Aktienanleihe Classic auf Wirecard: Chancen durch Digitalisierung - Anleiheanalyse


13.04.17 12:00
DZ BANK

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das DZ BANK-Derivate-Team stellt als Alternative zum Direktinvestment in die Wirecard-Aktie eine Aktienanleihe Classic (ISIN DE000DGR8WS7 / WKN DGR8WS) mit dem Basiswert Wirecard vor.

Mit der stetig zunehmenden Bedeutung des Online-Handels steige auch die Bedeutung von Online-Bezahldiensten. Einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom vom Januar 2017 zufolge würden Verbraucher bei ihren Einkäufen im Internet Online-Bezahldienste (67% der Befragten) stärker als Lastschriftverfahren (47%) oder Kreditkarte (43%) nutzen. Barzahlung bei Abholung (10%) oder Zahlung per Nachnahme (6%) würden dagegen kaum genutzt. Die Wirecard AG sei nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Outsourcing- und White-Label-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr und sollte vom kontinuierlichen Wachstum des E-Commerce und der voranschreitenden Digitalisierung profitieren.

Wirecard unterstütze seine Kunden (u.a. stationärer Einzelhandel, Online-Händler, Kreditkartenanbieter) bei der Annahme elektronischer Zahlungen aus allen Vertriebskanälen über eine globale Multi-Channel-Plattform. Diese biete internationale Zahlungsakzeptanzen und -verfahren. Lösungen zur Vorbeugung von Betrug würden das Angebot ergänzen. Darüber hinaus biete das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Aschheim seinen Kunden die komplette Infrastruktur für die Herausgabe eigener Zahlungsinstrumente (Karten oder mobile Zahlungslösungen).

Im Geschäftsjahr 2016 habe Wirecard einen Umsatzzuwachs von 33,3% auf 1.028,4 Mio. Euro erzielt (2015: 771,3 Mio. Euro). Das über die Wirecard-Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen habe um 36,5% auf 61,7 Mrd. Euro zugelegt, 31,8% davon seien außerhalb Europas abgewickelt worden. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) habe sich um 35,2% auf 307,4 Mio. Euro erhöht (2015: 227,3 Mio. Euro). Mit einem Plus von 87,0% sei das Ergebnis nach Steuern noch deutlich stärker gestiegen und habe 266,7 Mio. Euro erreicht (2015: 142,6 Mio. Euro), wobei hierin ein Sondereffekt durch Verkauf der Anteile an Visa Europa in Höhe von 90 Mio. Euro enthalten sei. Mit Vorlage der endgültigen Zahlen in der vergangenen Woche habe der Vorstand die Erwartung eines starken Geschäftsjahres 2017 bestätigt, in dem das EBITDA auf einen Wert zwischen 382 Mio. Euro und 400 Mio. Euro steigen solle.

Impulse würden Wirecard-CEO Dr. Markus Braun zufolge zum einen vom anhaltenden Wachstum des E-Commerce ausgehen. Zum anderen biete die voranschreitende Digitalisierung des stationären Handels zusätzliche Wachstumschancen im Bereich Omni-Channel und Connected Commerce. Hierbei wolle Wirecard die Unternehmen dabei unterstützen, die Vorteile von integrierten und digitalisierten Payment-Lösungen und Mehrwertdienstleistungen zu nutzen. Ein Beispiel hierfür sei die Drogeriemarktkette Rossmann, für die Wirecard das Alipay Barcode Payment in das zentrale Kassensystem integriert habe und künftig die Abwicklung dieser Zahlungen übernehme. Dies ermögliche es chinesischen Touristen - eine zunehmend wichtiger werdende Zielgruppe für Rossmann -, an allen Kassen und im Onlineshop mit ihrer heimischen Alipay-App zu bezahlen.

Darüber hinaus stärke der Vorstand die globale Position durch Übernahmen. So sei mit dem Markteintritt u.a. in Indien, den USA und Brasilien die weltweite Präsenz von Wirecard in den vergangenen Monaten gestärkt worden. Im asiatisch-pazifischen Raum sei die Marktposition durch die Übernahme des Citigroup-Acquiring-Kundenportfolios gestärkt worden, das einen Kundenstamm von mehr als 20.000 Händlern in der Region umfasse und nach Erachten der Analysten ab 2018 zu steigenden Margen führen dürfte.

Risikofaktoren für die Geschäftsentwicklung würden aus Sicht der Analysten Probleme bei der Integration übernommener Portfolios bzw. Unternehmen darstellen. Zudem könne sich eine sinkende Konsumfreudigkeit (z.B. infolge einer schwächeren Konjunktur) nachteilig auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Vorwürfe bezüglich einer unklaren Position in der Bilanz für 2015 habe das Unternehmen als völlig haltlos zurückgewiesen. Auch wenn die erhobenen Bedenken zur Bilanzierung von abzuwickelnden Kreditkartenumsätzen nach Erachten der Analysten nicht neu seien, könnten wiederholte Berichte darüber zu erhöhten Kursausschlägen bei der Aktie führen.

