Erweiterte Funktionen
Anleihemärkte stabil - trotz politischer Risiken
14.11.25 12:38
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen von Anleihen aus den USA und der Eurozone bewegten sich in der vergangenen Woche kaum, da entscheidende Auslöser fehlten, die die Kurse hätten beeinflussen können, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Immerhin habe Washington nun den Shutdown beendet. Trotzdem könnte es sein, dass wir noch länger auf die Wirtschaftsdaten für den Oktober warten müssen, die normalerweise im laufenden Monat veröffentlicht worden wären, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.
Donald Trump sehe sich unterdessen in die Defensive gedrängt, denn seine Zustimmungsraten in der zweiten Amtszeit seien auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Durchgesickerte Informationen zu den Epstein-Akten hätten für neuen Aufruhr gesorgt, sodass der Druck steige, alle Unterlagen offenzulegen. Der Verdacht, dass die Regierung hier etwas zu verbergen habe, halte sich hartnäckig.
Trumps Versuche, einen Plan für 50-jährige Hypotheken zu unterstützen, um die Kosten für Immobilienkredite durch eine länger laufende Tilgungszeit zu senken, seien vom Markt ziemlich gemischt aufgenommen worden. Tatsächlich seien offenbar zu viele Menschen nicht in der Lage, trotz steigender Einkommen in größere Wohnungen oder Häuser umzuziehen, da sie dafür ihre bestehenden Kredite aufgeben müssten - und diese seien häufig in einer Zeit aufgenommen worden (oder refinanziert), als die langfristigen Kreditzinsen bei nur 2% gelegen hätten.
Für dieses Problem dürfte es jedoch keine schnelle Lösung geben. Es fehle ein Plan, wie Hypotheken übertragen werden könnten, ohne dass die Zinsen noch deutlich weiter sinken würden. Unterdessen würden die höheren Warenpreise zunehmend den Zöllen angelastet. Da die meisten Ökonomen davon ausgehen würden, dass die Inflation in den kommenden sechs Monaten weiter steigen werde, dürfte die Kritik an Trump weiter zunehmen, der versprochen habe, dass der Alltag für Menschen erschwinglich werden würde.
Offen bleibe, ob der US-Präsident akzeptiere, dass die Inflation ein Problem darstelle und er daher seinen Zinssenkungsdruck auf die Notenbank reduziere. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik würde in einer Volkswirtschaft, die sich relativ gut entwickele, nämlich nur zu einem weiteren Anstieg der Preise führen.
Ein stärkerer Abschwung auf dem US-Arbeitsmarkt mit steigender Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten könnte die Fed natürlich zum Handeln zwingen. Aus Sicht der Experten von RBC BlueBay Asset Management müssten schwächere monatliche Beschäftigungszahlen jedoch nicht unbedingt zu einem deutlich höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, wenn die Daten zum Bevölkerungswachstum aufgrund der Umkehrung der Migrationsströme bereinigt würden.
Nach Ansicht der Experten von RBC BlueBay Asset Management bestehe eine 50:50-Chance für eine weitere Zinssenkung bei der Fed-Sitzung im Dezember, da aufgrund des Shutdowns kurzfristig mit einigen schwachen Daten zu rechnen sei. Die Experten von RBC BlueBay Asset Management würden jedoch bezweifeln, dass die US-Notenbank in der Lage sein werde, die Zinsen 2026 weiter zu senken.
Wenn das reale BIP-Wachstum in den USA nächstes Jahr bis auf 3,5% steigen würde - angetrieben durch hohe KI-Investitionen und eine Inflationsrate von 3,5% - dann würde das nominale BIP 2026 um bis zu 7% wachsen. Dies dürfte sich insgesamt positiv auf die Unternehmensgewinne und risikoreiche Anlagen auswirken - aber niedrigere Leitzinsen wären in einem solchen Fall weder notwendig noch wünschenswert.
Vor diesem Hintergrund könnten die Renditen von Staatsanleihen weiterhin in einer engen Bandbreite schwanken. Die derzeitigen Zins- und Renditeniveaus würden daher sehr "normal" wirken.
