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Anleihen 2025 - Agieren in Ungewissheit
05.12.24 12:40
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Im laufenden Jahr gingen die Entwicklungen der USA und Europas auseinander - anhaltende wirtschaftliche Stärke trotz höherer Zinsen auf der einen, verschlechterte Aussichten auf der anderen Seite, so Sam Vereecke, CIO Fixed Income von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).
Sam Vereecke blicke in diesem Umfeld voraus auf 2025.
Die Fed habe auf die veränderten Konjunkturdaten mit einer Leitzinssenkung um 50 Basispunkte reagiert. Fed-Chef Powell habe damit die US-Geldpolitik neu ausgerichtet, da sich der Arbeitsmarkt ausreichend abgekühlt habe.
Auch wenn die europäische Wirtschaft schon seit anderthalb Jahren stagniere und sich im Vergleich zu den USA in einer viel schwächeren Position befinde, habe die EZB die Zinssätze nur in kleinen Schritten gesenkt. Anders als in den USA sei dies eine verzögerte Reaktion auf sinkende Inflationsraten und keine Neukalibrierung der Geldpolitik gewesen.
Die Fed verfolge also einen anderen Ansatz zur Lockerung der Geldpolitik als die EZB und stehe jetzt vor einer noch größeren Herausforderung: der Bewältigung einer zweiten Präsidentschaft von Donald Trump. Noch sei sehr ungewiss, ob und in welchem Umfang dessen Maßnahmen umgesetzt würden. Beispiel Einwanderung: Abgesehen von den schwerwiegenden Auswirkungen auf die Menschen würden Massendeportationen zu Störungen, höherer Inflation (durch einen negativen Angebotsschock) und geringerem Wachstum führen. Die Umsetzung könnte von der Entsendung einiger Busse an die Grenze bis hin zu millionenfacher Abschiebung reichen - mit enormen Unterschieden in der Wirkung.
Ähnliche Ungewissheit herrsche bezüglich der Zölle, Handelspolitik, Besteuerung, Deregulierung, Kostensenkungsprogramme, Sozialversicherung, des Gesundheitswesens und vielem anderen. All diese Faktoren hätten kurzfristige Auswirkungen auf die Inflation oder langfristige Auswirkungen auf das Wachstum. Selbst ein kleiner Unterschied im Policy-Mix könnte zu völlig unterschiedlichen Wachstums- und Inflationsergebnissen führen.
In der ersten Jahreshälfte 2025 dürften Trumps Maßnahmen die Wirtschaft nicht direkt, aber durch veränderte Erwartungen beeinflussen. Auch die Fed werde entscheiden müssen, ob die Maßnahmen insgesamt einen wesentlichen Einfluss auf Wachstum und Inflation haben würden. Es werde allgemein erwartet, dass die Fed eine vorsichtige Haltung einnehme und einige der für Anfang 2025 erwarteten Kürzungen verschieben werde.
Das Trump-Team dürfte vielen unorthodoxen Maßnahmen zum Trotz bei einer orthodoxen Ausrichtung bleiben, was Wachstum und Inflation angehe. Die Ernennung von Bessent zum Finanzminister sei ein Beispiel für eine marktfreundlichere Option.
Daraus ergebe sich eine moderatere Einschätzung der Inflationsrisiken. Zudem dürften mehrere Maßnahmen moderat wachstumsfördernd wirken. Die höheren US-Zinsen dürften diese Veränderungen allmählich korrekt widerspiegeln. Der Markt preise bereits ausreichend höhere Zinsen ein. Der Renditeanstieg für 10-jährige US-Staatsanleihen (von 3,85% auf 4,45%) sei für die Experten ein Signal, die Duration in den USA zu erhöhen.
In einem stark schwankenden Umfeld seien unerwünschte Kursbewegungen immer möglich. Dem begegne man mit Positionen, bei denen man sich kurzfristige Gegenbewegungen am Markt leisten könne, d.h. die Positionen
…würden so bemessen, dass man nicht gezwungen sei, sie aufgrund von Schwankungen vorzeitig aufzugeben.
…würden schrittweise eingegangen und aufgestockt, wenn der Markt bessere Einstiegspunkte schaffe. Angesichts der hohen Volatilität dürfe es dafür mehrfach Gelegenheit geben.
…würden auf weniger schwankende Alternativen entfallen (z. B. andere entwickelte Märkte anstelle von US-Staatsanleihen).
Da die gestiegenen US-Zinsen ihre mittelfristige Sichtweise inzwischen besser widerspiegelten, würden die Experten die Duration ihres globalen Portfolios nach zwischenzeitlicher Kürzung wieder erhöhen, zunächst in Großbritannien und Neuseeland, die eine höhere Allokation verdienten und mit US-Staatsanleihen korrelierten. Sie eigneten sich als Stellvertreter für die USA, seien jedoch ohne die gleiche politische Unsicherheit.
