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Anleger bejubeln EZB-Maßnahmen


09.09.14 15:42
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Wirtschaft in der Eurozone hat im zweiten Quartal des laufenden Jahres stagniert, in Deutschland ist sie sogar um 0,2% gegenüber dem Vorjahresquartal geschrumpft, so die Experten der Alte Leipziger Trust in ihrem aktuellen "INVEST-REPORT".

Von Januar bis März sei sie in der Währungsunion immerhin noch um 0,2% gewachsen. Die für das Gesamtjahr 2014 prognostizierte Preissteigerung für die Eurozone liege bei moderaten 0,7%, diejenige für Deutschland bei 1,1%. Der Auftragseingang der Industrie zeige, dass die Eintrübung der Stimmungsindikatoren in den letzten Monaten keinesfalls unbegründet gewesen sei. Im Juni habe die Industrie einen deutlichen Rückgang der Bestellungein hinnehmen müssen, nachdem auch schon im Mai ein Rückgang zu verzeichnen gewesen sei.

Derzeit würden die großen Volkswirtschaften der Eurozone schwächeln, in Frankreich habe die wirtschaftliche Entwicklung stagniert und in Italien habe es gar einen Rückfall in die Rezession gegeben. Für positive Überraschungen hätten Portugal und Spanien mit jeweils einem Wachstum um 0,6% sorgen können, hier würden sich die Reformen der letzten Jalue bemerkbar machen. Die Einkaufsmanagerindices für die Eurozone seien im August gesunken, für das nächste Quartal könne somit nicht mehr als ein schwaches Wachstum der Wirtschaft erwartet werden.

EZB-Präsident Draghi sei bei seiner viel beachteten Rede unter Notenbankem im amerikanischen Jackson Hole explizit auf den Rückgang der Inflationserwartungen eingegangen. Schon hier habe er angedeutet, dass die EZB bereit sei, auf den Rückgang der Inflationserwartungen mit unkonventionellen Mitteln zu reagieren. Die Rede von Draghi habe die Spekulationen über ein EZB-Wertpapierkaufprogramm angeheizt.

EZB-Chef Draghi habe in dem beschriebenen konjunkturellen Umfeld dann auch geliefert, was die Märkte gewollt hätten, und sogar noch etwas draufgelegt. Mit einem auch für viele Analysten übenaschend weitreichenden Maßnahmenpaket habe der Rat der EZB in der ersten Septemberwoche auf die nochmals gesunkene Inflationsrate im Euroraum reagiert. So sei der Ankauf von Kreditverbriefüngen (Asset Backed Securities, ABS) und Pfandbriefen angekündigt worden, der bereits im Oktober beginnen solle. Zusätzlich hätten die Währungshüter den Leitzins erneut um 10 Basispunkte auf das Rekordtief von 0,05% gesenkt. Den schon vor drei Monaten für Geschäftsbanken in den Negativbereich gesetzten Einlagenzins habe die EZB auf minus 0,2% gesetzt. In Reaktion auf die Beschlüsse habe der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich verloren und zeitweise unter 1,30 US-Dollar je Euro notiert.

Begründet würden die Maßnahmen mit verschlechterten Inflationserwaitungen, der Stagnation des Wirtschaftswachstums im Euroraum und der nach wie vor schwachen Entwicklung der Kreditvergabe. Die EZB hoffe, mit ihren Schritten dazu beitragen zu können, die extrem ausgetrocknete Kreditvergabe an die Unternehmen beleben zu können. Schon im Juni sei hierzu ein Programm zinsgünstiger Langfristkredite angekündigt worden, mit dem die Banken im Herbst bis zu 400 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen leihen könnten.

