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Anleihemärkte bieten weiterhin Etragschancen
20.06.23 09:30
Berenberg
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nach den Verwerfungen um die Silicon Valley Bank und die Credit Suisse im März gab es in den vergangenen Wochen mit dem Streit um die US-Schuldengrenze erneut ein zentrales Thema, das alle Segmente des Anleihemarktes bewegte, so Prof. Dr. Bernd Meyer und Team von der Privatbank Berenberg in der aktuellen Ausgabe von "Horizonte".
Anhaltende Rezessionssorgen und Inflationsraten, die sich noch immer deutlich über den von den Notenbanken angestrebten Niveaus befänden, würden darüber hinaus für teils widersprüchliche Signale sorgen. Wo die Analysten der Privatbank Berenberg in dieser Situation Ertragschancen erkennen würden, würden sie im Folgenden aufzeigen.
Die Renditen bonitätsstarker Staaten hätten sich im zweiten Quartal überwiegend aufwärts bewegt, relevante Kursgewinne habe es nicht zu erzielen gegeben. Britische Gilts würden seit Jahresbeginn sogar eine negative Entwicklung verzeichnen. Die großen Notenbanken hätten zuletzt keine Überraschungen geliefert - die Europäische Zentralbank habe ihre Leitzinsen angehoben, die US-FED habe pausiert. Im Euroraum würden weiter steigende Leitzinsen einerseits und Rezessionssorgen andererseits in gegensätzlicher Richtung wirken, während in den USA zunächst ebenfalls eine Zinserhöhung zu erwarten sei, der aber bereits im Dezember eine erste Senkung folgen könnte.
Die Analysten der Privatbank Berenberg würden damit rechnen, dass sich in jeweiliger Lokalwährung sowohl britische als auch US-Staatsanleihen besser als deutsche Bundespapiere entwickeln würden. Vor dem Hintergrund von Konjunkturrisiken seien Emittenten hoher Bonität auch mit längerer Laufzeit zur Absicherung im Gesamtportfoliokontext interessant. Ihre Zinsduration hätten die Analysten der Privatbank Berenberg daher auf eine nahezu neutrale Gewichtung angehoben, während sie bezüglich Risikoprämien ("Spread Duration") angesichts möglicher Ausweitungen zurückhaltend bleiben würden.
Manchmal könne Langeweile auch gut sein: Europäische Unternehmensanleihen hätten im zweiten Quartal in den Segmenten Investmentgrade mit +0,9% und High Yield (Hochzinspapiere) mit +1,1% bei nahezu unveränderten und damit weiterhin sehr attraktiven Risikoaufschlägen zugelegt. Anders das Bild im Finanzsektor: Obwohl europäische Banken trotz Rezessionssorgen und Immobilienmarkt-Stress mit soliden Quartalsergebnissen aufgewartet hätten, habe die aus dem US-Bankensektor rührende Angst nicht abgeschüttelt werden können. In Sippenhaft genommen hätten sich auch im Euro-Raum die Risikoaufschläge gegenüber Nicht-Finanzanleihen merklich ausgeweitet. Vorausblickend sollten weiterhin solide Kreditkennzahlen, eine bei reger Nachfrage sehr aktive Neuemissionstätigkeit und moderate Zuflüsse in europäische Unternehmensanleihefonds unterstützend wirken. Ein überraschend positiver Ratingtrend im Investmentgrade-Segment und bisher nur geringe Ausfälle bei Hochzinspapieren kämen hinzu.
In Anbetracht eines möglichen wirtschaftlichen Abschwungs, des Aufwärtsdrucks auf die Zinskosten der Unternehmen und bereits auskömmlicher Renditen im Investmentgrade-Bereich würden die Analysten der Privatbank Berenberg diesen Sektor Investitionen in Hochzinspapieren vorziehen. Wenngleich Finanzanleihen und speziell Banken zudem mit ungewöhnlich hohen Risikoaufschlägen locken würden, würden die Analysten der Privatbank Berenberg auch hier angesichts der Probleme im US-Bankensektor vorsichtig bleiben und sich auf die systemrelevanten europäischen Großbanken konzentrieren. Bei anhaltend inversen Zinskurven würden sich die Analysten unverändert kurz positionieren, um die höheren Renditen zu vereinnahmen und zu hohe Kreditrisiken bei Konjunkturschwäche zu meiden. Sobald sich jedoch in der Zinspolitik der Notenbanken eine Kehrtwende abzeichnen sollte, würden sie mittlere bis längere Laufzeiten bevorzugen.
