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Anleger sicher: EZB wird im Juni Zinsen senken
17.05.24 09:40
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland sind in den letzten Tagen deutlich gesunken, so Dr. Tariq Chaudhry von der Hamburg Commercial Bank.
Die Rendite der T-Notes liege derzeit bei 4,39% (-15 BP), während die der Bunds bei 2,41% (-5 BP) stehe. Vor allem schwächer als erwartet ausgefallenen Einzelhandels- und Inflationszahlen in den USA hätten den geldpolitischen Ausblick der Anleger optimistischer gestimmt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September sei von 65% auf 69% gestiegen. Dennoch würden Kommentare mehrerer politischer Entscheidungsträger der FED darauf hindeuten, dass die Zinsen noch eine Weile hoch bleiben könnten. In Deutschland seien die Renditen vor allem von den Konjunkturdaten aus den USA beeinflusst worden.
Das Protokoll der letzten EZB-Sitzung habe erwartungsgemäß gezeigt, dass die EZB-Mitglieder die Inflation in der Eurozone auf Kurs Richtung des Inflationsziels sehen würden. Damit sei die erste Zinssenkung im Juni-Meeting aus Sicht der Märkte praktisch beschlossene Sache, wobei die Mitglieder die Datenabhängigkeit dieser Entscheidung weiterhin betonen würden. Hauptsächlich angespornt durch die bevorstehenden Zinssenkungen seien die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland besser als erwartet ausgefallen. HCOB Economics behalte seine Prognose bei und erwarte jeweils zwei Zinsschritte sowohl für die FED als auch für die EZB bis zum Jahresende.
Die Anleger würden in den USA zunehmende Anzeichen für eine Ermüdung des Wirtschaftswachstums wahr nehmen. Die bisher wiederholt überraschend starken Einzelhandelsumsätze hätten im April 2024 im Vergleich zum Vormonat stagniert, nachdem sie im März um 0,6% nach unten korrigiert worden seien. Trotz der Marktprognosen von 0,4% deute dies darauf hin, dass die Verbraucherausgaben leicht zurückgegangen seien.
Hinsichtlich der Inflation gebe es gemischte Signale aus den USA. Während die US-Erzeugerpreise im April 2024 um 0,5% gegenüber dem Vormonat gestiegen seien und damit deutlich über den Prognosen von 0,3% gelegen hätten, seien die Verbraucherpreise hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die jährliche Inflationsrate in den USA sei im April 2024 auf 3,4% von 3,5% im März gesunken, was dem höchsten Wert seit September entspreche und im Einklang mit den Marktprognosen liege. Die monatliche Rate sei ebenfalls von 0,4% auf 0,3% gefallen, was ebenfalls den Prognosen entspreche. Gleichzeitig habe sich die Kerninflation auf 3,6% pro Jahr verlangsamt, den niedrigsten Wert seit April 2021, im Vergleich zu 3,8% im März und Februar.
In Europa habe es kaum neue Konjunkturdaten gegeben. Insgesamt scheine die geplante erste Zinssenkung im Juni weiterhin auf Kurs zu sein. Dieser Eindruck verstärke sich beim Blick auf das kürzlich veröffentlichte Protokoll der letzten EZB-Sitzung im April. Während die Mitglieder auf weitere Daten gewartet hätten, seien sie zu dem Schluss gekommen, dass es starke Argumente für solche Maßnahmen gebe, insbesondere da die Inflation voraussichtlich weiterhin abwärts gerichtet sein werde.
Die aktualisierten Prognosen des Stabs, die auf eine schnellere Rückkehr der Inflation zum Ziel von 2% hindeuten würden, seien positiv aufgenommen worden, vor allem aufgrund sinkender Energiepreise. Trotzdem seien die Offiziellen vorsichtig geblieben und hätten ihre Besorgnis über den anhaltenden inländischen Preisdruck betont, einschließlich eines robusten Lohnwachstums und einer schwachen Arbeitsproduktivität. Angespornt von der Aussicht auf Zinssenkungen im Juni und möglicherweise weiteren Zinsschritten im Laufe des Jahres habe sich die Investorenmoral in Deutschland verbessert. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien im Mai 2024 auf 47,1, den höchsten Stand seit Februar 2022 gestiegen, von 42,9 im April, und hätten die Prognosen von 46 übertroffen.
