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Anleiheanleger mit mehr Optionen durch Fiskalpolitik
02.07.25 12:00
Jupiter AM
London (www.anleihencheck.de) - Die Fiskalpolitik steht erneut im Fokus, da wichtige Industrieländer einen expansiven Kurs einschlagen, während viele Schwellenländer vorsichtiger vorgehen, so die Experten von Jupiter AM.
In den USA schätze das überparteiliche Congressional Budget Office, dass Präsident Donald Trumps Steuer- und Ausgabengesetz "Big Beautiful Bill" das Haushaltsdefizit bis 2034 um 2,4 Billionen Dollar erhöhen werde. Mit dem Gesetz wolle Trump Steuererleichterungen aus seiner ersten Amtszeit dauerhaft verlängern und seine Wahlversprechen zur Abschaffung der Steuern auf Trinkgeld und Überstunden einlösen. Außerdem sollten die Ausgaben für Grenzschutz und Verteidigung erhöht werden. Das Gesetz umfasse aber auch Ausgabenkürzungen, die insbesondere das Medicaid-Programm beträfen.
Die bestenfalls gemischten Ergebnisse der Abteilung für Verwaltungseffizienz (DOGE), mit der Trump massive Einsparungen im Staatsapparat durchsetzen wolle, hätten die Hoffnungen auf einen radikalen Neustart in der US-Haushaltspolitik zerschlagen. Der Milliardär Elon Musk, der die Abteilung seit ihrer Gründung Anfang dieses Jahres geleitet habe, sei aus der Regierung ausgeschieden und habe die Ausgabenpläne der Regierung scharf kritisiert.
Auch in Europa sei die fiskalpolitische Lage nicht gerade rosig. Die geopolitische Neuordnung, die durch Trumps "America First"-Politik beschleunigt werde, habe Zweifel an der Stärke des seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden transatlantischen Verteidigungsbündnisses aufkommen lassen. Deutschland habe daraufhin angekündigt, 1 Billion Euro in die Stärkung des Militärs und den Ausbau der Infrastruktur zu investieren.
Die Bundesregierung habe ein neues Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur eingerichtet, das über einen Zeitraum von zwölf Jahren Kredite in Höhe von bis zu 500 Milliarden Euro aufnehmen dürfe. Außerdem habe Deutschland seine strengen Schuldenregeln gelockert und beschlossen, künftig alle Verteidigungsausgaben, die 1 % des BIP übersteigen, von der Schuldenbremse auszunehmen. Darüber hinaus könnten sich die 16 Bundesländer künftig bis zu einer Höhe von 0,35 % des BIP verschulden.
Angesichts der Bedeutung Deutschlands als größter Volkswirtschaft des Kontinents und seines Einflusses in der Europäischen Union könnten diese Schritte weitreichende Auswirkungen auf das restliche Europa haben. Während Deutschland dank seiner relativ niedrigen Schuldenquote Spielraum für höhere Ausgaben habe, treffe das auf andere große europäische Volkswirtschaften nicht zu: In Frankreich, Italien und Großbritannien zum Beispiel übersteige die staatliche Neuverschuldung die jährliche Wirtschaftsleistung.
Während sich die Industrieländer damit abplagten, ihre Defizite zu reduzieren und Schuldenberge abzubauen, habe Argentinien im vergangenen Jahr dank weitreichender Sparmaßnahmen einen Haushaltsüberschuss erzielt. Neben drastischen Personalkürzungen in der öffentlichen Verwaltung habe die argentinische Regierung unter den Konditionen eines 20 Milliarden Dollar schweren Kreditpakets des IWF Reformen wie die Lockerung von Devisenkontrollen vorangetrieben.
Diese Entwicklungen rückten die Fiskalpolitik in den Mittelpunkt des Interesses und die Geldpolitik stärker in den Hintergrund. Dadurch hätten wir es jetzt mit einem ganz anderen Umfeld zu tun als in den Jahren 2022–2024, als die Zentralbanken ihre Geldpolitik aggressiv gestrafft hätten, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen, nachdem es durch die staatlichen Konjunkturhilfen während der Corona-Pandemie zu einem starken Preisanstieg gekommen sei.
Seither habe die Inflation deutlich nachgelassen (obwohl sie immer noch über den Zielwerten der Zentralbanken liege), und das Zinsumfeld habe sich normalisiert. In vielen Industrieländern lägen die realen Zinsen jetzt wieder auf einem attraktiven Niveau. Die Renditekurven seien steiler geworden, wobei die expansive Fiskalpolitik insbesondere die Renditen am langen Ende der Kurve unter Druck setze.
