Anleihen: Von einem Allzeithoch zum nächsten


25.05.12 15:52
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ein neues Allzeithoch von 144,55 Prozent für den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) und mit zwischenzeitlich 1,2544 Euro je US-Dollar sind nur einige der Zutaten für den Rentenhandel der vergangenen Woche, so die Deutsche Börse AG.

"Für ein Novum sorgte die Emission einer zweijährigen Bundesanleihe mit einem Kupon von null Prozent Mitte dieser Woche", berichte Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Damit wäre die Anleihe entgegen ihrer Konstruktion praktisch ein Zerobond. Man stelle sich vor, Bonds würden wie früher mit Mantel und Bogen real ausgegeben. Der Zinskupon von Null wäre in dem Fall groß auf dem Bogen gedruckt. "Anleger würden dann vielleicht klarer sehen, was sie bekommen."

Stopp Klaus Stopp von der Baader Bank stelle sich in diesem Zusammenhang der Frage, wann Anleger aus welchem Grund Deutschland zum Nulltarif Kapital leihen würden. Anlagerichtlinien etwa hätten manchen institutionellen Investoren ein Engagement in Staatsanleihen vorgeschrieben. "Durch die Bildung entsprechender Indices bleibt ihnen oft keine andere Wahl, als in die Benchmark zu investieren." Besser verzinste Tages- oder Festgeldanlagen würden mit der Risikobewertung der Bundesanleihen meist nicht mitkommen. "Denn Bundestitel gelten als das Nonplusultra bezüglich Sicherheit."

Auch die Zinsstruktur für langfristige Engagements in deutschen Staatsanleihen werde flacher, wie Bluhm bemerke. Die Rendite hiesiger Bonds mit einer Laufzeit von 30 Jahren sei unter 2 Prozent gefallen. "Neben Marktteilnehmern, die ihr Geld kurz- und mittelfristig in Bundesanleihen parken, um die aktuelle Krise zu überbrücken, binden sich vermehrt Investoren für die nächsten 30 Jahre zu diesen geringen Zinssätzen." Das deute auf eher pessimistische Zukunftserwartungen.

Eine bessere Förderung der Wirtschaft in Schuldenländern und die Einführung von Eurobonds hätten derzeit die 27 europäischen Regierungschefs gespaltet. Um Angela Merkel die Möglichkeit zu geben, ihr Gesicht zu wahren, könnten Eurobonds anders verpackt, beispielsweise als Projektbonds, dennoch aufgelegt werden. "Solche Anleihen, begeben durch die Europäische Investitionsbank, sind seitens der Bundesregierung nicht ausgeschlossen worden", beobachte Stopp.

"Zuweilen erscheint der Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung aber bereits ausgemachte Sache", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Im Markt sei dieser Schritt längst verarbeitet. Und Medien hätten über den 2. und 3. Juni dieses Jahres als mögliche Termine spekuliert. "Unter Kollegen diskutieren wir, was als nächstes kommen könnte."

Das Thema Spanien rücke mit womöglich zusätzlich benötigten Mitteln der teilverstaatlichten Großbank Bankia wieder stärker in den Mittelpunkt. "Dort stapeln sich die Probleme." Das Geldinstitut scheine nun 15 Milliarden Euro zu brauchen, fast doppelt so viel wie ursprünglich gedacht. Die Aktie sei am heutigen Freitag vom Handel ausgesetzt worden. Zu den Phantasien aus dem Handelssaal gehöre zudem die Aufteilung des Euroraums in einen Nord- und einen Südeuro.

Eher an Großanleger richte der Tabakkonzern Philips Morris seine jüngsten Emissionen mit einer Stückelung in Höhe von 100.000 Euro, wie Daniel berichte. Eine siebenjährige Anleihe (ISIN XS0787510618 / WKN A1G5F6) mit einem Gesamtvolumen von 750 Millionen Euro biete einen Kupon von 2,125 Prozent. 600 Millionen Euro habe der mit A2/A benotete Konzern mit einem zwölf Jahre laufenden Bond (ISIN XS0787527349 / WKN A1G5F5) vom Kapitalmarkt eingesammelt. Die jährliche Verzinsung betrage 2,875 Prozent.

Im Handel spreche Daniel von verstärktem Anlegerinteresse an Fremdwährungsanleihen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Gekauft worden sei beispielsweise eine in Brasilianische Real ausgestellte bis Dezember 2015 laufende Anleihe (ISIN XS0754679669 / WKN A1K0WU) mit einem jährlichen Kupon von 7,5 Prozent. Zudem hätten Investoren sich per Saldo eine im November 2016 fällig werdende Anleihe (ISIN XS0585517245 / WKN A1E8U5) ins Depot gelegt, die in Türkische Lira notiere.

Spekulationen über eine zu dünne Kapitaldecke der Air Berlin habe zu Verkaufsdruck bei einer Anleihe (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) des Unternehmens geführt, wie Daniel vermute. "Ein Medienbericht im Wall Street Journal scheint der Auslöser." Demnach sei das Unternehmen bei einem unvorhergesehenen Ereignis insolvenzgefährdet. Auslöser könnten nachlassende Buchungen aufgrund politischer Unruhen oder hohe Flugausfallraten verursacht durch Streiks oder Naturkatastrophen sein. (25.05.2012/alc/a/a)