In Bezug auf die Geldpolitik habe sich bei der EZB kaum etwas geändert. Es werde erwartet, dass die EZB im Juni mit der Senkung der Kreditkosten beginnen werde, wobei EZB-Chefökonom Philip Lane festgestellt habe, dass die jüngsten Daten ihn sicherer gemacht hätten, dass die Inflation zum Ziel von 2% zurückkehre. Die meisten EZB-Mitglieder scheinen eine Lockerung im nächsten Monat zu unterstützen, aber Präsidentin Lagarde habe keine weiteren Kürzungen angedeutet.
Die Geldmärkte würden in diesem Jahr drei Zinssenkungen fast vollständig einpreisen. Deutlich vorsichtiger zeige man sich hingegen in Washington. Kommentare mehrerer politischer Entscheidungsträger der FED würden jedoch darauf hindeuten, dass die Zinsen noch einige Zeit hoch bleiben würden. Am Mittwoch habe der Präsident der Boston FED, Collins, angedeutet, dass der Leitzins wahrscheinlich auf dem aktuellen Niveau bleiben müsse, bis mehr Vertrauen bestehe, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung 2% bewege.
Auch FED-Präsident Jerome Powell habe sich vorsichtig gegeben. Die Inflation in den USA werde nach Einschätzung von Powell wie im vergangenen auch im laufenden Jahr zurückgehen. Seine Zuversicht in diesen Prozess sei aber angesichts des unerwartet kräftigen Preisschubs im ersten Quartal gesunken.
In den kommenden Tagen würden sich die Aufmerksamkeit der Anleger ausschließlich auf Europa richten. Am Freitag (17.05.) werde die Inflationsrate der Eurozone für den April veröffentlicht. Der Konsens prognostiziere eine Jahresrate von 2,4%, was ein positives Ergebnis wäre. Besorgniserregend sei jedoch die erwartete hohe monatliche Änderungsrate von 0,6% MoM.
Des Weiteren würden am 21.05. die Erzeugerpreise in Deutschland für den Monat April veröffentlicht. Obwohl die Erzeugerpreise zuletzt leicht gestiegen seien, würden die Analysten erwarten, dass die Entlastung im April bestehen bleibe, was keinen großen Aufwärtsdruck auf den Verbraucherpreisindex erwarten lasse. Nicht zu vergessen seien die HCOB Flash PMIs (23.05.), die im Mai für die Eurozone, Deutschland und Frankreich veröffentlicht würden. Diese würden eine wichtige Standortbestimmung für die Konjunktur liefern. (Ausgabe vom 16.05.2024) (17.05.2024/alc/a/a)
Die Rendite der T-Notes liege derzeit bei 4,39% (-15 BP), während die der Bunds bei 2,41% (-5 BP) stehe. Vor allem schwächer als erwartet ausgefallenen Einzelhandels- und Inflationszahlen in den USA hätten den geldpolitischen Ausblick der Anleger optimistischer gestimmt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September sei von 65% auf 69% gestiegen. Dennoch würden Kommentare mehrerer politischer Entscheidungsträger der FED darauf hindeuten, dass die Zinsen noch eine Weile hoch bleiben könnten. In Deutschland seien die Renditen vor allem von den Konjunkturdaten aus den USA beeinflusst worden.
Das Protokoll der letzten EZB-Sitzung habe erwartungsgemäß gezeigt, dass die EZB-Mitglieder die Inflation in der Eurozone auf Kurs Richtung des Inflationsziels sehen würden. Damit sei die erste Zinssenkung im Juni-Meeting aus Sicht der Märkte praktisch beschlossene Sache, wobei die Mitglieder die Datenabhängigkeit dieser Entscheidung weiterhin betonen würden. Hauptsächlich angespornt durch die bevorstehenden Zinssenkungen seien die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland besser als erwartet ausgefallen. HCOB Economics behalte seine Prognose bei und erwarte jeweils zwei Zinsschritte sowohl für die FED als auch für die EZB bis zum Jahresende.
Die Anleger würden in den USA zunehmende Anzeichen für eine Ermüdung des Wirtschaftswachstums wahr nehmen. Die bisher wiederholt überraschend starken Einzelhandelsumsätze hätten im April 2024 im Vergleich zum Vormonat stagniert, nachdem sie im März um 0,6% nach unten korrigiert worden seien. Trotz der Marktprognosen von 0,4% deute dies darauf hin, dass die Verbraucherausgaben leicht zurückgegangen seien.