Damit Investments in Private Markets nach Abzug der Gebühren attraktive Renditen erzielen könnten, seien Werttreiber wie die Bewertungsausweitung (Multiple Expansion) oder ein Zugang zu günstiger Finanzierung wichtig. Ohne diese Voraussetzungen erscheine es eher als Alchemie, die diese Manager vorgeben würden zu beherrschen.
Dies könne jedoch niemanden wirklich überraschen. Denn bei hoch verschuldeten Unternehmen mit anhaltend hohen Kreditkosten sei schnell der gesamte freie Cashflow für den Schuldendienst aufgezehrt. Gleichzeitig müsse nicht viel passieren, damit diese Kredite in Schieflage geraten würden.
Infolgedessen könnte es im kommenden Jahr zu einem Auseinandertriften der Wertentwicklung an den Public und den Private Markets kommen, was den jüngsten "Hype" rund um Private Markets in Frage stellen könnte.
Die europäischen Börsen würden wieder auf eine ruhige Woche zurückblicken. In Großbritannien hätten jedoch schwächere Beschäftigungs- und Wachstumsdaten zu wachsenden Konjunkturängsten beigetragen, die das Pfund belastet hätten. Die britische Finanzministerin Rachel Reeves werde den Haushaltsplan in weniger als zwei Wochen präsentieren. Dabei stelle sich die Frage, ob diese Regierung die britische Wirtschaft im nächsten Jahr bewusst in eine Rezession treiben wolle - nur um die Statistiker des Office of Health and Social Care zufrieden zu stellen und weil die Labour-Partei ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen würde, wenn sie künftige Erhöhungen der Sozialausgaben begrenzen würde.
Ausblick
In vielerlei Hinsicht würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management denken, dass das makroökonomische Umfeld vorerst relativ stabil bleiben und risikoreiche Anlagen unterstützen könne. Es sei aber schwer zu sagen, wie lange diese Ruhe noch anhalten werde. Denn unvorhergesehene Schocks würden immer um die nächste Ecke lauern.
Wer wisse, ob die Epstein-Akten ein weiteres prominentes Opfer fordern würden (oder ob der ehemalige Prinz Andrew in Versuchung geraten werde, sich mit einem Buch etwas Geld zu verdienen, um seine Version der Wahrheit zu veröffentlichen). Es könnte also sein, dass wir den Höhepunkt in Donald Trumps politischer Karriere bereits überschritten haben, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management. Was den britischen Premier Starmer anbelange: Er sei sicherlich in der Wahlnacht letztes Jahr auf seinem politischen Zenit gewesen. Seitdem befinde er sich im unaufhaltsamen Fall. (14.11.2025/alc/a/a)
Immerhin habe Washington nun den Shutdown beendet. Trotzdem könnte es sein, dass wir noch länger auf die Wirtschaftsdaten für den Oktober warten müssen, die normalerweise im laufenden Monat veröffentlicht worden wären, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.
Donald Trump sehe sich unterdessen in die Defensive gedrängt, denn seine Zustimmungsraten in der zweiten Amtszeit seien auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Durchgesickerte Informationen zu den Epstein-Akten hätten für neuen Aufruhr gesorgt, sodass der Druck steige, alle Unterlagen offenzulegen. Der Verdacht, dass die Regierung hier etwas zu verbergen habe, halte sich hartnäckig.
Trumps Versuche, einen Plan für 50-jährige Hypotheken zu unterstützen, um die Kosten für Immobilienkredite durch eine länger laufende Tilgungszeit zu senken, seien vom Markt ziemlich gemischt aufgenommen worden. Tatsächlich seien offenbar zu viele Menschen nicht in der Lage, trotz steigender Einkommen in größere Wohnungen oder Häuser umzuziehen, da sie dafür ihre bestehenden Kredite aufgeben müssten - und diese seien häufig in einer Zeit aufgenommen worden (oder refinanziert), als die langfristigen Kreditzinsen bei nur 2% gelegen hätten.
Für dieses Problem dürfte es jedoch keine schnelle Lösung geben. Es fehle ein Plan, wie Hypotheken übertragen werden könnten, ohne dass die Zinsen noch deutlich weiter sinken würden. Unterdessen würden die höheren Warenpreise zunehmend den Zöllen angelastet. Da die meisten Ökonomen davon ausgehen würden, dass die Inflation in den kommenden sechs Monaten weiter steigen werde, dürfte die Kritik an Trump weiter zunehmen, der versprochen habe, dass der Alltag für Menschen erschwinglich werden würde.
