Aktienanleihen: Alternativen im Zinstief


11.02.13 10:14
zertifikate kompakt

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Aktienanleihen sind mit einem fixen Zinskupon ausgestattet und weisen eine begrenzte Laufzeit auf, so die Experten von "zertifikate kompakt".

Das Auszahlungsprofil bei Laufzeitende werde von der Kursentwicklung des Basiswertes bestimmt, auf den sich die Aktienanleihe beziehe. In jedem Fall erhalte der Anleger an den festgesetzten Terminen seine Zinserträge. Allerdings würden die Zinszahlungen und die Auszahlung zum Laufzeitende von der Bonität der emittierenden Bank abhängen. Die Notierung an der Börse erfolge in Prozent vom Nominalbetrag. Bei einem Kurs von 90% und einem Nominalbetrag von 1.000 Euro seien 900 Euro zu zahlen. Notiere das Papier unter 100% des Nominalbetrags, würden zusätzliche Kursgewinne winken. Notiere es dagegen über 100%, reduziere das den Ertrag, da die Aktienanleihe am Laufzeitende im besten Fall zu 100% des Nominalbetrags getilgt werde. Käufer dieser Produkte müssten auf die Zahlung einer möglichen Dividende verzichten, die ein Aktionär erhalte.

Aktienanleihen könnten während der Laufzeit börsentäglich gehandelt werden. Dabei unterliege die Preisbildung unterschiedlichen Einflüssen. Dazu würden vor allem die Kursentwicklung des Basiswertes sowie die erwartete Schwankungsbreite des Underlyings gemessen an der impliziten Volatilität zählen. Ähnlich wie bei Discount-Zertifikaten, die ein ähnliches Risikoprofil wie Aktienanleihen aufweisen würden, werde das Produkt über ein Optionsgeschäft konstruiert, das für den Anleger verbrieft werde. Die emittierende Bank erwerbe eine Anleihe, gleichzeitig werde eine Put-Option mit einem Basispreis verkauft, der dem Basispreis der Aktienanleihe entspreche. Die eingenommene Optionsprämie diene dazu, den höheren Zinssatz des Produkts gegenüber dem marktüblichen Zins zu finanzieren.

Mit einem Kupon von 10% p.a. sei eine Aktienanleihe auf den Sportartikelhersteller adidas ausgestattet. Emittentin sei die Deutsche Bank, Fälligkeit der Aktienanleihe sei der 20.12.2013. Der Basispreis des Produktes liege bei 72 Euro. Damit befinde er sich oberhalb des aktuellen Kurses der adidas-Aktien in Höhe von knapp 68 Euro. Liege der Kurs der Aktie am Laufzeitende unterhalb des Basispreises, würden Anleger 13 adidas-Aktien und 0,888 Anteile der Aktie in bar erhalten. Liege der Aktienkurs an diesem Termin dagegen bei 72 Euro oder darüber, werde das Produkt zum Nominalwert von 1.000 Euro getilgt.

Anbieter von Aktienanleihen hätten auch Produkte auf Aktien im Angebot, die in einer Fremdwährung notieren würden. Von der RBS komme ein Papier (ISIN DE000AA6WNX3 / WKN AA6WNX) auf das Internet-Versandhaus Amazon. Das Papier sei mit einem Zinskupon von 9% p.a. ausgestattet, der Basispreis liege bei 230 US-Dollar und damit etwa 33 US-Dollar unterhalb des aktuellen Kurses der Aktie. Fälligkeit der Aktienanleihe sei am 31.12.2013, der Nominalbetrag liege bei 1.000 Euro. Normalerweise müssten Anleger aus dem Euroraum bei einem Investment in ein Wertpapier, das in einer ausländischen Währung notiere, auf das Wechselkursrisiko bei den Währungen achten. Das sei hier jedoch nicht nötig. Die Aktienanleihe sei mit einer so genannten Quanto-Funktion ausgestattet, sodass die Entwicklung des Euro zum US-Dollar keinen Einfluss auf die Kursentwicklung und das Auszahlungsprofil des Papiers habe.

Von der UBS sei eine Aktienanleihe auf eine europäische Benchmark, den EURO STOXX 50, begeben worden. Der Index repräsentiere die 50 wichtigsten Aktien aus dem Euro-Währungsraum. Das Produkt, eine so genannte Aktien-Anleihe plus, weise im Vergleich zu herkömmlichen Aktien-Anleihen eine zusätzliche Sicherheitskomponente auf.

Neben dem Basispreis (3.200 Indexpunkte) sei das Papier mit einer Barriere (1.800 Indexpunkte) ausgestattet. Berühre der Index während der Laufzeit diese Barriere nicht, werde die Aktienanleihe zum Nominalbetrag von 1.000 Euro getilgt, auch wenn der Kurs des Index am Laufzeitende unter dem Basispreis liege. Werde die Barriere berührt, gebe es zwei Auszahlungsmöglichkeiten. Notiere der Kurs des EURO STOXX 50 zum Laufzeitende über 3.200 Punkten, erhalte der Anleger ebenfalls den Nominalbetrag. Ansonsten werde der Indexstand mit dem Bezugsverhältnis 0,3125 multipliziert und ausgezahlt. Den Zinsertrag würden Anleger in jedem Fall gutgeschrieben bekommen.

Investoren, die eine Marktmeinung zu verschiedenen Einzeltiteln hätten, könnten bei Protect Multi-Aktienanleihen fündig werden. Eine Mischung aus europäischen und deutschen Basiswerten biete ein Produkt (ISIN DE000VT7HTM6 / WKN VT7HTM) von Vontobel. Als Basiswerte würden der französische Versicherungskonzern AXA, der deutsche Automobilhersteller Daimler und der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell dienen. Bei diesem Produkt sei jede Aktie mit einem Basispreis und einer Barriere ausgestattet (AXA: 13,805/9,664 Euro; Daimler: 43,45/30,415 Euro; Royal Dutch Shell: 25,84/18,088 Euro). Damit befinde sich die Barriere jeweils 30% unterhalb des Basispreises.

Das Produkt mit einer Fälligkeit am 07.02.2014 sei mit einem jährlichen Zinskupon von 8,90% ausgestattet. Wenn eine der Aktien während der Laufzeit die Barriere berühre bzw. unterschreite und eine Aktie am Bewertungstag unterhalb des Basispreises liege, bekomme der Anleger - entsprechend des Bezugsverhältnisses - die Aktien mit der schlechtesten Kursentwicklung geliefert. Unabhängig davon werde in jedem Fall der Zinsbetrag ausgezahlt.

Aktienanleihen seien vor allem in Seitwärtsmärkten attraktiv, wenn der Basiswert keine starken Kursverluste oder Kursgewinne zu verzeichnen habe. Sie würden sich für aktienerfahrene Anleger eignen, die in einem niedrigen Zinsumfeld von hohen Zinskupons profitieren wollten. Je nach gewähltem Basiswert und Zinskupon könne nach dem jeweiligen Chance/Risiko-Profil investiert werden. Bestehe ein höheres Sicherheitsbedürfnis, sollten Produkt-Varianten mit einer zusätzlichen Sicherheitsbarriere gewählt werden. Aktienanleihen würden keinen Kapitalschutz bieten. Notiere der Basiswert bei 0 Euro, entfalle die Rückzahlung. (Ausgabe 03/13 vom 08.02.2013) (11.02.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.