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Anleihen: Keine Korrektur im Sinne von 1994 bzw. 2013


26.02.21 11:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleihenmärkte befinden sich aktuell weder in einer Korrektur im Stil von 1994 noch von 2013 - diese Ansicht vertritt Peter De Coensel, Chef-Anleihenstratege bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Während die damaligen Rückschläge eindeutig von geldpolitischen Überraschungen und aggressiven Ausschlägen der Laufzeitprämien angetrieben worden seien, gestalte sich die aktuelle Situation komplizierter. Sie sei geprägt von einem Spannungsfeld zwischen Änderungen der drei Einflussgrößen Laufzeitprämien, reale Renditen und Inflationserwartungen.

Gerüchte über ein Auslaufen der quantitativen Maßnahmen in den USA im Laufe des Jahres 2022 und eine erste Anhebung der US-Leitzinsen im zweiten Halbjahr 2023 würden an Fahrt gewinnen. Peter De Coensel von DPAM stellt sich aber die Frage, wie hoch die Chancen seien, dass die US-FED dem Druck der Märkte nachgebe, während wir von April bis Juni eine höhere Inflation erleben würden? Wie stünden die Chancen, dass die FED einen politischen Fehler begehe, während sie mit höherem Wachstum und höherer Inflation über ihren üblichen Projektionshorizont konfrontiert sei?

Der Markt teste gerade, ob die FED ihre neuen Regeln für das flexible durchschnittliche Inflationsziel einhalte. Ein geldpolitischer Fehler könnte zu einer weiteren Versteilerung der Renditekurve führen, da Anleiheninvestoren mehr Laufzeitprämienschutz verlangen würden. Die Geldpolitik stehe in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Ausmaß einer negativen oder positiven Laufzeitprämie. Die Kombination aus reflationären Impulsen, die die Inflationserwartungen und das reale Wachstum stützen würden, und der Aufhebung der geldpolitischen Verankerung, die die Laufzeitprämie in die Höhe treibe, habe das Potenzial, die 10-jährigen US-Renditen über 2,00% zu heben.

Tatsächlich sei der Anstieg der Breakeven-Renditen seit April 2020 durch niedrigere Realrenditen und einen maßvollen Anstieg der Nominalrenditen angetrieben worden. In der vergangenen Woche habe sich diese Dynamik geändert. Inflationsgebundene US-Staatsanleihen (TIPS) seien am Markt stärker als ihre nominalen Pendants abverkauft worden. Die Anleihenmärkte hätten den Punkt erreicht, an dem sie einschätzen würden, dass die kombinierte Wirkung von geld- und fiskalpolitischen Initiativen die potenziellen Wachstumsraten in den nächsten drei bis fünf Jahren anheben könnte. Das sei gut so. 10-jährige US-Treasuries könnten sich Peter De Coensel zufolge in einem solchen kurzfristigen Reflationsszenario in Richtung des Bereichs von 1,45% bewegen. Unter Berücksichtigung eines Anstiegs des Wirtschaftswachstums und einer zusätzlichen Dosis Laufzeitprämie sehe das DPAM-Basisszenario immer noch 1,60% für 10-jährige US-Renditen bis Ende 2021 vor.

Höhere potenzielle Wachstumsraten würden sich direkt mit höheren Realrenditen verbinden. Wenn jedoch die realen (und nominalen) 10-jährigen US-Renditen um weitere 60 bis 75 Basispunkte gegenüber dem Schlusswert von -0,81% (bzw. 1,34%) per 19.2.2021 ansteigen würden, weil eine frühzeitige Straffung der Geldpolitik (QE-Tapering oder Leitzinsanhebung) befürchtet werde, könnten die Aktienmärkte in Panik geraten. Auch das wäre nach Ansicht von Anleihenexperte De Coensel eine gute Nachricht für festverzinsliche Anleger, da dies Gelegenheiten für Schnäppchen an den Anleihenmärkten darstellen würde.

Sehen wir der Realität ins Auge: Wir können davon ausgehen, dass 2021 ein herausforderndes Jahr für Anleiheninvestoren sein wird, so Peter De Coensel von DPAM. Ein Blick in die Vergangenheit mache aber Mut: Während 1994 und 2013 düstere Jahre gewesen seien, hätten sich die Anleihenmärkte in den Jahren 1995 und 2014 glänzend entwickelt! (26.02.2021/alc/a/a)