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Anleihechancen liegen jenseits von Staatspapieren


03.04.18 11:00
Berenberg

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Im Einklang mit unseren Erwartungen sind die zehnjährigen deutschen Bundesanleihen ebenso wie US-amerikanische Treasuries und britische Gilts negativ in das Jahr 2018 gestartet, so Martin Mayer, Senior Portfolio Manager Multi Asset, Christian Bettinger, Leiter Fixed Income, und Robert Reichle, Leiter Emerging Markets Selection bei Berenberg.

Die Rendite der deutschen Staatspapiere sei seit Jahresbeginn um fast 20 Basispunkte (Bp) gestiegen, in Großbritannien seien es über 30 Bp und in den USA sogar rund 50 Bp gewesen. Entsprechend hätten für Anleihen zehnjähriger Laufzeiten Verluste zwischen rund 1% und 3% auf dem Kurszettel gestanden. Dieser für die Kern-Eurozone sowie außereuropäische Industriestaaten weitgehend einheitlichen Entwicklung hätten sich lediglich die Länder der südlichen "EuroPeripherie" zu entziehen vermocht: Spanien, Portugal und Italien hätten spürbar sinkende Renditen verzeichnet. Nur vorübergehend sei es in Italien im Zusammenhang mit den dortigen Parlamentswahlen zu leichten Spreadausweitungen gekommen.

Während die Analysten weiterhin mit einer vergleichsweise besseren Entwicklung von Staatsanleihen der drei Letztgenannten rechnen würden, dürften in absoluten Zahlen erneute Einbußen bei deutschen und britischen Papieren zu erwarten sein. Lediglich US-Treasuries, die bereits einen Großteil des von den Analysten prognostizierten Renditeanstiegs vollzogen hätten, böten bis Jahresende positives Ertragspotenzial. Alles in allem würden sie vor allem angesichts steigender US-Leitzinsen, robuster Konjunkturentwicklung und reduzierter Anleihenachfrage der EZB bei ihrer Aussage aus den letzten "Horizonten" bleiben: Vorsicht vor vermeintlich sicheren Staatsanleihen.

Blicke man auf die seit Beginn des Jahres zu beobachtende Entwicklung der europäischen Aktienmärkte, die Volatilitätssprünge und den schnellen Renditeanstieg in vielen Anleihesegmenten zurück, ließe sich für europäische Unternehmensanleihen ebenfalls ein Fehlstart vermuten. Doch weit gefehlt: von Jahresanfang bis Mitte März seien die Risikoaufschläge im Investmentgrade-Bereich lediglich um 2 Bp gestiegen und würden nur knapp über ihren Mehrjahrestiefs notieren. Im europäischen Hochzinsmarkt seien ebenfalls nur moderate Spreadausweitungen von 12 Bp zu beobachten gewesen.

Unterstützung hätten beide Segmente durch die nach wie vor positive Konjunkturlage, das anhaltende, wenngleich reduzierte Ankaufprogramm der EZB und eine deutlich unterdurchschnittliche Neuemissionstätigkeit im Segment der Investmentgrade-Papiere erfahren. So habe beispielsweise das Emissionsvolumen von Nichtfinanzunternehmen per Ende Februar mit 29 Mrd. EUR ca. 33% unter dem des entsprechenden Vorjahreszeitraums gelegen.

Der Anstieg der Renditen habe zudem auch einen positiven Aspekt gehabt: Hätten zum Jahresende 2017 noch 23,5% aller europäischen Investmentgrade-Anleihen im negativen Terrain rentiert, so sei dieser Anteil per Anfang März auf 9,8% gesunken. Bei mittlerweile steileren Renditestrukturkurven könnten zwei Strategien Mehrwert bieten: Zum einen sei durch eine Durationsverlängerung um zwei bis drei Jahre bei vielen Emittenten eine signifikante Erhöhung der Verzinsung bei verbesserten Roll-down-Eigenschaften möglich. Zum anderen hätten sich die europäische Single-A- und BBB-Kurve einander angenähert. Folglich sei bei ähnlichen Laufzeiten eine Ratingverbesserung ohne nennenswerte Renditeaufgabe möglich. Speziell Zweiteres erscheine vorteilhaft, erwarte man doch für die zweite Jahreshälfte schwächere Bondmärkte mit moderaten Spreadausweitungen aufgrund anziehender Inflation und des Auslaufens des EZB-Ankaufprogramms.

Wie prognostiziert zeige sich im ersten Quartal eine deutliche Divergenz zwischen in Hartwährung denominierten Schwellenländeranleihen und jenen, die in lokaler Währung emittiert worden seien. Die Investoren würden in diesem Jahr Lokalwährungsanleihen gegenüber ihrem Pendant in Hartwährung favorisieren, weshalb die Performance diametral sei (Hartwährungsanleihen stünden bei einem negativen Ertrag in Höhe von ca. -2,8%, während Lokalwährungsanleihen einen positiven Wertzuwachs von 0,3% aufweisen würden). Entsprechend seien auch von den Zuflüssen im Laufe des ersten Quartals mehr als zwei Drittel auf das Konto der Lokalwährungsanleihen gegangen, was der entgegengesetzten Verteilung aus dem Vorjahr entspreche, als mehr als 60% aller Anlagen in das Hartwährungssegment geflossen seien.

Mittel- bis langfristig sei zu erwarten, dass beide Trends auch weiterhin Bestand haben würden. Dafür würden im Durchschnitt höhere Laufrenditen von Lokalwährungsanleihen, gepaart mit soliden Fundamentaldaten, die sich wiederum in einer zukünftigen Aufwertung der lokalen Währung widerspiegeln sollten, sowie nicht zuletzt das unverändert vorhandene Aufholpotenzial vonseiten der Kapitalzuflüsse und der Kapitalerträge sprechen. Kurzfristig sei jedoch Vorsicht geboten, da gerade Kapitalflüsse und Performance von Lokalwährungsanleihen durch politische Ereignisse stark beeinflusst werden könnten, was beispielsweise die aktuelle Diskussion rund um das Thema Protektionismus und "Handelskrieg" verdeutliche. (Ausgabe Q2 2018) (03.04.2018/alc/a/a)