Aktienanleihe Classic auf Linde: Fusion mit Praxair - die Zweite! - Anleiheanalyse


08.12.16 10:30
DZ BANK

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das DZ BANK-Derivate-Team stellt als Alternative zum Direktinvestment in die Aktie von Linde eine Aktienanleihe Classic (ISIN DE000DGK1UD5 / WKN DGK1UD) mit dem Basiswert Linde vor.

Was lange währe, werde endlich gut - eine Lebensweisheit, die möglicherweise auch für Linde und Praxair gelte. Beide Unternehmen würden wieder über eine Fusion sprechen, nachdem ein erster Anlauf im September gescheitert sei. Würden die Gespräche dieses Mal erfolgreich verlaufen, könnte ein neuer Branchenprimus für Industriegase entstehen.

In einer knappen Ad-hoc-Mitteilung habe der Vorstand der Linde AG letzte Woche bekannt gegeben, dass man einen modifizierten Vorschlag des US-amerikanischen Wettbewerbers Praxair für einen potenziellen Zusammenschluss unter Gleichen erhalten habe. Der Vorstand werde diesen Vorschlag prüfen. Praxair habe die überarbeitete Offerte bestätigt, habe aber auch mitgeteilt, dass es nicht sicher sei, ob es zu einer Transaktion komme. Im September seien erste Gespräche über einen Zusammenschluss an Unstimmigkeiten über den künftigen Firmensitz und die Besetzung des Managements gescheitert. In der Folge habe es bei Linde Veränderungen im Vorstand gegeben. So sei Finanzvorstand Georg Denoke ausgeschieden und der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Büchele habe bekannt gegeben, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen.

Durch einen Zusammenschluss beider Unternehmen würde der weltweit größte Anbieter von Industriegasen entstehen, zugleich würden sich Analysten zufolge Synergieeffekte von mehr als 1 Mrd. USD jährlich ergeben, u.a. durch Kosteneinsparungen. Komme es zu einer Fusion, gäbe es nur noch drei große Anbieter am weltweiten Markt für Industriegase. Dies könnte nach Einschätzung der Analysten der DZ BANK zu verbesserten Wachstumschancen und höheren Margen führen, mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Profitabilität.

Unabhängig von der neuen Praxair-Offerte habe Linde Ende Oktober ein neues Effizienzprogramm namens Lift angekündigt. Die Verbesserung interner Abläufe und Vereinfachung von Entscheidungsprozessen sollten Effizienz und Profitabilität steigern. Einschließlich der seit 2015 laufenden Maßnahmen wolle Linde mit dem auf drei Jahre ausgerichteten Programm Einsparungen von rund 550 Mio. Euro pro Jahr von 2019 an erzielen. 2016 und 2017 würden dafür einmalige Restrukturierungskosten in Höhe von rund 400 Mio. Euro anfallen.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hätten niedrige Umsatz- und Ergebnisbeiträge der Engineering Division (Anlagenbau) und negative Währungskursveränderungen zu einer rückläufigen Entwicklung des Konzernumsatzes geführt, der mit 12,97 Mrd. Euro um 4,3% unter dem Vorjahreswert gelegen habe (9M 2015: 13,55 Mrd. Euro). Das operative Ergebnis (EBIT vor Sondereinflüssen bereinigt um Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen) sei im gleichen Zeitraum um 2,3% auf 3,07 Mrd. Euro zurückgegangen (9M 2015: 3,14 Mrd. Euro). Für das Gesamtjahr 2016 rechne der Vorstand weiterhin mit einer währungsbereinigten Entwicklung von Konzernumsatz und operativem Konzernergebnis von -3% bis +4% im Vergleich zum Vorjahr.

