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Anleihen: Chancen in einem Hochzinsumfeld
27.02.24 12:05
ODDO BHF
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleihemärkte haben sich in letzter Zeit auf die sinkende Inflation und die sich abschwächenden Wachstumsaussichten fokussiert, so die Experten von ODDO BHF.
"Unserer Ansicht nach ist die Geldpolitik der EZB mit einem Leitzins von 4,5% restriktiv, was sich auch schon in der Realwirtschaft niederschlägt", schreibe Bastian Gries, Global Head of Investment Grade & Asset Allocation bei ODDO BHF AM, in einem aktuellen Marktkommentar. Die Wirtschaftstätigkeit werde in den kommenden Quartalen schwach bleiben, dessen sei sich auch die EZB bewusst.
"Derzeit rechnen die Märkte mit mehreren Zinssenkungen noch in diesem Jahr. Dies scheint keine überzogene Prognose zu sein, vor allem wenn sich die Konjunkturabschwächung als etwas ausgeprägter erweisen sollte als bisher erwartet. Vor diesem Hintergrund bleiben die Bewertungen von Anleihen attraktiv und dürften mittelfristig ein gutes Aufwärtspotenzial bieten. Anleihen sollten daher in ausgewogenen Portfolios wieder eine wichtige Rolle spielen", so der Anleihenexperte von ODDO BHF.
Unternehmensanleihen würden Gries zufolge in diesem Jahr ein gutes Risiko-Rendite-Profil bieten - sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich. Allerdings gelte es bei der Auswahl die Kreditwürdigkeit der Unternehmen und sektorale Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Immobilienbranche beispielsweise stecke bis auf weiteres in der Krise, weshalb hier die möglichen Erträge nicht für die Risiken entschädigten. Insgesamt sei eine auf den Fundamentaldaten basierende Kreditselektion daher unerlässlich.
"Wir gehen davon aus, dass die Anleihemärkte 2024 weiter an Boden gutmachen werden. Insbesondere Erträge von Unternehmensanleihen in Höhe von 4 bis 6% erscheinen unabhängig vom makroökonomischen Szenario dank der nach wie vor vorhandenen soliden Puffer durchaus realistisch" so der Investmentexperte.
Investment-Grade-Anleihen hätten im vergangenen Jahr eine Rendite von rund 8% erzielt, was auf niedrigere Kreditspreads und sinkende Basisrenditen zurückzuführen gewesen sei. Auch der europäische Markt für Hochzinsanleihen (HEAE-Index ICE BofA Euro Non-Financial Fixed & Floating Rate High Yield Constrained) habe 2023 mit einem Plus von über 12% eine starke Performance gezeigt, wobei sich die Spreads um mehr als 100 Basispunkte verringert hätten.
Abgesehen von leichten vorübergehenden Schwächen im Februar/März aufgrund der Turbulenzen um SVB (Silicon Valley Bank), Credit Suisse und im Oktober aufgrund der Eskalation im Nahen Osten hätten alle Monate eine positive Performance gezeigt. Insbesondere die letzten beiden Monate des Jahres hätten starke Kursgewinne gesehen, da der Markt über bevorstehende Zinssenkungen bei sinkender Inflation und einer fragilen gesamtwirtschaftlichen Situation spekuliert habe.
Das Wachstum in Europa dürfte sich Gries zufolge weiter abschwächen. Vor allem in den ersten beiden Quartalen könnte die Wirtschaft aufgrund der anhaltend hohen Energiekosten und eines sehr fragilen Konsumverhaltens unter Druck geraten. "In der zweiten Jahreshälfte könnten dann höhere Reallöhne und niedrigere Zinssätze zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen. Der weltweite Rückgang der Inflation wird es den Zentralbanken ermöglichen, die Zinssätze zu senken", erläutere der Anleihenportfoliomanager. Der Zeitpunkt dafür sei jedoch ungewiss und könnte zu Enttäuschungen auf den Kapitalmärkten führen. Die hohe Staatsverschuldung und die anhaltende Unberechenbarkeit der geopolitischen Lage würden ein Volatilitätspotenzial bergen.
