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Andere Renditetreiber in den Schwellenländern als 2023
08.01.24 11:42
M&G Investments
London (www.anleihencheck.de) - Das Schöne am Aufschieben eines Jahresausblicks ist, dass man für seine Prognose aktuellere Daten verwenden kann, so Claudia Calich, Head of Emerging Markets Debt bei M&G Investments Public Fixed Income.
Der massive Anstieg der Leitzinsen in den meisten Industrieländern seit November etwa werfe die Frage auf, ob die zum Jahresende hin veröffentlichten Renditeziele noch gültig seien. Die Devise "höher für länger" sei inzwischen der Erwartung gewichen, dass die meisten Zentralbanken der Industrieländer bis Mitte 2024 die Zinsen senken würden.
Das makroökonomische Basisszenario für 2024 sei grundsätzlich günstig: Die Inflation sei in den meisten Volkswirtschaften zurückgegangen, die Zentralbanken hätten ihre Politik gelockert oder würden es bald tun. Das globale Wirtschaftswachstum werde sich zwar abschwächen, eine Rezession könne aber vielleicht noch abgewendet werden. All dies hätten die Märkte aber bereits weitgehend eingepreist. Falls die Inflation allerdings auf einem höheren Niveau verharren sollte, könnten die Zinssenkung deutlich weniger stark ausfallen als bisher erwartet. Das könnte wiederum zu einer stärkeren Konjunkturabschwächung führen, mit der Folge, dass sich Spreads ausweiten und Aktienkurse sinken würden, die Kerninflation jedoch steigen würde.
Bedeutende Wahlen würden in Indonesien, Südafrika, Mexiko, Indien und natürlich in den USA stattfinden. Wahlen würden oft Volatilität und Anlagechancen mit sich bringen, aber nicht unbedingt Abwärtsrisiken widerspiegeln. Die jüngsten Wahlen in der Türkei, in Polen und in Argentinien hätten alle zu einem anschließenden Kursanstieg geführt, da die Ergebnisse eine bessere Wirtschaftspolitik mit sich gebracht hätten. Derzeit würden jedoch wichtige geopolitische Fragen - vor allem in Bezug auf den Krieg in der Ukraine, den Nahen Osten und den China-Taiwan-Konflikt - ungelöst bleiben. Auch die US-Wahlen würden nicht dazu beitragen, die Unsicherheit an diesen Fronten zu verringern.
Hochzins-Bonds und notleidende Anleihen in Hartwährung hätten 2023 außergewöhnlich hohe Renditen gebracht - Venezuela, El Salvador, Pakistan und Sri Lanka hätten alle zwischen 70 und 150% erzielt. Das werde sich 2024 nicht wiederholen. Solche Renditen würden diese Anleihen zukünftig in die Nähe des Nennwerts bringen und damit auf ein Niveau, das mit BB-Anleihen vergleichbar sei, wovon sie jedoch weit entfernt seien.
2023 habe es 15 Länder gegeben, die eine Gesamtrendite von jeweils über 15% erzielt hätten, jedoch nur eine Handvoll Emittenten wie Bolivien und Ecuador, die sehr schlecht abgeschnitten hätten. Die Anzahl der notleidenden Anleihen, die 2024 eine Rendite von 50% oder mehr erzielen könnten, sei daher begrenzt. Die Experten würden davon ausgehen, dass der Carry 2024 eine größere Rolle bei den Renditen spielen werde als der Kursanstieg.
Bei Anleihen in Lokalwährung habe sich der Einfluss der Disinflation fortgesetzt. Für 2024 würden die Experten eine Abschwächung der Disinflation erwarten, da die wichtigsten Faktoren nicht mehr in dem Maße helfen würden wie 2023. So dürften die Energie- und Lebensmittelpreise nicht mehr so stark wie im letzten Jahr wirken, während die Dienstleistungsinflation auf dem derzeitigen Niveau verharre. Da für die meisten Märkte Zinssenkungen in einer Spanne von -100 bis über -400 Basispunkten eingepreist seien, würden die Chancen selektiver und datenabhängiger sein, im Gegensatz zur weit verbreiteten Zinsrally des abgelaufenen Jahres.