Das aktuelle Umfeld unterscheide sich deutlich von dem der Jahre nach der globalen Finanzkrise, als eine ultralockere Geldpolitik die Renditen in großen Teilen des Anleihenuniversums in den negativen Bereich gedrückt habe. Heute bewegten sich die Renditen fast auf dem höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise, was die Attraktivität von Staatsanleihen erhöhe. Andererseits seien die Credit Spreads trotz des Risikos einer starken Spreadausweitung weiterhin eng. Damit sei dies ein optimaler Zeitpunkt für eine Umschichtung in "sicherere" Staatsanleihen.
US-Präsident Trumps erratische Zollpolitik sei ein weiteres Thema, das die Sorgen und die Verunsicherung der Anleger verstärkt habe, da unklar sei, wie sich die Zölle auf Inflation und Wachstum auswirken würden. Bislang hätten die USA nur mit Großbritannien eine Einigung erzielt. Mit anderen großen Handelspartnern wie China und der Europäischen Union werde noch verhandelt. Unterschiedliche Zollsätze für verschiedene Handelspartner dürften zu einer unterschiedlichen Performance der verschiedenen Märkte führen.
Geopolitische Risiken verstärkten die Marktvolatilität zusätzlich. Mit dem Konflikt zwischen Israel und dem Iran habe sich die Lage im Nahen Osten weiter zugespitzt. Dies und der andauernde Krieg zwischen der Ukraine und Russland hätten die Unsicherheit an den Märkten insgesamt erhöht. Aus den schwelenden Spannungen mit China im Konflikt um Taiwan könne ein weiterer geopolitischer Brennpunkt entstehen.
Fiskalpolitische Divergenzen, zollbedingte Unsicherheiten und geopolitische Turbulenzen hätten zu einer erhöhten Volatilität am Anleihenmarkt beigetragen. Die unterschiedliche Ausgabenpolitik der Regierungen spreche für einen aktiven Ansatz bei Staatsanleihen und Strategien wie unser Jupiter Global Government Bond Active ETF (GOVE) seien gut positioniert, um Chancen entlang der Zinsstrukturkurve und in verschiedenen Regionen zu identifizieren. Die aktuell hohe Renditestreuung zwischen verschiedenen Staatsanleihenmärkten verdeutliche die Vorteile eines weltweit diversifizierten Staatsanleihenportfolios. In diesem Umfeld spreche unserer Ansicht nach viel für eine Diversifikation über verschiedene entwickelte Staatsanleihenmärkte und ein selektives Engagement in Schwellenländeranleihen. (02.07.2025/alc/a/a)
In den USA schätze das überparteiliche Congressional Budget Office, dass Präsident Donald Trumps Steuer- und Ausgabengesetz "Big Beautiful Bill" das Haushaltsdefizit bis 2034 um 2,4 Billionen Dollar erhöhen werde. Mit dem Gesetz wolle Trump Steuererleichterungen aus seiner ersten Amtszeit dauerhaft verlängern und seine Wahlversprechen zur Abschaffung der Steuern auf Trinkgeld und Überstunden einlösen. Außerdem sollten die Ausgaben für Grenzschutz und Verteidigung erhöht werden. Das Gesetz umfasse aber auch Ausgabenkürzungen, die insbesondere das Medicaid-Programm beträfen.
Die bestenfalls gemischten Ergebnisse der Abteilung für Verwaltungseffizienz (DOGE), mit der Trump massive Einsparungen im Staatsapparat durchsetzen wolle, hätten die Hoffnungen auf einen radikalen Neustart in der US-Haushaltspolitik zerschlagen. Der Milliardär Elon Musk, der die Abteilung seit ihrer Gründung Anfang dieses Jahres geleitet habe, sei aus der Regierung ausgeschieden und habe die Ausgabenpläne der Regierung scharf kritisiert.
Auch in Europa sei die fiskalpolitische Lage nicht gerade rosig. Die geopolitische Neuordnung, die durch Trumps "America First"-Politik beschleunigt werde, habe Zweifel an der Stärke des seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden transatlantischen Verteidigungsbündnisses aufkommen lassen. Deutschland habe daraufhin angekündigt, 1 Billion Euro in die Stärkung des Militärs und den Ausbau der Infrastruktur zu investieren.