Die Aktie der Wirecard AG sehen die Analysten der DZ BANK in einem langfristigen Aufwärtstrend, dessen Ausgangspunkt das im Juli 2008 markierte Tief bei 2,96 Euro bildet. Im Zuge der übergeordneten Aufwärtsbewegung habe die Wirecard-Aktie Ende Oktober 2015 ein Rekordhoch bei 48,96 Euro erreicht. Anschließend sähen sie eine Konsolidierung, die sich im ersten Quartal 2016 durch stärkere Kursrückgänge zu einer Korrektur ausgeweitet habe.

Im März 2016 habe die Wirecard-Aktie ein Tief bei 29,40 Euro markiert. Diesem sei ein neuer Aufwärtsimpuls gefolgt, der die Aktie bis Oktober 2016 auf 47,00/47,20 Euro geführt habe. Dort sei sie auf Widerstände in Gestalt früherer Hochpunkte von 2015/2016 gestoßen. Nach einer Korrektur auf 38,59 Euro habe die Wirecard-Aktie ab Mitte Dezember 2016 die vorangegangene Aufwärtsbewegung fortgesetzt. Im vergangenen Monat sei es ihr dabei gelungen, sowohl über das Vorgängerhoch bei 47,20 Euro als auch über das bisherige Rekordhoch bei 48,96 Euro auszubrechen. Letzte Woche habe sie mit 53,37 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch und zugleich ein neues Rekordhoch markiert.

Den Ausbruch auf ein neues Allzeithoch werten die Analysten der DZ BANK als bullisches Zeichen, da die Wirecard-Aktie nun keine früheren Widerstände mehr vor sich hat. Zudem sei im Zuge der Korrektur die entlang der Tiefs vom März und Juni 2016 verlaufende Aufwärtstrendlinie bestätigt worden. Die steigende 200-Tage-Linie würden die Analysten ebenfalls als positives Zeichen werten und eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends erwarten.

Die nächsten Kursziele sähen sie bei 54,28 und 61,05 Euro (127,2%- bzw. 161,8%-Fibonacci-Extensions der Korrektur von Oktober 2015 bis März 2016). Unterstützungen für Rücksetzer der Kursnotierung fänden sich bei 48,96/47,90 Euro. Besonders bedeutsam sei der Bereich um 47,00 Euro, da sich hier eine Vielzahl früherer Hochpunkte befänden, die nun als potenzielle Unterstützungen infrage kommen würden. Von der bullischen Einschätzung des Chartbildes müssten die Analysten der DZ BANK erst Abstand nehmen, wenn die Wirecard-Aktie nachhaltig unter die 200-Tage-Linie (aktuell bei 43,66 Euro) bzw. die darunter verlaufende, seit März 2016 bestehende Aufwärtstrendlinie (aktuell bei 41,17 Euro) zurückfällt.

Als alternative Anlagemöglichkeit zur Direktanlage stünden verschiedene Aktienanleihen mit dem Basiswert Wirecard zur Verfügung. Ein Beispiel sei die Aktienanleihe mit Fälligkeit am 23.03.2018 (Rückzahlungstermin), einem Basispreis von 47,619 Euro und einer Zinszahlung von 8,60% p.a. Die Zinszahlung am Zinszahlungstermin, ebenfalls der 23.03.2018, sei unabhängig von der Wertentwicklung der Aktie der Wirecard AG. Dividendenansprüche aus der Aktie stünden dem Anleger nicht zu.

Die Art und Höhe der Rückzahlung am Rückzahlungstermin sei abhängig von der Wertentwicklung der Aktie der Wirecard AG. Für die Rückzahlung der Aktienanleihe gebe es zwei Möglichkeiten: Notiere die Aktie am 16.03.2018 per Schlusskurs (Xetra) auf oder über dem Basispreis von 47,619 Euro, werde die Aktienanleihe zum Nennbetrag (1.000,00 Euro) zurückgezahlt.

Notiere die Aktie am 16.03.2018 per Schlusskurs (Xetra) unter dem Basispreis von 47,619 Euro, erhalte der Anleger Aktien der Wirecard AG in der durch das Bezugsverhältnis bestimmten Zahl. Das Bezugsverhältnis betrage 21,00. Dementsprechend erhalte der Anleger 21 Aktien. Der Gegenwert der Aktien werde in diesem Fall unter dem Nennbetrag liegen.

Die Aktienanleihe Classic auf die Aktie von Wirecard richte sich somit an Anleger, die davon ausgehen würden, dass der Schlusskurs der Aktie der Wirecard AG am 16.03.2018 auf oder über 47,619 Euro notieren werde. Bei Erwerb der Aktienanleihe während der Laufzeit müssten zusätzlich anteilig aufgelaufene Zinsen (Stückzinsen) entrichtet werden. Aktuell würden sich die Stückzinsen auf 12,96 Euro belaufen. (Ausgabe vom 12.04.2017) (13.04.2017/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.