Anleihemarkt: Notenbanken füllen Sommerloch


22.08.16 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wieder einmal geben die Währungshüter an den Finanzmärkten den Ton an, so die Deutsche Börse AG.

"In den USA zerredet die Notenbank weitere Zinserhöhungen mit viel Verbalerotik und in Europa scheint die EZB bereits über den nächsten geldpolitischen Tabubruch nachzudenken", fasse Robert Halver die Ereignisse dieser Woche zusammen. Das viel beachtete Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung offenbare dem Analysten der Baader Bank zufolge eine gespaltene Meinung über den weiteren zinspolitischen Pfad. Mit dem Zweifel an der Robustheit des US-Arbeitsmarktes werde ausgerechnet das für die Zinspolitik maßgebliche Element in Frage gestellt. Dem mit 1,5 Millionen massiven Abbau hochwertiger Industriearbeitsplätze stünde seit 2007 ein ebenso hoher Jobaufbau im Niedriglohnsegment gegenüber. "Ein vollmundiger Job-Aufschwung sieht anders aus", urteile Halver.

Für Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank scheine ein weiterer Zinsschritt in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr dennoch realistisch. "Immer mehr Notenbankvertreter weisen auf die Risiken einer ultralangen Niedrigzinsphase hin." Auch die Helaba erwarte, dass die Federal Reserve noch 2016 agieren werde. Sicher sei dies aber keineswegs. Zuweilen erwecke die US-Notenbank den Eindruck, von Schwankungen an den Devisen-, Renten- und Aktienmärkten abhängig zu sein, unabhängig davon ob diese aus den USA, China oder Großbritannien kommen würden.

Das anstehende jährliche Treffen von Notenbankern aus aller Welt im kleinen nordamerikanischen Ort Jackson Hole könnte mehr Klarheit bringen. "Sollte Janet Yellen etwas konkreter werden, dürften die Zinsfantasien wieder zunehmen", würden die Strategen der hessischen Landesbank meinen. Denn im Markt würde eine Zinserhöhung bis Jahresende derzeit lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent gespielt.

Was der Bank of Japan und der Schweizer Notenbank recht sei, könnte der Europäischen Zentralbank nur billig sein. Nach dem Erwerb von Staatsanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen liebäugele Mario Draghi Medienberichten zufolge nun mit dem Kauf von Aktien, um die Investitionstätigkeit in den Eurostaaten anzukurbeln. "Kursgewinne über aktienbegünstigende Liquiditätsausweitungen wie in Japan sollen die Unternehmen animieren, über Kapitalerhöhungen mehr zu investieren", schätze Halver. Zudem hätten höhere Aktienkurse in der Regel den Konsum gefördert.

Halver sehe den möglichen Vorstoß in Verbindung mit einem austrocknenden Markt für Bonds, die den EZB-Ankaufkriterien entsprechen würden, und prognostiziere bei einem "Weiter-so" einen Ausverkauf für deutsche Staatsanleihen bis spätestens im Frühjahr 2017. Eine Lockerung der Bedingungen für kaufbare Wertpapiere könne die Angebotsverknappung zwar zeitlich hinauszögern. Allerdings seien die europäischen Zentralbanker dann Gefahr gelaufen, zum Endlager bonitätsschwacher Anleihen mit Ausfallpotenzial zu werden.

Der Handel mit Unternehmensanleihen plätschere laut Arthur Brunner von der ICF Bank urlaubsbedingt so dahin. Einzelne Werte wie eine US-Dollar-Anleihe (ISIN US06051GEU94 / WKN BAOADG) der Bank of America mit einem Kupon von 3,3 Prozent und einer Laufzeit bis Januar 2023 würden weiterhin rege gehandelt. "Hier hatten wir recht viel Umsatz auf der Kaufseite."

Auch bei einer im August 2018 zur Rückzahlung anstehenden US-Dollar-Anleihe (ISIN US345370BX76 / WKN 289720) von Ford mit einem jährlichen Zins von 6,5 Prozent und einer Stückelung von 5.000 US-Dollar hätten Anleger verstärkt zugegriffen. Zu den meist gehandelten Produkten bei der ICF habe zudem ein Bond (ISIN XS1433512891 / WKN A2AAWQ) der Otto GmbH & Co KG mit Fälligkeit im Jahr 2023 und einem jährlichen Zins von 2,5 Prozent gehört. "Auch hier überwiegen die Käufe." (Ausgabe vom 19.08.2016) (22.08.2016/alc/a/a)