Das Renditeniveau von 3,6% (vom 31.12.2023) für Investment-Grade-Credit biete dem Experten von ODDO BHF zufolge einen starken Carry, insbesondere wenn man mögliche Zinssenkungen im Laufe des Jahres berücksichtige. Der Markt habe ein Soft-Landing-Szenario mit einem disinflationären Trend eingepreist, der die Inflation in Richtung der Zentralbankziele zurückführe. "Dabei ist eine Wachstumsverlangsamung bereits eingepreist, nicht jedoch eine Rezession. Im Falle einer stärkeren Rezession dürften die zugrunde liegenden Renditeniveaus weiter sinken und könnten einen Ausgleich für potenziell höhere Kreditspreads bieten", führe Gries aus.
Die Bedingungen und die Qualität des europäischen High-Yield-Marktes würden laut Gries unterdessen gut bleiben: "Über 60% der Emissionen liegen im BB-Bereich und Ratingveränderungen fielen eher positiv aus (mehr Herauf- als Herabstufungen). Bis auf Unternehmen im Immobiliensektor, in dem wir die meisten zukünftigen Ausfälle erwarten, ist die Liquidität der Unternehmen zufriedenstellend und zukünftige Fälligkeiten können frühzeitig refinanziert werden. Wir erwarten eine gute Neuemissionsaktivität im High-Yield-Markt für das Jahr 2024."
Zu den Risikofaktoren, die vorübergehend zu einer Ausweitung der Spreads führen könnten, gehöre ein unerwartet starker Wirtschaftsabschwung. Emittenten von Euro-Investment-Grade-Anleihen hätten jedoch im Durchschnitt eine gute Kreditqualität aufgewiesen und über einen relativ geringen Verschuldungsgrad und hohe Liquiditätspuffer verfügt, die sie in den letzten Jahren aufgebaut hätten. Daher seien die meisten Unternehmen grundsätzlich gut positioniert, um eine Phase der wirtschaftlichen Schwäche zu überstehen.
Dennoch bleibe die fundamentale Kreditauswahl in einem Umfeld hoher Energiekosten und einer schwachen Verbrauchernachfrage entscheidend. Der Schwerpunkt einer Investition sollte auf Unternehmen liegen, die über ein robustes Geschäftsmodell verfügen würden und in der Lage seien, einer möglichen Konsumschwäche mit einer moderaten Verschuldung zu begegnen oder diese schnell zu reduzieren. (27.02.2024/alc/a/a)
"Unserer Ansicht nach ist die Geldpolitik der EZB mit einem Leitzins von 4,5% restriktiv, was sich auch schon in der Realwirtschaft niederschlägt", schreibe Bastian Gries, Global Head of Investment Grade & Asset Allocation bei ODDO BHF AM, in einem aktuellen Marktkommentar. Die Wirtschaftstätigkeit werde in den kommenden Quartalen schwach bleiben, dessen sei sich auch die EZB bewusst.
"Derzeit rechnen die Märkte mit mehreren Zinssenkungen noch in diesem Jahr. Dies scheint keine überzogene Prognose zu sein, vor allem wenn sich die Konjunkturabschwächung als etwas ausgeprägter erweisen sollte als bisher erwartet. Vor diesem Hintergrund bleiben die Bewertungen von Anleihen attraktiv und dürften mittelfristig ein gutes Aufwärtspotenzial bieten. Anleihen sollten daher in ausgewogenen Portfolios wieder eine wichtige Rolle spielen", so der Anleihenexperte von ODDO BHF.
Unternehmensanleihen würden Gries zufolge in diesem Jahr ein gutes Risiko-Rendite-Profil bieten - sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich. Allerdings gelte es bei der Auswahl die Kreditwürdigkeit der Unternehmen und sektorale Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Immobilienbranche beispielsweise stecke bis auf weiteres in der Krise, weshalb hier die möglichen Erträge nicht für die Risiken entschädigten. Insgesamt sei eine auf den Fundamentaldaten basierende Kreditselektion daher unerlässlich.