Hinsichtlich der Inflation gebe es gemischte Signale aus den USA. Während die US-Erzeugerpreise im April 2024 um 0,5% gegenüber dem Vormonat gestiegen seien und damit deutlich über den Prognosen von 0,3% gelegen hätten, seien die Verbraucherpreise hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die jährliche Inflationsrate in den USA sei im April 2024 auf 3,4% von 3,5% im März gesunken, was dem höchsten Wert seit September entspreche und im Einklang mit den Marktprognosen liege. Die monatliche Rate sei ebenfalls von 0,4% auf 0,3% gefallen, was ebenfalls den Prognosen entspreche. Gleichzeitig habe sich die Kerninflation auf 3,6% pro Jahr verlangsamt, den niedrigsten Wert seit April 2021, im Vergleich zu 3,8% im März und Februar.
Die aktualisierten Prognosen des Stabs, die auf eine schnellere Rückkehr der Inflation zum Ziel von 2% hindeuten würden, seien positiv aufgenommen worden, vor allem aufgrund sinkender Energiepreise. Trotzdem seien die Offiziellen vorsichtig geblieben und hätten ihre Besorgnis über den anhaltenden inländischen Preisdruck betont, einschließlich eines robusten Lohnwachstums und einer schwachen Arbeitsproduktivität. Angespornt von der Aussicht auf Zinssenkungen im Juni und möglicherweise weiteren Zinsschritten im Laufe des Jahres habe sich die Investorenmoral in Deutschland verbessert. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien im Mai 2024 auf 47,1, den höchsten Stand seit Februar 2022 gestiegen, von 42,9 im April, und hätten die Prognosen von 46 übertroffen.
In Bezug auf die Geldpolitik habe sich bei der EZB kaum etwas geändert. Es werde erwartet, dass die EZB im Juni mit der Senkung der Kreditkosten beginnen werde, wobei EZB-Chefökonom Philip Lane festgestellt habe, dass die jüngsten Daten ihn sicherer gemacht hätten, dass die Inflation zum Ziel von 2% zurückkehre. Die meisten EZB-Mitglieder scheinen eine Lockerung im nächsten Monat zu unterstützen, aber Präsidentin Lagarde habe keine weiteren Kürzungen angedeutet.
Die Geldmärkte würden in diesem Jahr drei Zinssenkungen fast vollständig einpreisen. Deutlich vorsichtiger zeige man sich hingegen in Washington. Kommentare mehrerer politischer Entscheidungsträger der FED würden jedoch darauf hindeuten, dass die Zinsen noch einige Zeit hoch bleiben würden. Am Mittwoch habe der Präsident der Boston FED, Collins, angedeutet, dass der Leitzins wahrscheinlich auf dem aktuellen Niveau bleiben müsse, bis mehr Vertrauen bestehe, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung 2% bewege.
Auch FED-Präsident Jerome Powell habe sich vorsichtig gegeben. Die Inflation in den USA werde nach Einschätzung von Powell wie im vergangenen auch im laufenden Jahr zurückgehen. Seine Zuversicht in diesen Prozess sei aber angesichts des unerwartet kräftigen Preisschubs im ersten Quartal gesunken.
In den kommenden Tagen würden sich die Aufmerksamkeit der Anleger ausschließlich auf Europa richten. Am Freitag (17.05.) werde die Inflationsrate der Eurozone für den April veröffentlicht. Der Konsens prognostiziere eine Jahresrate von 2,4%, was ein positives Ergebnis wäre. Besorgniserregend sei jedoch die erwartete hohe monatliche Änderungsrate von 0,6% MoM.
Des Weiteren würden am 21.05. die Erzeugerpreise in Deutschland für den Monat April veröffentlicht. Obwohl die Erzeugerpreise zuletzt leicht gestiegen seien, würden die Analysten erwarten, dass die Entlastung im April bestehen bleibe, was keinen großen Aufwärtsdruck auf den Verbraucherpreisindex erwarten lasse. Nicht zu vergessen seien die HCOB Flash PMIs (23.05.), die im Mai für die Eurozone, Deutschland und Frankreich veröffentlicht würden. Diese würden eine wichtige Standortbestimmung für die Konjunktur liefern. (Ausgabe vom 16.05.2024) (17.05.2024/alc/a/a)