Die Bundesregierung habe ein neues Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur eingerichtet, das über einen Zeitraum von zwölf Jahren Kredite in Höhe von bis zu 500 Milliarden Euro aufnehmen dürfe. Außerdem habe Deutschland seine strengen Schuldenregeln gelockert und beschlossen, künftig alle Verteidigungsausgaben, die 1 % des BIP übersteigen, von der Schuldenbremse auszunehmen. Darüber hinaus könnten sich die 16 Bundesländer künftig bis zu einer Höhe von 0,35 % des BIP verschulden.
Angesichts der Bedeutung Deutschlands als größter Volkswirtschaft des Kontinents und seines Einflusses in der Europäischen Union könnten diese Schritte weitreichende Auswirkungen auf das restliche Europa haben. Während Deutschland dank seiner relativ niedrigen Schuldenquote Spielraum für höhere Ausgaben habe, treffe das auf andere große europäische Volkswirtschaften nicht zu: In Frankreich, Italien und Großbritannien zum Beispiel übersteige die staatliche Neuverschuldung die jährliche Wirtschaftsleistung.
Diese Entwicklungen rückten die Fiskalpolitik in den Mittelpunkt des Interesses und die Geldpolitik stärker in den Hintergrund. Dadurch hätten wir es jetzt mit einem ganz anderen Umfeld zu tun als in den Jahren 2022–2024, als die Zentralbanken ihre Geldpolitik aggressiv gestrafft hätten, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen, nachdem es durch die staatlichen Konjunkturhilfen während der Corona-Pandemie zu einem starken Preisanstieg gekommen sei.
Seither habe die Inflation deutlich nachgelassen (obwohl sie immer noch über den Zielwerten der Zentralbanken liege), und das Zinsumfeld habe sich normalisiert. In vielen Industrieländern lägen die realen Zinsen jetzt wieder auf einem attraktiven Niveau. Die Renditekurven seien steiler geworden, wobei die expansive Fiskalpolitik insbesondere die Renditen am langen Ende der Kurve unter Druck setze.
Das aktuelle Umfeld unterscheide sich deutlich von dem der Jahre nach der globalen Finanzkrise, als eine ultralockere Geldpolitik die Renditen in großen Teilen des Anleihenuniversums in den negativen Bereich gedrückt habe. Heute bewegten sich die Renditen fast auf dem höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise, was die Attraktivität von Staatsanleihen erhöhe. Andererseits seien die Credit Spreads trotz des Risikos einer starken Spreadausweitung weiterhin eng. Damit sei dies ein optimaler Zeitpunkt für eine Umschichtung in "sicherere" Staatsanleihen.
US-Präsident Trumps erratische Zollpolitik sei ein weiteres Thema, das die Sorgen und die Verunsicherung der Anleger verstärkt habe, da unklar sei, wie sich die Zölle auf Inflation und Wachstum auswirken würden. Bislang hätten die USA nur mit Großbritannien eine Einigung erzielt. Mit anderen großen Handelspartnern wie China und der Europäischen Union werde noch verhandelt. Unterschiedliche Zollsätze für verschiedene Handelspartner dürften zu einer unterschiedlichen Performance der verschiedenen Märkte führen.
Geopolitische Risiken verstärkten die Marktvolatilität zusätzlich. Mit dem Konflikt zwischen Israel und dem Iran habe sich die Lage im Nahen Osten weiter zugespitzt. Dies und der andauernde Krieg zwischen der Ukraine und Russland hätten die Unsicherheit an den Märkten insgesamt erhöht. Aus den schwelenden Spannungen mit China im Konflikt um Taiwan könne ein weiterer geopolitischer Brennpunkt entstehen.
Fiskalpolitische Divergenzen, zollbedingte Unsicherheiten und geopolitische Turbulenzen hätten zu einer erhöhten Volatilität am Anleihenmarkt beigetragen. Die unterschiedliche Ausgabenpolitik der Regierungen spreche für einen aktiven Ansatz bei Staatsanleihen und Strategien wie unser Jupiter Global Government Bond Active ETF (GOVE) seien gut positioniert, um Chancen entlang der Zinsstrukturkurve und in verschiedenen Regionen zu identifizieren. Die aktuell hohe Renditestreuung zwischen verschiedenen Staatsanleihenmärkten verdeutliche die Vorteile eines weltweit diversifizierten Staatsanleihenportfolios. In diesem Umfeld spreche unserer Ansicht nach viel für eine Diversifikation über verschiedene entwickelte Staatsanleihenmärkte und ein selektives Engagement in Schwellenländeranleihen. (02.07.2025/alc/a/a)


