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Anleihemärkte: Irgendeine Überraschung gibt es immer


17.01.14 15:27
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Investoren erwarten ein gutes Jahr 2014, so die Experten von MFS Investment Management.

In der zweiten Jahreshälfte 2013 seien die Aktienmärkte weltweit um 15% gestiegen. Die Anleiherenditen hätten zugelegt - bei amerikanischen Zehnjahresanleihen bis auf 3% im Dezember - und der Goldpreis sei im letzten Jahr um 28% gefallen. All dies seien Zeichen für Optimismus.

Die Anleger würden offenbar eine Belebung der Konjunktur und eine weiter niedrige Inflation erwarten. Interessant, aber möglicherweise keine Überraschung sei, dass sich sowohl die Finanzgurus aus dem TV als auch Wallstreet-Auguren dieser Meinung anschließen würden. Viele Anleger würden daher glauben, dass sich Aktien auch 2014 besser als Anleihen entwickeln würden.

Bislang hätten die Experten nur wenig an den Konsenserwartungen auszusetzen. Die US-Wirtschaft scheine an Dynamik zu gewinnen: Der Arbeitsmarkt habe sich kontinuierlich verbessert. Der Wohnimmobilienmarkt habe sich weitgehend von den Folgen des sprunghaften Anstiegs der Hypothekenzinsen Mitte 2013 erholt.

So lange die FED ihre Anleihekaufprogramme langsam zurückführe und die niedrige Inflation kräftige Zinserhöhungen unwahrscheinlich mache, dürften die Langfristzinsen keine Kapriolen veranstalten. Für den Euroraum würden die Umfragen ein volatiles Wachstum signalisieren, aber die Aussichten für Großbritannien seien besser. Japan brauche noch immer ernsthafte Strukturreformen (die dritte Säule der "Abenomics‘").

Außerdem seien die Experten noch nicht restlos überzeugt, dass der staatliche Ausgleich für die Erhöhung der Mehrwertsteuer funktioniere. Unterdessen würden die Experten die expansive Geldpolitik und den schwächeren Yen für günstig halten. Nachdem die Mittelzuflüsse in die Emerging Markets aufgrund der Tapering-Diskussion Mitte 2013 versiegt gewesen seien, habe sich die Konjunktur hier wieder einigermaßen stabilisiert.

Insgesamt würden die Experten überzeugt bleiben, dass die Kombination aus leichtem Weltwirtschaftswachstum, niedriger Inflation und expansiver Geldpolitik gut für risikoreiche Assetklassen sei. Die Experten seien sich aber auch bewusst, dass diese optimistische Prognose bereits in den Kursen enthalten sei: Sie seien gestiegen und jede Abweichung von den Wachstums- und Inflationserwartungen werde 2014 maßgeblichen Einfluss auf die Märkte haben. Das gelte in beiden Richtungen. 2014 könnte also ein sehr volatiles Jahr werden.

Die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte müssten möglicherweise eine Vielzahl von Schocks verkraften. Die geopolitische Umgebung sei immer für eine Überraschung gut. Die politischen Risiken in Europa und in den USA würden im Moment noch im Hintergrund stehen mögen, könnten aber jederzeit aufflammen. Werfen wir also einen Blick auf vier mögliche Konjunkturszenarien, welche die meisten Marktteilnehmer wirklich überraschen würden, so die Experten von MFS Investment Management.

Die nun schon seit langem extrem expansive Geldpolitik, die allgemeine Tendenz zu einer weniger restriktiven Fiskalpolitik und die Belebung des Außenhandels könnten 2014 endlich zu einem synchronen Aufschwung der Weltwirtschaft führen. Dann wären weder das Tapering der FED noch höhere Anleiherenditen ein Problem. Zwar könnten einzelne Emerging Markets langfristig etwas schwächeln, doch wären eine Belebung des Exports und ein kräftigeres Wachstum in den USA und Europa grundsätzlich günstig für die Wirtschaft der Schwellenländer. In diesem Szenario dürften die Unternehmensgewinne ebenso unerwartet stark steigen wie die Anleiherenditen. Auch die Rohstoffpreise würden vermutlich kräftig anziehen, insbesondere wenn sie von der Weltwirtschaft und dem Welthandel abhängen.

Vielleicht verschlechtere sich die Konjunktur aber auch wieder, und die zuletzt so guten Zahlen würden sich einmal mehr als Irrlichter erweisen. In diesem Szenario könnte Larry Summers Theorie von der "säkularen‘" Stagnation wieder populär werden. In seiner Theorie sei der für Wachstum und Vollbeschäftigung notwendige kurzfristige Realzins infolge von Schuldenabbau und Ersparnisüberhang jetzt negativ. Dann würden wohl die Langfristzinsen wieder fallen und sowohl die Aktienmärkte als auch die Unternehmensgewinne würden enttäuschen.

Angenommen, ein unerwartet starkes Wachstum sorge für einen weltweiten Anstieg der Anleiherenditen und halte die Verschuldung zugleich sehr hoch. Wenn das Weltwirtschaftswachstum sensibler auf die hohen Zinsen reagiere, als von den meisten Marktteilnehmern angenommen, könnte die Erholung schnell verpuffen. Ein wieder schwächeres Wachstum, mehr Disinflation und vermutlich neue Liquiditätsspritzen der Zentralbanken - Quantitative Easing in den USA und kreative Maßnahmen der EZB - wären die Folge. Die Anleiherenditen würden aufgrund der Wachstumsschwäche und der Deflationsrisiken kräftig zurückgehen.

Beflügelt von weiteren Liquiditätsspritzen könnten die Aktienkurse zunächst steigen. Doch wäre diese Rally nicht von Dauer, wenn die Anleger angesichts der schlechten Voraussetzungen für steigende Unternehmensgewinne an der Wirksamkeit von mehr Quantitative Easing zu zweifeln begännen.

Schließlich könnten sich die niedrigen Inflationserwartungen als falsch erweisen. Die Folgen der Finanzkrise und die deshalb nur schwache Erholung könnten dem Potenzialwachstum nicht nur vorübergehend einen Dämpfer versetzt haben, sodass die Überschusskapazitäten deutlich geringer seien, als Investoren und Politik glauben würden. Dann würde jedes Wachstum die Inflation anheizen und für Lohndruck sorgen. Die Märkte würden davon ausgehen, dass die FED die Zinsen früher anhebe. Sowohl Aktien- als auch Anleihekurse würden fallen.

Die Geschichte lehre, dass die Marktteilnehmer fast immer von irgendetwas überrascht würden und die Aktien- und Anleihemärkte darauf reagieren würden. Unsere Aufgabe ist es, uns rechtzeitig auf solche Überraschungen vorzubereiten, auf gute wie auf böse, und unsere Kunden über die Auswirkungen auf ihre Portfolios zu informieren, so die Experten von MFS Investment Management. Man solle also gespannt auf das Jahr 2014 sein! (17.01.2014/alc/a/a)