Anleihemarkt: Deutschland beliebt wie nie


04.05.12 10:10
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Sorgen um Spanien dominieren weiter die Anleihemärkte, so die Deutsche Börse AG.

"Abgesehen von der Herabstufung durch Standard & Poor's befindet sich das Königreich erneut in einer Rezession", erkläre die HSH Nordbank. Doch auch in anderen Eurostaaten mache sich die Finanzkrise zunehmend wieder in der Realwirtschaft bemerkbar, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler berichte. "Die Arbeitslosigkeit in den Euroländern ist mit 10,9 Prozent auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen." Zudem sei der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone den neunten Monat in Folge unter der Marke von 50 geblieben.

Da habe auch die gut gelaufene Auktion spanischer Staatsanleihen die Märkte nicht beruhigen können. In dieser Woche habe das krisengeschüttelte Land 2,5 Milliarden an langfristigen Anleihen platziert, wie Brunner melde. "Das entsprach dem maximal geplanten Volumen." Die Zinssätze hätten zwar höher als bei den letzten Auktionen gelegen, im Vergleich zu den am Sekundärmarkt gehandelten Renditen allerdings niedriger.

Im Moment würden Marktteilnehmer aber auch gebannt gen Frankreich und Griechenland blicken, wo am Wochenende entscheidende Wahlen stattfinden würden. Brunner zufolge würden Anleger erst einmal eine abwartende Haltung einnehmen. "Hier ist vieles schon eingepreist", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Sollte allerdings Griechenland aus der Eurozone ausscheiden, was der Ratingagentur Fitch zufolge wahrscheinlicher geworden sei, sähe es düster aus: "Dann müsste der Ausblick für alle Euroländer auf negativ gestellt werden."

Eine Auktion französischer Staatsanleihen in dieser Woche sei laut Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank aber durchaus positiv verlaufen. "Sie bescherte dem französischen Staat zu gesunkenen Renditen etwa 7,5 Milliarden Euro. Das zeigt, dass Frankreich in der Wahrnehmung der Investoren weiterhin zu den sicheren Schuldnern in der Eurozone gehört."

Favorit der Anleger bleibe aber ganz klar Deutschland. Der Euro-Bund-Future erreiche immer neue Höhen, aktuell notiere er bei 141,63 Prozent und damit nur ganz knapp unter dem am Mittwoch erreichten Rekord von 141,83 Punkten. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen würden im Gegenzug auf immer neue Tiefststände fallen. "Damit nähern wir uns hinsichtlich des Zinsniveaus mit großen Schritten japanischen Verhältnissen", kommentiere Blum. Im Gegensatz zu Japan floriere die deutsche Wirtschaft aber seit Jahren mit sinkender Arbeitslosigkeit und hoher relativer Stärke gegenüber anderen Volkswirtschaften.

Wer am gestrigen Donnerstag auf eine Lockerung der Geldpolitik seitens der EZB gehofft habe, sei enttäuscht worden. Eine Zinsänderung sei offenbar kein Thema gewesen, EZB-Chef Draghi habe aber betont, dass die konjunkturelle Verunsicherung infolge schwächerer Datenveröffentlichungen zuletzt zugenommen habe. "Letztlich hält sich die EZB damit alle Optionen offen, wenngleich kurzfristig der Handlungsbedarf vor allem bei den Regierungen der Eurozone gesehen wird", meine die Helaba.

Still und leise wandle sich im Übrigen Portugal zum Musterknaben. Im April hätten Anleihen des Landes zum dritten Mal in Folge die mit Abstand beste Performance innerhalb Europas geschafft, wie HSBC Trinkaus & Burkhardt registriert habe. "Fünf- bis siebenjährige Laufzeiten legten um 8,47 Prozent zu, auch auf Jahressicht hat sich Portugal - trotz des sehr schwachen Januars - mittlerweile deutlich an die Spitze gesetzt."

Dass es für stark gebeutelte Staatsanleihen auch wieder nach oben gehen könne, zeige ebenso das Beispiel einer bis 2015 laufenden Venezuela-Anleihe (ISIN XS0214851874 / WKN A0DZ45). Das Papier sei im Februar 2009 auf 46 Prozent gefallen, derzeit werde es zu 99 Prozent gehandelt. "Jetzt gab es einige Gewinnmitnahmen", melde Daniel.

Unspektakulär präsentiere sich währenddessen der Handel mit Corporate Bonds. Unter Druck sei eine Europcar-Anleihe nach der Ankündigung des Autoverleihers geraten, einen High Yielder, also eine Hochzinsanleihe, emittieren zu wollen. Das bis 2018 laufende "alte" Papier werde aktuell zu 73,5 Prozent gehandelt, vor einer Woche sei es noch fast 85 Prozent gewesen.

Nicht viel los sei am Markt für Neuemissionen. "Auch wegen der unterschiedlichen konjunkturellen Erwartungen, des Tarifstreiks in der Metallindustrie und der politischen Unsicherheiten herrscht gespenstische Ruhe", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Dabei habe man in den vergangenen Wochen und Monaten den Eindruck gehabt, dass Unternehmen noch möglichst schnell ihre Refinanzierung für die nächsten Jahre unter Dach und Fach hätten bringen wollen. Nun heiße es: Eile ist nicht mehr geboten! "Somit bleibt den Investoren nichts anderes übrig, als nach dem alten Motto der Börsianer "Abwarten und Tee trinken" zu leben oder aber nach alten Anleihen mit entsprechender Rendite Ausschau zu halten." (04.05.2012/alc/a/a)






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