"Wir gehen davon aus, dass die Anleihemärkte 2024 weiter an Boden gutmachen werden. Insbesondere Erträge von Unternehmensanleihen in Höhe von 4 bis 6% erscheinen unabhängig vom makroökonomischen Szenario dank der nach wie vor vorhandenen soliden Puffer durchaus realistisch" so der Investmentexperte.
Abgesehen von leichten vorübergehenden Schwächen im Februar/März aufgrund der Turbulenzen um SVB (Silicon Valley Bank), Credit Suisse und im Oktober aufgrund der Eskalation im Nahen Osten hätten alle Monate eine positive Performance gezeigt. Insbesondere die letzten beiden Monate des Jahres hätten starke Kursgewinne gesehen, da der Markt über bevorstehende Zinssenkungen bei sinkender Inflation und einer fragilen gesamtwirtschaftlichen Situation spekuliert habe.
Das Wachstum in Europa dürfte sich Gries zufolge weiter abschwächen. Vor allem in den ersten beiden Quartalen könnte die Wirtschaft aufgrund der anhaltend hohen Energiekosten und eines sehr fragilen Konsumverhaltens unter Druck geraten. "In der zweiten Jahreshälfte könnten dann höhere Reallöhne und niedrigere Zinssätze zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen. Der weltweite Rückgang der Inflation wird es den Zentralbanken ermöglichen, die Zinssätze zu senken", erläutere der Anleihenportfoliomanager. Der Zeitpunkt dafür sei jedoch ungewiss und könnte zu Enttäuschungen auf den Kapitalmärkten führen. Die hohe Staatsverschuldung und die anhaltende Unberechenbarkeit der geopolitischen Lage würden ein Volatilitätspotenzial bergen.
Das Renditeniveau von 3,6% (vom 31.12.2023) für Investment-Grade-Credit biete dem Experten von ODDO BHF zufolge einen starken Carry, insbesondere wenn man mögliche Zinssenkungen im Laufe des Jahres berücksichtige. Der Markt habe ein Soft-Landing-Szenario mit einem disinflationären Trend eingepreist, der die Inflation in Richtung der Zentralbankziele zurückführe. "Dabei ist eine Wachstumsverlangsamung bereits eingepreist, nicht jedoch eine Rezession. Im Falle einer stärkeren Rezession dürften die zugrunde liegenden Renditeniveaus weiter sinken und könnten einen Ausgleich für potenziell höhere Kreditspreads bieten", führe Gries aus.
Die Bedingungen und die Qualität des europäischen High-Yield-Marktes würden laut Gries unterdessen gut bleiben: "Über 60% der Emissionen liegen im BB-Bereich und Ratingveränderungen fielen eher positiv aus (mehr Herauf- als Herabstufungen). Bis auf Unternehmen im Immobiliensektor, in dem wir die meisten zukünftigen Ausfälle erwarten, ist die Liquidität der Unternehmen zufriedenstellend und zukünftige Fälligkeiten können frühzeitig refinanziert werden. Wir erwarten eine gute Neuemissionsaktivität im High-Yield-Markt für das Jahr 2024."
Zu den Risikofaktoren, die vorübergehend zu einer Ausweitung der Spreads führen könnten, gehöre ein unerwartet starker Wirtschaftsabschwung. Emittenten von Euro-Investment-Grade-Anleihen hätten jedoch im Durchschnitt eine gute Kreditqualität aufgewiesen und über einen relativ geringen Verschuldungsgrad und hohe Liquiditätspuffer verfügt, die sie in den letzten Jahren aufgebaut hätten. Daher seien die meisten Unternehmen grundsätzlich gut positioniert, um eine Phase der wirtschaftlichen Schwäche zu überstehen.
Dennoch bleibe die fundamentale Kreditauswahl in einem Umfeld hoher Energiekosten und einer schwachen Verbrauchernachfrage entscheidend. Der Schwerpunkt einer Investition sollte auf Unternehmen liegen, die über ein robustes Geschäftsmodell verfügen würden und in der Lage seien, einer möglichen Konsumschwäche mit einer moderaten Verschuldung zu begegnen oder diese schnell zu reduzieren. (27.02.2024/alc/a/a)