US-Staatsanleihen würden die Experten wegen der attraktiven Renditen schrittweise wieder aufstocken und dabei genügend Spielraum im Portfolio lassen, um bei einem Anstieg der Renditen und der erwarteten Volatilität weitere hinzuzufügen. (05.12.2024/alc/a/a)
Sam Vereecke blicke in diesem Umfeld voraus auf 2025.
Die Fed habe auf die veränderten Konjunkturdaten mit einer Leitzinssenkung um 50 Basispunkte reagiert. Fed-Chef Powell habe damit die US-Geldpolitik neu ausgerichtet, da sich der Arbeitsmarkt ausreichend abgekühlt habe.
Auch wenn die europäische Wirtschaft schon seit anderthalb Jahren stagniere und sich im Vergleich zu den USA in einer viel schwächeren Position befinde, habe die EZB die Zinssätze nur in kleinen Schritten gesenkt. Anders als in den USA sei dies eine verzögerte Reaktion auf sinkende Inflationsraten und keine Neukalibrierung der Geldpolitik gewesen.
Die Fed verfolge also einen anderen Ansatz zur Lockerung der Geldpolitik als die EZB und stehe jetzt vor einer noch größeren Herausforderung: der Bewältigung einer zweiten Präsidentschaft von Donald Trump. Noch sei sehr ungewiss, ob und in welchem Umfang dessen Maßnahmen umgesetzt würden. Beispiel Einwanderung: Abgesehen von den schwerwiegenden Auswirkungen auf die Menschen würden Massendeportationen zu Störungen, höherer Inflation (durch einen negativen Angebotsschock) und geringerem Wachstum führen. Die Umsetzung könnte von der Entsendung einiger Busse an die Grenze bis hin zu millionenfacher Abschiebung reichen - mit enormen Unterschieden in der Wirkung.
Ähnliche Ungewissheit herrsche bezüglich der Zölle, Handelspolitik, Besteuerung, Deregulierung, Kostensenkungsprogramme, Sozialversicherung, des Gesundheitswesens und vielem anderen. All diese Faktoren hätten kurzfristige Auswirkungen auf die Inflation oder langfristige Auswirkungen auf das Wachstum. Selbst ein kleiner Unterschied im Policy-Mix könnte zu völlig unterschiedlichen Wachstums- und Inflationsergebnissen führen.
In der ersten Jahreshälfte 2025 dürften Trumps Maßnahmen die Wirtschaft nicht direkt, aber durch veränderte Erwartungen beeinflussen. Auch die Fed werde entscheiden müssen, ob die Maßnahmen insgesamt einen wesentlichen Einfluss auf Wachstum und Inflation haben würden. Es werde allgemein erwartet, dass die Fed eine vorsichtige Haltung einnehme und einige der für Anfang 2025 erwarteten Kürzungen verschieben werde.
Daraus ergebe sich eine moderatere Einschätzung der Inflationsrisiken. Zudem dürften mehrere Maßnahmen moderat wachstumsfördernd wirken. Die höheren US-Zinsen dürften diese Veränderungen allmählich korrekt widerspiegeln. Der Markt preise bereits ausreichend höhere Zinsen ein. Der Renditeanstieg für 10-jährige US-Staatsanleihen (von 3,85% auf 4,45%) sei für die Experten ein Signal, die Duration in den USA zu erhöhen.
In einem stark schwankenden Umfeld seien unerwünschte Kursbewegungen immer möglich. Dem begegne man mit Positionen, bei denen man sich kurzfristige Gegenbewegungen am Markt leisten könne, d.h. die Positionen
…würden so bemessen, dass man nicht gezwungen sei, sie aufgrund von Schwankungen vorzeitig aufzugeben.
…würden schrittweise eingegangen und aufgestockt, wenn der Markt bessere Einstiegspunkte schaffe. Angesichts der hohen Volatilität dürfe es dafür mehrfach Gelegenheit geben.
…würden auf weniger schwankende Alternativen entfallen (z. B. andere entwickelte Märkte anstelle von US-Staatsanleihen).
Da die gestiegenen US-Zinsen ihre mittelfristige Sichtweise inzwischen besser widerspiegelten, würden die Experten die Duration ihres globalen Portfolios nach zwischenzeitlicher Kürzung wieder erhöhen, zunächst in Großbritannien und Neuseeland, die eine höhere Allokation verdienten und mit US-Staatsanleihen korrelierten. Sie eigneten sich als Stellvertreter für die USA, seien jedoch ohne die gleiche politische Unsicherheit.
US-Staatsanleihen würden die Experten wegen der attraktiven Renditen schrittweise wieder aufstocken und dabei genügend Spielraum im Portfolio lassen, um bei einem Anstieg der Renditen und der erwarteten Volatilität weitere hinzuzufügen. (05.12.2024/alc/a/a)