Doch selbst auf Carry-Basis gebe es viele attraktive Möglichkeiten. So seien beispielsweise die Renditen der meisten Lokalwährungsanleihen hinter der jüngsten Rally der US-Staatsanleihen zurückgeblieben. Mexikanische Bonos, die aufgrund der engen Verbindung zwischen den beiden Volkswirtschaften in der Regel stark mit den US-Renditen korrelieren würden, würden jetzt nicht nur über 5% höher als vergleichbare US-Treasuries, sondern auch mit einer geringeren historischen Renditevolatilität rentieren, da die Volatilität der US-Treasuries in den letzten sechs Monaten sehr hoch gewesen sei.
Bemerkenswert sei, dass 10-jährige US-Treasuries das Jahr mit 3,9% beendet hätten und damit fast genau dort gelegen hätten, wo sie zu Jahresbeginn gestanden hätten - trotz der sehr starken Schwankungen in der zweiten Jahreshälfte. In beiden Ländern werde 2024 gewählt. Die Experten würden behaupten, dass es schwieriger sei, die Wahlen in den USA und die sich daraus ergebende politische Ausrichtung vorherzusagen als die in Mexiko.
Der Blick der Experten auf die Währungen der Schwellenländer sei "selektiv konstruktiv". Erstens würden sie weder davon ausgehen, dass die USA stärker wachsen würden als die Schwellenländer, noch dass eine weitere Straffung der Geldpolitik fortgesetzt werde. Zweitens seien die Bewertungen mit Ausnahme einiger weniger Währungen, wie dem Mexikanischen Peso oder der Tschechischen Krone, nicht teuer. Und schließlich seien Anlegerinnen und Anleger aufgrund der hohen kurzfristigen Zinsen in den USA und Europa derzeit kaum mehr in Schwellenländern investiert. Mit einer lockereren Geldpolitik dürfte sich dies zukünftig ändern. Steigende Kapitalzuflüsse würden sich positiv auf die Währung und den Aufbau internationaler Reserven auswirken, was wiederum vorteilhaft für das Kreditrating sei.
Auch wenn sich die zweistelligen Renditen von 2023 dieses Jahr nicht wiederholen würden, würden Schwellenländeranleihen nach wie vor attraktive Chancen bieten - insbesondere für Anleger, die mit dem Wiederanlagerisiko von Anleihen mit kurzer Laufzeit konfrontiert seien. Und selbst wenn die Renditen wieder durchschnittlich ausfallen würden, sollte die Anlageklasse nicht unberücksichtigt bleiben. (08.01.2024/alc/a/a)
Der massive Anstieg der Leitzinsen in den meisten Industrieländern seit November etwa werfe die Frage auf, ob die zum Jahresende hin veröffentlichten Renditeziele noch gültig seien. Die Devise "höher für länger" sei inzwischen der Erwartung gewichen, dass die meisten Zentralbanken der Industrieländer bis Mitte 2024 die Zinsen senken würden.
Das makroökonomische Basisszenario für 2024 sei grundsätzlich günstig: Die Inflation sei in den meisten Volkswirtschaften zurückgegangen, die Zentralbanken hätten ihre Politik gelockert oder würden es bald tun. Das globale Wirtschaftswachstum werde sich zwar abschwächen, eine Rezession könne aber vielleicht noch abgewendet werden. All dies hätten die Märkte aber bereits weitgehend eingepreist. Falls die Inflation allerdings auf einem höheren Niveau verharren sollte, könnten die Zinssenkung deutlich weniger stark ausfallen als bisher erwartet. Das könnte wiederum zu einer stärkeren Konjunkturabschwächung führen, mit der Folge, dass sich Spreads ausweiten und Aktienkurse sinken würden, die Kerninflation jedoch steigen würde.
Bedeutende Wahlen würden in Indonesien, Südafrika, Mexiko, Indien und natürlich in den USA stattfinden. Wahlen würden oft Volatilität und Anlagechancen mit sich bringen, aber nicht unbedingt Abwärtsrisiken widerspiegeln. Die jüngsten Wahlen in der Türkei, in Polen und in Argentinien hätten alle zu einem anschließenden Kursanstieg geführt, da die Ergebnisse eine bessere Wirtschaftspolitik mit sich gebracht hätten. Derzeit würden jedoch wichtige geopolitische Fragen - vor allem in Bezug auf den Krieg in der Ukraine, den Nahen Osten und den China-Taiwan-Konflikt - ungelöst bleiben. Auch die US-Wahlen würden nicht dazu beitragen, die Unsicherheit an diesen Fronten zu verringern.
