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Anleihen: "Die Leitzinsen sinken, aber die Renditen steigen"
13.12.24 16:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der europäische Rentenmarkt hat mit einem Ausverkauf der Anleihen auf die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag reagiert, so die Deutsche Börse AG.
Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe sei durch den Kursrutsch am Donnerstag im Wochenvergleich von 2,11 Prozent auf 2,23 Prozent gestiegen. Bei Papieren mit zwei Jahren Restlaufzeit sei die Rendite im Vorfeld der EZB-Sitzung zunächst deutlich von 2,02 auf 1,92 Prozent gesunken, bevor der komplette Rückgang nach dem Zinsentscheid in sehr kurzer Zeit wieder aufgeholt worden sei.
Verantwortlich für den Anstieg der Renditen dürften u.a. die Aussagen von Notenbankchefin Christine Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz gewesen sein, wo sie sich nicht auf einen weiteren geldpolitischen Kurs habe festlegen wollen. "Auch auf Nachfrage deutete sie keine weitere Zinssenkung im Januar", konstatiere Ulrike Kastens von der DWS. Die Volkswirtin gehe aktuell aber trotzdem von einem entsprechenden Zinsschritt zu Jahresbeginn aus. "Für das gesamte Jahr 2025 dürfte die EZB unserer Meinung nach einen Einlagensatz von 2,0 Prozent anstreben". Das wäre vom aktuellen Niveau aus noch mal ein Rückgang um 100 Basispunkte.
Für Tim Oechsner von der Steubing AG sei das sogar das Minimum an zu erwartenden Zinssenkungen im neuen Jahr. Seine Begründung: "Die Konjunkturpessimisten im EZB-Rat haben inzwischen ein großes Gewicht". Allerdings bleibe die Unsicherheit hoch, weil beispielsweise noch unklar sei, wie sich die Zollpolitik der künftigen US-Regierung auf die Eurozone auswirken werde.
Als Grund für die heftige und für viele auf den ersten Blick womöglich unlogisch erscheinende Reaktion auf die vierte Zinssenkung verweise der erfahrene Rentenhändler auch auf die Erwartungshaltung im Vorfeld. Zwar sei die Konsensprognose mit der Senkung um 25 Basispunkte voll getroffen worden. "Anleger hatten teilweise aber auch auf einen großen Zinsschritt spekuliert", wie Oechsner berichte. Zudem sei das Nachfragevolumen saisonal bedingt insgesamt relativ gering. "Viele Handelsbücher sind bereits geschlossen".
Im Segment der Unternehmensanleihen sorge die angekündigte Übernahme des Online-Modehändlers About You durch den Branchenriesen Zalando für Umsätze in einer Anleihe (ISIN XS1853998182) der Muttergesellschaft Otto GmbH & Co. "Mit etwas Fantasie könnte man darauf spekulieren, dass diese Anleihe demnächst vorzeitig zurückgezahlt wird, weil jetzt Geld in die Kassen von Otto reinkommen wird", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der Bond werde aktuell knapp unter Nennwert gehandelt.
Weiterhin gute Nachfrage sehe der Händler nach zwei Bonds der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Anleihe (ISIN XS2934329967) in Brasilianischem Real mit einer Laufzeit bis 2027 rentiere aktuell mit rund 12 Prozent, der bis 2036 laufende Bond (ISIN XS2795696108) in Türkischer Lira komme sogar auf 35 Prozent. Verkauft werde hingegen ein Papier (ISIN ES0000012F43) des Königreich Spanien, dessen Kurs seit Mitte des Jahres von 87 auf 92 Prozent gestiegen sei und somit bis zur Fälligkeit 2020 nur noch 2,4 Prozent Rendite abwerfe.
