Erweiterte Funktionen

Anlageausblick 2017: Alles dreht sich um Wachstum inmitten globaler Konflikte


05.01.17 11:25
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - State Street Global Advisors (SSGA), der Vermögensverwaltungsbereich der State Street Corporation (NYSE: STT), veröffentlicht seinen globalen Marktausblick und seine Hauptanlagethemen für 2017.

SSGA weise in dem Bericht darauf hin, dass 2017 erneut ein Jahr mit globalen politischen und wirtschaftspolitischen Entwicklungen sein werde, die extreme Auswirkungen auf die Anlageergebnisse haben würden.

"Das Jahr 2016 war wegen turbulenter geopolitischer Ereignisse, insbesondere Trumps Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen und der Brexit-Überraschung, ein bedeutendes Jahr hinsichtlich geopolitischer Entwicklungen. Darüber hinaus waren die damit verbundenen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte erheblich", so Rick Lacaille, Global Chief Investment Officer bei SSGA.

"Eine zunehmend populistische Politik und eine allgemeine Stimmung gegen die Globalisierung ebnen den Weg für erhebliche politische Veränderungen in 2017 und darüber hinaus. Unserer Auffassung nach verändern sich derzeit vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Anlageumfelds einige der wichtigsten Anlagethematiken, mit denen die Anleger in den vergangenen Jahren gut gefahren sind. So werden Investoren künftig Marktsegmente berücksichtigen müssen, die entweder von einem möglicherweise reflationären Umfeld profitieren oder darunter leiden, was zum Beispiel das Thema "Renditejagd" völlig verändern wird."

"Da vielen Zentralbanken die Munition an geldpolitischen Maßnahmen auszugehen droht, wird der Widerstand gegen fiskalische Stimulierungsmaßnahmen langsam weniger", so Chris Proby, Chief Economist bei SSGA. "In Kontinentaleuropa ist fiskalische Austerität weniger ausgeprägt. Das Vereinigte Königreich hat seine angestrebte Rückkehr zu Haushaltsüberschüssen nach dem Referendumsergebnis zur EU-Mitgliedschaft verschoben. Kanada und Japan sind dabei, Konjunkturpakete umzusetzen. China wendet zielgerichtete Fiskalmaßnahmen an, um das Wachstum im Rahmen des Übergangs zu einer stärker konsumgetriebenen Wirtschaft zu stützen. In den USA könnten die Vorschläge des designierten Präsidenten Trump, die Steuern zu senken und die Infrastrukturausgaben zu erhöhen, das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft auf fast 3,0% erhöhen."

"Der Internationale Währungsfonds hat sich ebenfalls für höhere Staatsausgaben stark gemacht und zuletzt angemerkt, dass die fiskalische Unterstützung absolut notwendig für die Schaffung von Konjunkturdynamik sowie zur Vermeidung eines dauerhaften Rückgangs der mittelfristigen Inflationserwartungen bleibt," ergänze Probyn. "Dagegen müssen sich die Anleger entscheiden, wie viel Vertrauen sie der Regierung diesbezüglich schenken wollen und welche Marktbereiche voraussichtlich betroffen sein werden."

"Im Jahr 2017 gebe es reichlich Potenzial für weitere politische Tumulte, die die Märkte beeinflussen könnten", habe Lori Heinel, stellvertretender Global Chief Investment Officer bei SSGA, gesagt.

"Wichtige Wahlen in Europa werden die Sorgen um eine zusätzliche Destabilisierung des Euro verstärken - darunter hauptsächlich die Wahlen in Frankreich, wo die euroskeptische Partei Front National weiter an Popularität gewonnen hat. Für die offiziellen Vertreter der EU existiert ein starker Anreiz, alles dafür zu tun, die Währungsunion aufrechtzuerhalten. Allein die Idee einer Instabilität reicht schon aus, um die Anleger in Angst zu versetzen und dies könnte im ersten Halbjahr 2017 den Euro-Wechselkurs schwächen", habe Heinel weiter ausgeführt. "Es besteht zwar weiterhin eine große Unsicherheit hinsichtlich der endgültigen Wirkung, doch lässt sich jetzt schon erahnen, dass einige dieser Veränderungen andere Veränderungen beschleunigen, die bereits jetzt im Gange sind."

