Anleihen: EZB-Zinssenkung fest eingepreist


14.10.24 08:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der deutliche Zinsrückgang vergangene Woche war nur von kurzer Dauer, so die Deutsche Börse AG.

Die Marktlage habe sich normalisiert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei fast unter 2 Prozent gerutscht, bedingt durch die sich zuspitzende Krise im Nahen Osten, aber auch die Zinssenkungseuphorie. Am Freitagmittag hätten sie wieder bei 2,20 Prozent gelegen. Keine großen Veränderungen hätten die am Donnerstag veröffentlichten US-Verbraucherpreise gebracht. "Zwar lagen die Zahlen leicht oberhalb der Erwartungen, dennoch setzen die Marktteilnehmer weiter auf Zinssenkungen", erkläre Analyst Ralf Umlauf von der Helaba.

Auch in den USA seien die Renditen wieder gestiegen, zehnjährige US-Treasuries würden aktuell 4,08 Prozent abwerfen nach 3,85 Prozent vergangenen Freitag. Am Markt werde derzeit überwiegend mit einer Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte durch die US-Notenbank Fed im November gerechnet. Für die EZB werde schon für diesen Donnerstag eine weitere Zinssenkung erwartet.

Außerdem Thema: französische Staatsanleihen. Nachdem Frankreichs Präsident Macron im Sommer überraschend Neuwahlen ausgerufen habe, seien die Renditeaufschläge französischer Staats- gegenüber Bundesanleihen deutlich gestiegen. "Die neue Regierung konnte die Sorgen vor ausufernden Staatsschulden bisher nicht beruhigen", berichte Analyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Die Renditen spanischer Staatsanleihen seien Ende vergangener Woche sogar unter die ihrer französischen Pendants gefallen. "Die Investoren verlangen also mittlerweile einen höheren Risikoaufschlag für Frankreich als für Spanien."

Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen seien weiter einige Bonds in türkischen Lira gesucht, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. Beispiele: Papiere der Council of Europe Development Bank - der Entwicklungsbank des Europarates - mit Kupon von 25 Prozent und Fälligkeit 2027 (ISIN XS2593610103) sowie der European Bank for Reconstruction and Development mit 27,5 Prozent bis 2029 (ISIN XS2765026468). Die Renditen lägen aktuell bei 37 und 33 Prozent. Die Inflationsrate in der Türkei sei im August auf den niedrigsten Stand seit Juli 2023 gefallen, habe aber immer noch bei 52 Prozent gelegen.

Im Handel mit Unternehmensanleihen würden Bonds aus der Autobranche unter Abgabedruck bleiben. "Das liegt an den anhaltend schlechten Nachrichten, zuletzt etwa die rückläufigen Autoverkäufe von Porsche", erkläre Marcus Mielert von der ICF Bank. Auch die Zulieferer seien betroffen. Kräftige Kursverluste habe Mielert zufolge vergangene Woche eine Anleihe (ISIN XS2339015047) des auf Dichtungssysteme spezialisierten Zulieferers Standard Profil Automotive verzeichnet. "Die Talfahrt hat sich beschleunigt." Im Sommer habe sie noch bei über 90 Prozent notiert, aktuell seien es nur noch 67 Prozent.

Weiter gut an komme die Neuemission des Spirituosenherstellers Semper idem Underberg mit 5,75 Prozent bis 2030 (ISIN DE000A383FH4), wie Daniel berichte. "Die Umsätze nehmen aber ab, der Kurs liegt mittlerweile bei über 103 Prozent."

Daniel melde außerdem Käufe und Verkäufe für zwei Anleihen von UBM Development (ISIN AT0000A2QS11; ISIN AT0000A2AX04) und überwiegend Abgaben für eine weitere Anleihe des Wiener Immobilienentwicklers (ISIN AT0000A35FE2). "Die Umsätze stehen wohl im Zusammenhang mit der neuen Anleihe (ISIN AT0000A3FFK1), die aber noch nicht notiert ist." Die Neuemission, ein Green Bond, laufe bis 2029, biete 7 Prozent und sei verbunden mit einem bis zum 15. Oktober laufenden Umtauschangebot für die UBM-Anleihen mit Fälligkeit 2025 und 2026 (ISIN AT0000A2AX04; ISIN AT0000A2QS11).

Darüber hinaus plane die Nordwest Industrie Group laut Daniel eine neue vierjährige Anleihe mit rund 9 Prozent, verbunden mit der vorzeitigen Rückzahlung des bis April 2025 laufenden Bonds (ISIN DE000A2TSDK9) mit Kupon von 4,5 Prozent. "Das Emissionsvolumen soll 60 Millionen Euro betragen, bei der alten Anleihe waren es nur 15 Millionen Euro", bemerke Daniel. (Ausgabe vom 11.10.2024) (14.10.2024/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
85,69 TRY 84,08 TRY 1,61 TRY +1,91% 17.04./17:08
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS2593610103 A3LD7A 94,18 TRY 74,67 TRY
Werte im Artikel
85,38 plus
+2,07%
85,69 plus
+1,91%
99,85 plus
0,00%
107,00 plus
0,00%
102,19 minus
-0,55%