Anleihemärkte gingen nach Absichtserklärung der US-Notenbank kräftig in die Knie


21.06.13 09:16
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Absichtserklärung der US-Notenbank, die Anleihekäufe herunterfahren zu wollen, hinterließ an den internationalen Finanzmärkten tiefe Spuren, so die Analysten der Helaba.

Aus Furcht vor einem Ende der ultralockeren Geldpolitik hätten Anleger unabhängig von Anlageklassen fast schon panikartig Kasse gemacht. Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Währungen seien kräftig in die Knie gegangen, einziger Gewinner sei der US-Dollar gewesen. Konjunktur- bzw. Stimmungsindikatoren hätten bei den Anlageentscheidungen keine Rolle gespielt.

Die mehrheitlich bessere Stimmung bei den Einkaufsmanagern der Eurozone (48,9 nach 47,7) habe angesichts der extremen Kursbewegungen keine Auswirkungen auf den Handel gehabt. Mit Ausnahme Umfragen bei deutschen Dienstleister (51,3 nach 49,7) lägen alle Indices noch unterhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten und würden bestenfalls eine konjunkturelle Bodenbildung erwarten.

Bundesanleihen hätten ihre am Vorabend begonnene Abwärtsbewegung nach einem halbherzigen Erholungsversuch zu Handelsbeginn fortgesetzt, hätten sich aber im späten Geschäft stabilisieren können. Am härtesten habe es mittlere Fälligkeiten getroffen, die zudem von einem hohen Angebot neuer Emissionen belastet worden seien.

Anleihen aus der EU-Peripherie hätten zunehmend unter Abgabedruck gestanden. Die Auktion fünf-, acht- und zehnjähriger Bonos sei trotz der deutlich attraktiveren Renditeniveaus eher schleppend verlaufen und habe den Zinsanstieg verschärft. Der Renditeabstand zehnjähriger italienischer (4,54%), spanischer (4,83%) und portugiesischer Bonds (6,30%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 18, 20 bzw. 24 BP ausgeweitet. Anleihen aus Frankreich (2,26%) und Belgien (2,54%) würden ihren Zinsvorsprung gegen Bunds um 4 bzw. 8 BP ausbauen. Die Versteigerung zwei- und fünfjähriger BTANs sei in diesem Umfeld auf nur geringes Interesse getroffen. Angesichts des starken Renditeanstiegs infolge des Ausstiegsszenarios der US-Notenbank seien viele Investoren auch der Auktion fünfjähriger Gilts in Großbritannien fern geblieben.

Der US-Bondmarkt habe ebenfalls noch unter dem Eindruck Notenbanksitzung vom Vortag gestanden und alle Konjunkturdaten ignoriert. Anders als beim Empire-State-Index verbessere sich der Industrieindex der FED in Philadelphia (12,5 nach -2) nicht nur oberflächlich, auch die Subkomponenten für Aufträge und Beschäftigung würden zulegen. Positiv zu Buche hätten zudem die Eigenheimverkäufe im Mai (5,18 Mio./+4,2%) gelegen, wohingegen Frühindikatoren (+0,1%) und Erstanträge (354K) leicht enttäuscht hätten. Im fernöstlichen Handel stünden US-Papiere mit mittleren und langen Laufzeiten weiter unter Druck.

Bund- (142,17) (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) und Bobl-Kontrakt (ISIN DE0009652651 / WKN 965265) (125,07) hätten 23 bzw. 36 Stellen verloren, der Schatz (110,245) sei 5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe habe bei 1,67% verharrt, der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen habe sich auf 142 BP ausgeweitet. Zehnjährige US-Treasuries würden 5 BP höher bei 2,42% rentieren. Der JGB-Future(142,41) verliere trotz des schwachen Aktienmarktes 45 Ticks. Der Euro verbillige sich auf 1,3230 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 95,30 US-Dollar.

Nach dieser doch sehr ereignisreichen und interessanten Börsenwoche könnten Anleger angesichts der Leere im Datenkalender erst einmal durchatmen. Einzig die Leistungsbilanzzahlen der Eurozone im April würden über die Ticker laufen.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Am Montag stocke Belgien OLOs mit Fälligkeiten Juni 2018, September 2019, Juni 2023 und März 2026 auf. Die Niederlande und Italien würden ebenfalls palnen, den Markt in Anspruch zu nehmen. (21.06.2013/alc/a/a)





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