ABS-Papiere seien während der Finanzkrise in Verruf geraten. Mit den oft mit Hypothekenkrediten unterlegten Wertpapieren würden vorhandene Ausfallrisiken breit diversifizieit. Könnten Banken diese Kreditverbriefüngen verkaufen, würden ihre eigenen Bilanzen entlastet. Der Käufer, also die EZB, belaste sich dagegen mit dem Risiko, dass der Schuldner die Kredite nicht bedienen könne. Auch wenn es die EZB so nicht formuliere, mit dem Aufkauf von ABS-Papieren werde de facto eine so genannte "Bad Bank" geschaffen, mit deren Hilfe die Finanzinstitutionen finanziell gesunden sollten. Mit den getroffenen Maßnahmen solle die Bilanzsumme der EZB deutlich ausgeweitet werden.

Die jüngsten EZB-Zinsentscheidungen würden das Niedrigzinsniveau zementieren. Die Renditen kurzlaufender Staatsanleihen - mit Ausnahme griechischer Anleihen - lägen inzwischen in fast allen Euroländern unter oder nahe null Prozent. Mit dieser Entwicklung nähern wir uns wieder jener Einheitsrendite, wie sie vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 schon lange Bestand hatte, so die Experten der Alte Leipziger Trust. Risikoaspekte würden bei den Investoren also immer stärker in den Hinteigrund treten.

In dem beschriebenen Umfeld stelle sich die Frage, inwieweit die Untemehmensgewinne bei einem tendenziell nicht überzeugenden Wirtschaftswachstum steigen könnten. Unterstützend würden zwei Faktoren wirken. Das sei zum einen der zur Schwäche neigende Euro, der die exportlastigen EU-Kernländer Deutschland, Italien und Frankreich beflügeln könnte. Zugleich wirke ein rückläufiger Euro inflationssteigernd, was ebenfalls im Sinne der EZB wäre. Weiterhin bewirke das extrem niedrige Zinsniveau einen Rückgang der Refinanzierungskosten der Unternehmen, wodurch deren Kosten gedrückt und die Gewinne gestützt würden.

Während in der Eurozone der Konjunkturmotor ins Stottern geraten sei und auch die Schwellenländer mehrheitlich mit Gegenwind zu kämpfen hätten, sei die US-Wirtschaft derzeit in einer guten Verfassung. Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt habe sich im Juli fortgesetzt, die Anzahl der neuen Stellen habe mit 209.000 im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie habe im letzten Monat recht deutlich zulegen können. Die gute Stimmung der Unternehmen führe zu einer steigenden Nachfrage nach Investitionsgütern, der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter habe deutlich zugelegt. Dies sei der stärkste Anstieg gewesen, der je verzeichnet worden sei, allerdings sei der Anstieg hauptsächlich durch einen Großauftrag im Bereich zivile Luftfahrt zustande gekommen.

Die Rede von Janet Yellen, im Rahmen des jährlichen Treffens der Notenbanker in Jackson Hole, habe wenig Neues in Bezug auf die zukünftige Geldpolitik der US-Notenbank FED gebracht. Die US-Ökonomie dürfte der FED aber immer weniger Gründe liefern, an einer expansiven Geldpolitik festzuhalten. Die US-Inflation liege aktuell bei 2%.

Die 10-jährige US-Rendite sei auf 2,35% gefallen, nachdem sie im Juli noch 2,57% betragen habe. Die Zinskurve habe sich deutlich verflacht. Eine ähnliche Entwicklung sei auch am deutschen Rentenmarkt zu beobachten. Hier hätten die Renditen deutscher Staatsanleihen ihren Abwärtstrend wieder aufgenommen. 10-jährige Anleihen der Bundesrepublik Deutschland würden nach 1,18% im Juli nur noch 0,89% im August abwerfen, wodurch sich die Zinskurve auch hierzulande abgeflacht habe. Der Renditeabstand zwischen 10-jährigen US-Treasuries zu Bunds mit gleicher Laufzeit habe sich erneut ausgeweitet und liege jetzt bei 144 Basispunkten. (Ausgabe September 2014) (09.09.2014/alc/a/a)