"Da die Geldpolitik jetzt möglicherweise alle Möglichkeiten zur Konjunkturbelebung ausgeschöpft hat, ist eine Hinwendung zu fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen in 2017 wahrscheinlich", habe Heinel gesagt. "Diese könnten auch für Beruhigung der sozialen Unruhen in manchen Ländern sorgen. Allerdings besteht die Gefahr, dass politische Spannungen den Umfang und die Wirksamkeit solcher Maßnahmen begrenzen werden. Dazu könnten negative Dominoeffekte zu mehr Volatilität und einer stärkeren Differenzierung zwischen Marktgewinnern und -verlierern führen."

Die vorgeschlagenen globalen Handelsabkommen würden in allen Ländern an Unterstützung verlieren und die künftige US-Regierung lehne die zwölf Länder umfassende Transpazifische Partnerschaft ab. Des Weiteren übersteige die Anzahl protektionistischer Handelsmaßnahmen die in 2016 eingeführt worden seien, die Maßnahmen des Vorjahres um das Fünffache.

"Eine solch große Wende im Welthandel wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit negativ auf das Weltwirtschaftswachstum auswirken und steht daher im Einklang mit unseren moderaten Erwartungen für das Anlageergebnis globaler Aktien", habe Dan Farley, Chief Investment Officer der Investment Solutions Group bei SSGA, gesagt. "Für bestimmte lokale Industrien werden sich protektionistische Maßnahmen jedoch positiv auswirken, da die Unternehmen im Inland an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen werden, während sie für Unternehmen mit großem weltweitem Engagement ein Problem darstellen werden."

Nach Jahren unkonventioneller Geldpolitik zur Anhebung hartnäckig niedriger Wachstums- und Inflationsraten befänden sich die USA weiterhin auf einem vorsichtigen Weg zu einem normalen Zinsniveau, während die Zentralbanken in Europa und Japan zuletzt damit gezögert hätten, die bereits negativen Leitzinsen noch weiter zu senken und ihre Wertpapieraufkaufprogramme auszuweiten.

"Da die Geldpolitik jetzt möglicherweise alle Möglichkeiten zur Konjunkturbelebung ausgeschöpft hat, ist eine Hinwendung zu fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen in 2017 wahrscheinlich", habe Heinel gesagt. "Diese könnten auch für Beruhigung der sozialen Unruhen in manchen Ländern sorgen. Dabei drängt sich unweigerlich die Frage auf, welche anderen Instrumente, falls es solche gebe, den globalen Zentralbanken zur Verfügung stünden, wenn die bereits ausprobierten Lösungen nicht länger funktionieren?"

Sollten sich die Ankündigungen im Hinblick auf eine fiskalische Expansion und Infrastrukturausgaben in tatsächliche Maßnahmen verwandeln, dann könnte dies einen positiven Kreislauf von steigenden Ausgaben und zunehmenden Vertrauen in Gang setzen und die US-Wirtschaft möglicherweise wieder zum globalen Wachstumsmotor werden lassen. Gleichzeitig würden eine schneller wachsende Inflation und steigende Zinsen die Anleihenkurse unter Druck setzen.

SSGA sei der Auffassung, dass die Anleger auf ihrer Suche nach Aktienkurszuwächsen besonders vorsichtig bei der Wahl der Industriesektoren sein sollten, da bestimmte Marktbereiche mittlerweile extrem hoch bewertet seien. Einige Investoren müssten ihre Engagements möglicherweise so diversifizieren, dass sie auch von einem Umfeld steigender Zinsen profitieren könnten.

