Anleihen: Zölle und Gaza-Vorschlag verunsichern


10.02.25 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Aktienmärkte - speziell in Deutschland - sind in Partylaune, mit einer neuen Bestmarke im frühen Handel, so die Deutsche Börse AG.

An den Anleihemärkten würden sich die Sorgen um Donald Trumps Politik durchaus widerspiegeln. Im Wochenvergleich seien die Renditen abermals gefallen, als sicher geltenden Bundesanleihen und US-Treasuries seien gefragt.

"Ausschlaggebend waren wohl unter anderem die von Trump angedrohten und teilweise auch eingeführten Zölle, die die Risikofreude verringerten und die Sorgen um die europäische Wirtschaft weiter verstärkt haben", erkläre Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Auch ICF-Händler Arthur Brunner verweise auf die Zölle und außerdem den Gaza-Vorschlag von Trump, also die Palästinenser umzusiedeln und Gaza als "Riviera des Nahen Ostens" aufzubauen. "Das hat zu Unsicherheit geführt."

Zehnjährige Bundesanleihen würden am Freitagmittag mit 2,36 Prozent rentieren nach 2,48 Prozent vor einer Woche. Mitte Januar seien es noch über 2,62 Prozent gewesen. In den USA seien es aktuell 4,43 Prozent nach 4,53 Prozent vergangenen Freitag.

Signale über die weitere US-Leitzinsentwicklung würden von den US-Arbeitsmarktzahlen heute Nachmittag und den am kommenden Mittwoch anstehenden neuesten US-Inflationszahlen erwartet. "Insgesamt könnte der Rentenmarkt in Europa aufgrund des Arbeitsmarktberichtes und der Inflationsdaten aus den USA kaum auf Rückenwind hoffen", erklärte Siemßen. Er ginge davon aus, dass sich die Renditen in ihrer neuen – niedrigeren – Handelsspanne etablieren würden. Denn die trüben Wachstumsaussichten und die Unsicherheit in Bezug auf die US-Handelspolitik würden die Risikostimmung wohl weiter drücken. "Das schlägt sich typischerweise in fallenden Renditen der als sicher geltenden Bundesanleihen nieder."

Insgesamt gehe es im Anleihehandel momentan eher ruhig zu. "Anleihen stünden im Schatten von Aktien", bemerkte Brunner. Viele Käufe sehe er für eine langlaufende Bundesanleihe mit Fälligkeit 2048, Kupon von 1,25 Prozent und aktueller Rendite von 2,58 Prozent (DE0001102432).

Einiges los sei laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank weiter in türkische Lira-Bonds, etwa von der Asian Development Bank mit Laufzeit bis 2028 (XS2840132802) mit Käufen sowie der European Bank for Reconstruction and Development bis 2036 (XS2795696108) mit Käufen und Verkäufen. Die Renditen lägen aktuell bei 30 beziehungsweise 34 Prozent. Die Inflationsrate in der Türkei sinke seit vergangenem Sommer, im Januar liege sie aber immer noch bei 42 Prozent.

Im Handel mit Unternehmensanleihen würden unverändert bekannte Namen ziehen. Laut Daniel sei etwa die bis 2028 laufende Lufthansa-Anleihe (XS2892988275) gefragt, die aktuell mit 2,97 Prozent rentiere, ebenso Bonds von Fresenius mit Laufzeit bis 2030 und aktuell 2,78 Prozent (XS2482872251). Zum Teil würden auch kurzlaufende Anleihen verkauft, wenn auch nicht im großen Stil. "Das könnten Umschichtungen in Aktien, Gold oder Kryptowährungen sein, anders könnte man das nicht erklären", meinte der Händler. Ein Beispiel: die schon am 27. März fällige SAP-Anleihe (DE000A14KJF5).

Am Primärmarkt sei diese Woche einiges los gewesen, wie Brunner meldete. So sei IBM mit Bonds in Euro und US-Dollar auf den Markt gekommen, mit unterschiedlichen Laufzeiten, allerdings hoher Mindestanlagesumme. Bei 1.000 Euro läge die Stückelung hingegen bei einem neuen Nordic Bond der SGL Group mit Fälligkeit 2031 (NO0013469957), wie Brunner berichtete. "Wir sehen schon erste Käufe." Nordic Bonds seien eine spezielle Form von Unternehmensanleihen, die meist norwegischem oder schwedischem Recht unterlägen. Für sie sei eine besondere, weitgehend standardisierte Dokumentation entwickelt worden. Sie seien zudem meist variabel verzinst.

Bei Staatsanleihen käme Brunner zufolge unter anderem Rumänien auf den Markt, eine Tranche mit Laufzeit von fünf Jahren und Kupon von 5,25 Prozent (XS2999533271), die andere mit neun Jahren und 6,25 Prozent (XS2999552909). Mindestanlagesumme auch hier: 1.000 Euro. (Ausgabe vom 07.02.2025) (10.02.2025/alc/a/a)





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