Hochzins-Bonds und notleidende Anleihen in Hartwährung hätten 2023 außergewöhnlich hohe Renditen gebracht - Venezuela, El Salvador, Pakistan und Sri Lanka hätten alle zwischen 70 und 150% erzielt. Das werde sich 2024 nicht wiederholen. Solche Renditen würden diese Anleihen zukünftig in die Nähe des Nennwerts bringen und damit auf ein Niveau, das mit BB-Anleihen vergleichbar sei, wovon sie jedoch weit entfernt seien.
Bei Anleihen in Lokalwährung habe sich der Einfluss der Disinflation fortgesetzt. Für 2024 würden die Experten eine Abschwächung der Disinflation erwarten, da die wichtigsten Faktoren nicht mehr in dem Maße helfen würden wie 2023. So dürften die Energie- und Lebensmittelpreise nicht mehr so stark wie im letzten Jahr wirken, während die Dienstleistungsinflation auf dem derzeitigen Niveau verharre. Da für die meisten Märkte Zinssenkungen in einer Spanne von -100 bis über -400 Basispunkten eingepreist seien, würden die Chancen selektiver und datenabhängiger sein, im Gegensatz zur weit verbreiteten Zinsrally des abgelaufenen Jahres.
Doch selbst auf Carry-Basis gebe es viele attraktive Möglichkeiten. So seien beispielsweise die Renditen der meisten Lokalwährungsanleihen hinter der jüngsten Rally der US-Staatsanleihen zurückgeblieben. Mexikanische Bonos, die aufgrund der engen Verbindung zwischen den beiden Volkswirtschaften in der Regel stark mit den US-Renditen korrelieren würden, würden jetzt nicht nur über 5% höher als vergleichbare US-Treasuries, sondern auch mit einer geringeren historischen Renditevolatilität rentieren, da die Volatilität der US-Treasuries in den letzten sechs Monaten sehr hoch gewesen sei.
Bemerkenswert sei, dass 10-jährige US-Treasuries das Jahr mit 3,9% beendet hätten und damit fast genau dort gelegen hätten, wo sie zu Jahresbeginn gestanden hätten - trotz der sehr starken Schwankungen in der zweiten Jahreshälfte. In beiden Ländern werde 2024 gewählt. Die Experten würden behaupten, dass es schwieriger sei, die Wahlen in den USA und die sich daraus ergebende politische Ausrichtung vorherzusagen als die in Mexiko.
Der Blick der Experten auf die Währungen der Schwellenländer sei "selektiv konstruktiv". Erstens würden sie weder davon ausgehen, dass die USA stärker wachsen würden als die Schwellenländer, noch dass eine weitere Straffung der Geldpolitik fortgesetzt werde. Zweitens seien die Bewertungen mit Ausnahme einiger weniger Währungen, wie dem Mexikanischen Peso oder der Tschechischen Krone, nicht teuer. Und schließlich seien Anlegerinnen und Anleger aufgrund der hohen kurzfristigen Zinsen in den USA und Europa derzeit kaum mehr in Schwellenländern investiert. Mit einer lockereren Geldpolitik dürfte sich dies zukünftig ändern. Steigende Kapitalzuflüsse würden sich positiv auf die Währung und den Aufbau internationaler Reserven auswirken, was wiederum vorteilhaft für das Kreditrating sei.
Auch wenn sich die zweistelligen Renditen von 2023 dieses Jahr nicht wiederholen würden, würden Schwellenländeranleihen nach wie vor attraktive Chancen bieten - insbesondere für Anleger, die mit dem Wiederanlagerisiko von Anleihen mit kurzer Laufzeit konfrontiert seien. Und selbst wenn die Renditen wieder durchschnittlich ausfallen würden, sollte die Anlageklasse nicht unberücksichtigt bleiben. (08.01.2024/alc/a/a)