Risiken sähen die Analysten in einem erneuten Scheitern der Gespräche zwischen Linde und Praxair, was zu Kursrückschlägen bei der Aktie von Linde führen könnte. Selbst wenn sich beide Unternehmen einigen würden, werde eine Fusion aufgrund der Größe des potenziellen neuen Unternehmens auch von den Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden abhängen. Diese dürften ihre Zustimmung nach Erachten der Analysten auch von der Veräußerung von Teilen des Geschäfts beider Unternehmen abhängig machen. Darüber hinaus würden die Entwicklung des Branchenumfelds und negative Währungseffekte weitere Risikofaktoren für die Geschäftsentwicklung und damit auch für die Kursentwicklung der Linde-Aktie darstellen.

Aus dem charttechnischen Blickwinkel betrachtet, sehen die Analysten der DZ BANK die Linde-Aktie seit August 2016 wieder in einer Aufwärtsbewegung. Vorausgegangen sei eine Korrektur, in deren Zuge die Aktie von ihrem im März 2015 erreichten Allzeithoch bei 195,55 Euro auf ein Tief bei 113,50 Euro zurückgefallen sei, das sie im Februar 2016 markiert habe. Nach einer Erholung auf 136,90 Euro seien nochmals schwächere Notierungen gefolgt, wobei das Vorgängertief nicht mehr unterschritten worden sei. Die Linde-Aktie habe daraufhin wieder zugelegt und sei im August sowohl über das Vorgängerhoch als auch über die 200-Tage-Linie gestiegen. Nach einem Anstieg auf 158,00 Euro sei auf den Abbruch der ersten Fusionsgespräche ein Rücksetzer auf 135,65 Euro gefolgt, der aber nicht von Dauer gewesen sei.

Seit Mitte September sehe man bei der Linde-Aktie wieder steigende Notierungen. Die erneute Ankündigung von Fusionsgesprächen habe der Aktie letzte Woche zum Anstieg über den Widerstand bei 155,45/158,00 Euro und auf ein neues Jahreshoch bei 162,75 Euro verholfen. Damit sei zugleich die Hälfte der Abwärtsbewegung von 195,55 auf 113,50 Euro korrigiert worden. Das nächste Kursziel bilde nun das 61,8%-Fibonacci-Retracement bei 164,21 Euro. Unterstützung würden der ehemalige Widerstandsbereich um 155,00 Euro sowie der Bereich um 145,00 Euro bieten. Sollte die Linde-Aktie jedoch darunter zurückfallen, müsste nach Erachten der Analysten der DZ BANK von weiteren Abgaben und einem Test des Tiefs bei 135,65 Euro ausgegangen werden.

Als alternative Anlagemöglichkeit zur Direktanlage stünden verschiedene Aktienanleihen mit dem Basiswert Linde zur Verfügung. Ein Beispiel sei eine Aktienanleihe mit einem Basispreis von 142,857 Euro und einer Zinszahlung von 5,25% p.a. Die Zinszahlung sei unabhängig von der Wertentwicklung der Aktie der Linde AG. Dividendenansprüche aus der Aktie stünden dem Anleger nicht zu.

Für die Rückzahlung der Aktienanleihe gebe es zwei Möglichkeiten: Notiere die Aktie am 15.12.2017 per Schlusskurs (Xetra) auf oder über dem Basispreis, werde die Aktienanleihe zum Nennbetrag (1.000,00 Euro) zurückgezahlt. Notiere die Aktie am 15.12.2017 per Schlusskurs (Xetra) unter dem Basispreis, erfolge eine Rückzahlung durch Lieferung von Aktien entsprechend dem Bezugsverhältnis (7,00). Dementsprechend erhalte der Anleger sieben Aktien. Der Gegenwert der Aktien werde in diesem Fall unter dem Nennbetrag von 1.000,00 Euro liegen. Bei Erwerb der Aktienanleihe während der Laufzeit müssten zusätzlich anteilig aufgelaufene Zinsen (Stückzinsen) entrichtet werden. Aktuell würden sich die Stückzinsen auf 0,43 Euro belaufen. (Ausgabe vom 05.12.2016) (08.12.2016/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.