woche auf aktuell 4,6 gesunken und auch bei einer Emission neuer Papiere mit drei, fünf und zehn Jahren Laufzeit gingen die Zinsen im Vergleich zu den vorangegangenen Auktionen zurück", wisse Brunner.
Selbst eine Auktion Frankreichs sei völlig problemlos verlaufen, obwohl kurz zuvor die Rating-Agentur Fitch dem Land die Top-Bonität "AAA" entzogen habe. Damit bekomme Frankreich nun von allen drei großen Rating-Agenturen nicht mehr die Bestnote. "In beiden Ländern war rege Nachfrage der Investoren zu verzeichnen. Allgemein zeigten sich die Anleihemärkte der EU-Peripherie in dieser Woche in guter Verfassung", ergänze Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Der Euro-Bund-Future notiere am heutigen Freitagmittag bei 144,26 Punkten, nach 143,46 vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder weniger Rendite abwerfen, aktuell seien es 1,51 Prozent nach 1,57 Prozent am vergangenen Freitag. Auch in den USA seien die Renditen zehnjähriger Treasuries weiter zurückgegangen, nachdem sie vor zwei Wochen noch ein Zweijahreshoch markiert hätten.
Die Hedgefonds hätten sich Finanzkreisen zufolge mit starken Abschlägen in die Anleihe eingekauft und würden inzwischen bis zu 30 Prozent daran halten. Offenbar wollten sie als größte Gläubigergruppe der Praktiker AG ihre Verbindlichkeiten vollständig in Eigenkapital tauschen und zusätzlich frisches Geld nachschießen, um rund zwei Drittel der deutschen Baumärkte des Konzerns unter dem Namen Max Bahr weiterzuführen.
Ein weiterer Gewinner der Woche sei, wie Brunner berichte, eine neue Anleihe (ISIN XS0953199634 / WKN A1X24V) von Continental. "Das am Dienstag emittierte Papier hat deutlich davon profitiert, dass die Rating-Agentur Fitch die Bonität von Continental von "BB" auf "BBB" anhob. Fitch ist damit die erste der großen Agenturen, die Conti wieder den Investment Grade bewilligt." Auch Förtsch beobachte "massive Käufe" in der Conti-Anleihe. Von 100 Prozent am Montag sei der Kurs mittlerweile auf 102,10 gestiegen. Das Papier mit einem Kupon von 3 Prozent laufe bis Juli 2018.
Im Zuge des freundlichen Bund-Future habe laut Hellwig eine Anleihe (ISIN XS0211637839 / WKN A0DX0V) der Allianz zulegt und bei zwischenzeitlich guten Umsätzen gut einen Prozentpunkt zugelegt. Aktuell handle der Titel bei Preisen knapp unter 103 Prozent.
Die neu in den Handel gekommene eine 2,25-prozentige Anleihe (ISIN XS0954025267 / WKN A1HNRF) von GE Capital mit einer Laufzeit bei Juli 2020 sei, wie Hellwig berichte, auf gute Nachfrage am Markt getroffen. Von 100,3 am Dienstag sei der Preis auf 100,4 gestiegen.
Das Immobilienunternehmen Grand City Properties stocke seine im Juni begebene Unternehmensanleihe (ISIN XS0937063310 / WKN A1HLGC) um bis zu 100 Millionen Euro auf. Das Papier (ISIN XS0951839991 / WKN A1HNBM) biete einen Kupon von 6,25 Prozent und laufe sieben Jahre. Die Anleihe mit einem Nennbetrag von 1.000 Euro könne bis heute 14 Uhr gezeichnet werden und komme am 24. Juli in den Handel. (19.07.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,1945 € | 125,2722 € | -0,0777 € | -0,06% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