Die homogene Entwicklung von Schwellenländeranleihen vom Jahresanfang habe im zweiten Quartal ihr Ende gefunden. Während sich das Lokalwährungssegment besonders seit Mai positiv entwickelt habe, seien Staats- und Unternehmenspapiere in Hartwährung im Zeitverlauf unter Druck geraten. Grund dafür seien wieder steigende US-Renditen und ein wiederbelebter US-Dollar gewesen. Sinkende Inflationszahlen, gepaart mit positiven Realzinsen, insbesondere in Lateinamerika, waren und sind die fundamentalen Treiber für die Outperformance des Lokalwährungssegments, so die Analysten der Privatbank Berenberg. Technische Faktoren wie beispielsweise eine immer noch überschaubare Investorenpositionierung würden diese Entwicklung unterstützen und die Analysten der Privatbank Berenberg würden erwarten, dass die Divergenz zugunsten des Lokalwährungssegments auch im zweiten Halbjahr anhalte. Die bereits stark gestiegenen lokalen Renditen würden im Vergleich zu Hartwährungsanleihen bei geringerer Duration eine attraktive laufende Verzinsung bieten.
Die von den Analysten der Privatbank Berenberg auch für das dritte Quartal erwartete hohe Volatilität am Markt für US-Staatsanleihen mache ein Investment in Lokalwährungspapieren aus Risikogesichtspunkten ebenso attraktiver. Hinzu komme: Die Kerninflationsraten in Europa und den USA würden auf hohem Niveau verharren - würden die Zinserhöhungszyklen in den Schwellenländern schneller als in den USA und Europa auslaufen, werde neben laufender Verzinsung auch Preisperformance wieder an Bedeutung gewinnen. Somit erscheine den Analysten im Laufe des zweiten Halbjahrs eine sukzessive Erhöhung der Duration im Markt für Lokalwährungsanleihen als opportun, um auch an dieser Entwicklung zu partizipieren.
Zinspolitik, Abschwungsängste, zwar sinkende, aber noch zu hohe Inflation - diese und andere Risiken würden existieren, aber ebenso würden und die Analysten der Privatbank Berenberg Möglichkeiten erkennen, auch mit Anleihen weiterhin Geld zu verdienen. Sichere Staatsanleihen seien dabei jenseits des Euroraums interessanter, allerdings nur in Lokalwährung, da speziell bei US-Papieren die Währungsunsicherheit zu beachten sei. Das Segment der Unternehmensanleihen ist unser favorisiertes, so die Analysten der Privatbank Berenberg. Die Analysten würden auf gute Bonitäten kurzer Laufzeit setzen und Hochzinspapiere sowie Banken außerhalb systemrelevanter Großinstitute meiden. In Schwellenländern würden die Analysten unverändert Lokalwährungsinvestments bevorzugen, wobei eine sukzessive Durationserhöhung in auslaufende Zinserhöhungszyklen im zweiten Halbjahr die Attraktivität noch erhöhe. (Ausgabe Q3/2023) (20.06.2023/alc/a/a)
Anhaltende Rezessionssorgen und Inflationsraten, die sich noch immer deutlich über den von den Notenbanken angestrebten Niveaus befänden, würden darüber hinaus für teils widersprüchliche Signale sorgen. Wo die Analysten der Privatbank Berenberg in dieser Situation Ertragschancen erkennen würden, würden sie im Folgenden aufzeigen.
Die Renditen bonitätsstarker Staaten hätten sich im zweiten Quartal überwiegend aufwärts bewegt, relevante Kursgewinne habe es nicht zu erzielen gegeben. Britische Gilts würden seit Jahresbeginn sogar eine negative Entwicklung verzeichnen. Die großen Notenbanken hätten zuletzt keine Überraschungen geliefert - die Europäische Zentralbank habe ihre Leitzinsen angehoben, die US-FED habe pausiert. Im Euroraum würden weiter steigende Leitzinsen einerseits und Rezessionssorgen andererseits in gegensätzlicher Richtung wirken, während in den USA zunächst ebenfalls eine Zinserhöhung zu erwarten sei, der aber bereits im Dezember eine erste Senkung folgen könnte.