Für Anleger auf der Suche nach Rendite müsse der Anlageansatz in dem sich entwickelnden Profil der Anleihen- und Aktienmärkte differenzierter und vorsichtiger ausfallen. Gleichzeitig würden die Volatilitätsmuster auf erhöhte Risiken für die Aktienmärkte in 2017 hindeuten, wobei die Fähigkeit der Federal Reserve, extreme Marktschwankungen abzumildern, zunehmend begrenzt scheine. Deshalb sollten die Investoren ihr Volatilitätsmanagement und ihre Währungsabsicherungsstrategien überprüfen. Absicherungen vor Extremrisiken sowie zusätzliche dynamische und taktische Allokationen, die Alpha generieren oder Risiken verringern würden, könnten zur Vorbereitung auf das kommende unsichere Umfeld beitragen.

Nach fünf Quartalen in Folge mit negativer Ergebnisentwicklung des S&P 500 habe es im dritten Quartal 2016 wieder ein Gewinnwachstum gegeben, ein Trend, der auch im 4. Quartal anhalten sollte. Die Zinserhöhungen der FED werden nach Meinung der Experten von SSGA ein wahrer Segen für die Finanzwerte sein, da sie deren Zinsspannen erhöhen werden; dagegen dürften sie die Konsumgüterhersteller bremsen, die zuvor von den günstigen Finanzierungsbedingungen profitiert hatten.

Die Prognose der Experten von SSGA für die Wertentwicklung von Aktien in entwickelten Märkten (ohne USA) innerhalb eines Jahres ist nah an der Prognose für den US-Aktienmarkt, d.h. 3,3 Prozent. Deshalb würden sie den Anlegern empfehlen, gegenüber internationalen Aktien eine vorsichtige Haltung einzunehmen und Aktien aus Europa und der Asien-Pazifik-Region unterzugewichten.

Für Schwellenländeraktien prognostiziere man wegen eines höheren Wirtschaftswachstums ein Anlageergebnis von 6 Prozent im Jahr 2017. Dies sei darauf zurückzuführen, dass sich Russland und Brasilien von ihrer Rezession erholen würden und die negativen Auswirkungen fallender Rohstoffpreise ausgeklungen seien.

Die Experten würden glauben, dass die historisch niedrigen Renditen von Anleihen ein schlechter Ausgangspunkt für Anlagen im globalen Rentenmarkt seien; ohne eine Wertsteigerung und noch niedrigerer Zinsen könne dieses Anlagesegment nur ein negatives Anlageergebnis erzielen. Die Prognose der Experten von SSGA für das Anlageergebnis 10-jähriger US-Staatsanleihen beträgt nur 0,3 Prozent im Jahr 2017 und liegt mit -0,3 Prozent für Staatsanleihen entwickelter Volkswirtschaften außerhalb der USA sogar im negativen Bereich.

Nach Meinung der Experten sei der Ausblick auf die Entwicklung von US-Unternehmensanleihen sowie Hochzinsanleihen in den nächsten zwölf Monaten mit 2,0 bzw. 5,1 Prozent erfreulich.

Die Analysen der Experten würden signalisieren, dass, ungeachtet der beeindruckenden Ölpreiserholung seit Anfang 2016, die Energiepreise wegen eines unverändert hohen Angebotsüberschusses und eines nur moderaten globalen Wirtschaftswachstums im Jahr 2017 wohl eher stagnieren würden, allerdings mit einer leichten Tendenz nach oben. Man prognostiziere, dass sich Edelmetalle, darunter Gold, in einem Umfeld weitverbreitet negativer Zinssätze und einer allmählichen Rückkehr höherer Inflationsraten weiter gut entwickeln sollten.

"Letztendlich wird 2017 wohl ein Jahr sein, das von erheblichen und bisweilen unvorhersehbaren politischen und wirtschaftlichen Veränderungen geprägt sein wird", habe Lacaille gesagt. "Entscheidend wird sein, dass es den Anlegern gelingt, ihre Portfolios bestmöglich für die Chancen und Risiken zu positionieren, die diese Veränderungen mit sich bringen." (05.01.2017/alc/a/a)