Offen bleibe, ob der US-Präsident akzeptiere, dass die Inflation ein Problem darstelle und er daher seinen Zinssenkungsdruck auf die Notenbank reduziere. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik würde in einer Volkswirtschaft, die sich relativ gut entwickele, nämlich nur zu einem weiteren Anstieg der Preise führen.
Ein stärkerer Abschwung auf dem US-Arbeitsmarkt mit steigender Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten könnte die Fed natürlich zum Handeln zwingen. Aus Sicht der Experten von RBC BlueBay Asset Management müssten schwächere monatliche Beschäftigungszahlen jedoch nicht unbedingt zu einem deutlich höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, wenn die Daten zum Bevölkerungswachstum aufgrund der Umkehrung der Migrationsströme bereinigt würden.
Nach Ansicht der Experten von RBC BlueBay Asset Management bestehe eine 50:50-Chance für eine weitere Zinssenkung bei der Fed-Sitzung im Dezember, da aufgrund des Shutdowns kurzfristig mit einigen schwachen Daten zu rechnen sei. Die Experten von RBC BlueBay Asset Management würden jedoch bezweifeln, dass die US-Notenbank in der Lage sein werde, die Zinsen 2026 weiter zu senken.
Vor diesem Hintergrund könnten die Renditen von Staatsanleihen weiterhin in einer engen Bandbreite schwanken. Die derzeitigen Zins- und Renditeniveaus würden daher sehr "normal" wirken.
Damit Investments in Private Markets nach Abzug der Gebühren attraktive Renditen erzielen könnten, seien Werttreiber wie die Bewertungsausweitung (Multiple Expansion) oder ein Zugang zu günstiger Finanzierung wichtig. Ohne diese Voraussetzungen erscheine es eher als Alchemie, die diese Manager vorgeben würden zu beherrschen.
Dies könne jedoch niemanden wirklich überraschen. Denn bei hoch verschuldeten Unternehmen mit anhaltend hohen Kreditkosten sei schnell der gesamte freie Cashflow für den Schuldendienst aufgezehrt. Gleichzeitig müsse nicht viel passieren, damit diese Kredite in Schieflage geraten würden.
Infolgedessen könnte es im kommenden Jahr zu einem Auseinandertriften der Wertentwicklung an den Public und den Private Markets kommen, was den jüngsten "Hype" rund um Private Markets in Frage stellen könnte.
Die europäischen Börsen würden wieder auf eine ruhige Woche zurückblicken. In Großbritannien hätten jedoch schwächere Beschäftigungs- und Wachstumsdaten zu wachsenden Konjunkturängsten beigetragen, die das Pfund belastet hätten. Die britische Finanzministerin Rachel Reeves werde den Haushaltsplan in weniger als zwei Wochen präsentieren. Dabei stelle sich die Frage, ob diese Regierung die britische Wirtschaft im nächsten Jahr bewusst in eine Rezession treiben wolle - nur um die Statistiker des Office of Health and Social Care zufrieden zu stellen und weil die Labour-Partei ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen würde, wenn sie künftige Erhöhungen der Sozialausgaben begrenzen würde.
Ausblick
In vielerlei Hinsicht würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management denken, dass das makroökonomische Umfeld vorerst relativ stabil bleiben und risikoreiche Anlagen unterstützen könne. Es sei aber schwer zu sagen, wie lange diese Ruhe noch anhalten werde. Denn unvorhergesehene Schocks würden immer um die nächste Ecke lauern.
Wer wisse, ob die Epstein-Akten ein weiteres prominentes Opfer fordern würden (oder ob der ehemalige Prinz Andrew in Versuchung geraten werde, sich mit einem Buch etwas Geld zu verdienen, um seine Version der Wahrheit zu veröffentlichen). Es könnte also sein, dass wir den Höhepunkt in Donald Trumps politischer Karriere bereits überschritten haben, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management. Was den britischen Premier Starmer anbelange: Er sei sicherlich in der Wahlnacht letztes Jahr auf seinem politischen Zenit gewesen. Seitdem befinde er sich im unaufhaltsamen Fall. (14.11.2025/alc/a/a)