Die Analysten der Privatbank Berenberg würden damit rechnen, dass sich in jeweiliger Lokalwährung sowohl britische als auch US-Staatsanleihen besser als deutsche Bundespapiere entwickeln würden. Vor dem Hintergrund von Konjunkturrisiken seien Emittenten hoher Bonität auch mit längerer Laufzeit zur Absicherung im Gesamtportfoliokontext interessant. Ihre Zinsduration hätten die Analysten der Privatbank Berenberg daher auf eine nahezu neutrale Gewichtung angehoben, während sie bezüglich Risikoprämien ("Spread Duration") angesichts möglicher Ausweitungen zurückhaltend bleiben würden.
In Anbetracht eines möglichen wirtschaftlichen Abschwungs, des Aufwärtsdrucks auf die Zinskosten der Unternehmen und bereits auskömmlicher Renditen im Investmentgrade-Bereich würden die Analysten der Privatbank Berenberg diesen Sektor Investitionen in Hochzinspapieren vorziehen. Wenngleich Finanzanleihen und speziell Banken zudem mit ungewöhnlich hohen Risikoaufschlägen locken würden, würden die Analysten der Privatbank Berenberg auch hier angesichts der Probleme im US-Bankensektor vorsichtig bleiben und sich auf die systemrelevanten europäischen Großbanken konzentrieren. Bei anhaltend inversen Zinskurven würden sich die Analysten unverändert kurz positionieren, um die höheren Renditen zu vereinnahmen und zu hohe Kreditrisiken bei Konjunkturschwäche zu meiden. Sobald sich jedoch in der Zinspolitik der Notenbanken eine Kehrtwende abzeichnen sollte, würden sie mittlere bis längere Laufzeiten bevorzugen.
Die homogene Entwicklung von Schwellenländeranleihen vom Jahresanfang habe im zweiten Quartal ihr Ende gefunden. Während sich das Lokalwährungssegment besonders seit Mai positiv entwickelt habe, seien Staats- und Unternehmenspapiere in Hartwährung im Zeitverlauf unter Druck geraten. Grund dafür seien wieder steigende US-Renditen und ein wiederbelebter US-Dollar gewesen. Sinkende Inflationszahlen, gepaart mit positiven Realzinsen, insbesondere in Lateinamerika, waren und sind die fundamentalen Treiber für die Outperformance des Lokalwährungssegments, so die Analysten der Privatbank Berenberg. Technische Faktoren wie beispielsweise eine immer noch überschaubare Investorenpositionierung würden diese Entwicklung unterstützen und die Analysten der Privatbank Berenberg würden erwarten, dass die Divergenz zugunsten des Lokalwährungssegments auch im zweiten Halbjahr anhalte. Die bereits stark gestiegenen lokalen Renditen würden im Vergleich zu Hartwährungsanleihen bei geringerer Duration eine attraktive laufende Verzinsung bieten.
Die von den Analysten der Privatbank Berenberg auch für das dritte Quartal erwartete hohe Volatilität am Markt für US-Staatsanleihen mache ein Investment in Lokalwährungspapieren aus Risikogesichtspunkten ebenso attraktiver. Hinzu komme: Die Kerninflationsraten in Europa und den USA würden auf hohem Niveau verharren - würden die Zinserhöhungszyklen in den Schwellenländern schneller als in den USA und Europa auslaufen, werde neben laufender Verzinsung auch Preisperformance wieder an Bedeutung gewinnen. Somit erscheine den Analysten im Laufe des zweiten Halbjahrs eine sukzessive Erhöhung der Duration im Markt für Lokalwährungsanleihen als opportun, um auch an dieser Entwicklung zu partizipieren.
Zinspolitik, Abschwungsängste, zwar sinkende, aber noch zu hohe Inflation - diese und andere Risiken würden existieren, aber ebenso würden und die Analysten der Privatbank Berenberg Möglichkeiten erkennen, auch mit Anleihen weiterhin Geld zu verdienen. Sichere Staatsanleihen seien dabei jenseits des Euroraums interessanter, allerdings nur in Lokalwährung, da speziell bei US-Papieren die Währungsunsicherheit zu beachten sei. Das Segment der Unternehmensanleihen ist unser favorisiertes, so die Analysten der Privatbank Berenberg. Die Analysten würden auf gute Bonitäten kurzer Laufzeit setzen und Hochzinspapiere sowie Banken außerhalb systemrelevanter Großinstitute meiden. In Schwellenländern würden die Analysten unverändert Lokalwährungsinvestments bevorzugen, wobei eine sukzessive Durationserhöhung in auslaufende Zinserhöhungszyklen im zweiten Halbjahr die Attraktivität noch erhöhe. (Ausgabe Q3/2023) (20.06.2023/alc/a/a)