Neu am Markt und direkt gesucht sei eine Anleihe (ISIN XS2954183039) des Stahlkonzerns ArcelorMittal, die Anlegerinnen und Anlegern nach sieben Jahren Laufzeit eine Rendite von aktuell 3,6 Prozent ermögliche. Auf ähnlichem Niveau bewege sich die 2030 fällige HOCHTIEF-Anleihe (ISIN DE000A383EL9), die laut Oechsner momentan ebenfalls sehr beliebt sei. Daniel wiederum berichte noch von Käufen des bis 2031 laufenden Bonds (ISIN XS2887896574) des Triebwerke-Herstellers MTU Aero Engines. Der rentiere zurzeit mit 3,2 Prozent. (13.12.2024/alc/a/a)
Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe sei durch den Kursrutsch am Donnerstag im Wochenvergleich von 2,11 Prozent auf 2,23 Prozent gestiegen. Bei Papieren mit zwei Jahren Restlaufzeit sei die Rendite im Vorfeld der EZB-Sitzung zunächst deutlich von 2,02 auf 1,92 Prozent gesunken, bevor der komplette Rückgang nach dem Zinsentscheid in sehr kurzer Zeit wieder aufgeholt worden sei.
Verantwortlich für den Anstieg der Renditen dürften u.a. die Aussagen von Notenbankchefin Christine Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz gewesen sein, wo sie sich nicht auf einen weiteren geldpolitischen Kurs habe festlegen wollen. "Auch auf Nachfrage deutete sie keine weitere Zinssenkung im Januar", konstatiere Ulrike Kastens von der DWS. Die Volkswirtin gehe aktuell aber trotzdem von einem entsprechenden Zinsschritt zu Jahresbeginn aus. "Für das gesamte Jahr 2025 dürfte die EZB unserer Meinung nach einen Einlagensatz von 2,0 Prozent anstreben". Das wäre vom aktuellen Niveau aus noch mal ein Rückgang um 100 Basispunkte.
Als Grund für die heftige und für viele auf den ersten Blick womöglich unlogisch erscheinende Reaktion auf die vierte Zinssenkung verweise der erfahrene Rentenhändler auch auf die Erwartungshaltung im Vorfeld. Zwar sei die Konsensprognose mit der Senkung um 25 Basispunkte voll getroffen worden. "Anleger hatten teilweise aber auch auf einen großen Zinsschritt spekuliert", wie Oechsner berichte. Zudem sei das Nachfragevolumen saisonal bedingt insgesamt relativ gering. "Viele Handelsbücher sind bereits geschlossen".
Im Segment der Unternehmensanleihen sorge die angekündigte Übernahme des Online-Modehändlers About You durch den Branchenriesen Zalando für Umsätze in einer Anleihe (ISIN XS1853998182) der Muttergesellschaft Otto GmbH & Co. "Mit etwas Fantasie könnte man darauf spekulieren, dass diese Anleihe demnächst vorzeitig zurückgezahlt wird, weil jetzt Geld in die Kassen von Otto reinkommen wird", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der Bond werde aktuell knapp unter Nennwert gehandelt.
Weiterhin gute Nachfrage sehe der Händler nach zwei Bonds der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Anleihe (ISIN XS2934329967) in Brasilianischem Real mit einer Laufzeit bis 2027 rentiere aktuell mit rund 12 Prozent, der bis 2036 laufende Bond (ISIN XS2795696108) in Türkischer Lira komme sogar auf 35 Prozent. Verkauft werde hingegen ein Papier (ISIN ES0000012F43) des Königreich Spanien, dessen Kurs seit Mitte des Jahres von 87 auf 92 Prozent gestiegen sei und somit bis zur Fälligkeit 2020 nur noch 2,4 Prozent Rendite abwerfe.
Neu am Markt und direkt gesucht sei eine Anleihe (ISIN XS2954183039) des Stahlkonzerns ArcelorMittal, die Anlegerinnen und Anlegern nach sieben Jahren Laufzeit eine Rendite von aktuell 3,6 Prozent ermögliche. Auf ähnlichem Niveau bewege sich die 2030 fällige HOCHTIEF-Anleihe (ISIN DE000A383EL9), die laut Oechsner momentan ebenfalls sehr beliebt sei. Daniel wiederum berichte noch von Käufen des bis 2031 laufenden Bonds (ISIN XS2887896574) des Triebwerke-Herstellers MTU Aero Engines. Der rentiere zurzeit mit 3,2 Prozent. (13.12.2024/alc/a/a)




