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Abschwächende Konjunktur bremst Zinsen weiter ein


13.05.19 11:00
Bankhaus Carl Spängler & Co

Salzburg (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt ihren geldpolitischen Maßnahmenmix weiterhin unverändert, so die Analysten vom Bankhaus Carl Spängler & Co.

Auch die Forward Guidance - die Auskunft über die Absichten des EZB-Rates mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der EZB-Leitzinsen und weiterer geldpolitischer Maßnahmen - werde beibehalten.

Die Leitzinsen würden auf ihren niedrigen Niveaus bleiben (Einlagesatz bei -0,40%, Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25%) und dort zumindest bis zum Jahresende verharren. Sollte das Inflationsziel von knapp unter 2,00% bis dahin nicht erreicht werden, dürften sich die Leitzinsen auch im nächsten Jahr kaum nach oben bewegen.

Fälligkeiten aus den im Rahmen des Anleihenkaufprogramms erworbenen Anleihen würden für eine lange Zeit nach dem Zeitpunkt einer ersten Zinsanhebung in vollem Umfang reinvestiert.

Im März habe die EZB bestätigt, was viele bereits vermutet hätten: Die Abschwächung der Konjunkturdaten in der Eurozone habe einen tiefen Eindruck auf die Mitglieder des EZB-Rates hinterlassen. Die Zinserwartungen seien nach unten angepasst und ein neues Liquiditätsprogramm für Banken (TLTRO III, Targeted Longer Term Refinancing Operation) angekündigt worden. Der Zinsausblick sei dahingehend adaptiert worden, dass die Leitzinsen mindestens über das Jahresende hinaus unverändert bleiben würden. Sollte sich die Inflationsrate dann nicht dem Ziel von knapp unter 2,00% annähern, auch noch einige Zeit darüber hinaus. Somit werde es in der Amtszeit von Noch-EZB-Präsident Draghi zu keiner einzigen Leitzinserhöhung kommen.

Die EZB halte sich bei ihren Ausführungen zum neuen TLTRO III Programm vorerst noch zurück. Fakt sei: Ab September 2019 bis März 2021 würden den Banken Kreditlinien zur Verfügung gestellt, um günstige Kreditvergabebedingungen für Banken aufrechtzuerhalten. Am 6. Juni lägen der EZB die neuesten Wirtschaftsprognosen für die Eurozone vor. Dann würden detaillierte Informationen zur Ausgestaltung des TLTRO III Programms erwartet.

Die Risiken für die Konjunktur in der Eurozone sähen die Währungshüter weiterhin nach unten gerichtet, wohingegen die Gefahr vor einer Rezension als geringer eingeschätzt werde als noch zu Jahresbeginn.

Vor dem Hintergrund einer weiter äußerst expansiv auftretenden Notenbank bleibe der Druck auf die Geldmarktzinsen - wie etwa auf den 3-Monats-Euribor - auch für die nächsten Monate aufrecht. Auch die Kapitalmarktzinsen würden nahe ihren Tiefständen verweilen. Ende März seien die Zinsen für 10-jährige deutsche Staatsanleihen - erstmals seit Spätsommer 2016 - wieder unter die Marke von 0,00% gefallen.

Die US-Notenbank belasse ihre Leitzinsspanne vorerst bei 2,25% bis 2,50%. Diese Entscheidung sei von den stimmberechtigten FOMC-Mitgliedern im Mai einstimmig gefällt worden. Die vorsichtige Konjunktureinschätzung von Januar sei aufgrund der erfreulichen jüngsten Wirtschaftsentwicklungen wieder zurückgenommen worden. Skeptisch würden die Währungshüter auf die abgeflaute Konsumdynamik und die verhaltenen Anlageinvestitionen blicken. Angesichts der stabilen Entwicklung am US-Arbeitsmarkt verbleibe die FED aber vorerst in einer abwartenden Haltung und sehe sich somit auch nicht gezwungen, voreilige Zinssenkungen durchzuführen. Diese Option sei von einigen Marktakteuren aufgrund von aufkommenden Rezessionsängsten zuletzt diskutiert worden.

FED-Chairman Powell habe auf den verhaltenen Inflationsdruck im ersten Quartal verwiesen und die Tatsache, dass das Inflationsziel vorerst nicht erreicht worden sei. Spekulationen über eine damit einhergehende Zinssenkung habe er aber mit dem Verweis auf Einmaleffekte beseitigt. In Sachen Verkleinerung des Anleihenportfolios sei der im März bekannt gegebene Fahrplan wiederum bestätigt worden: Ab Juni werde der Abbau gedrosselt, ehe er dann mit September zur Gänze eingestellt werde.

Die FED habe mit ihren kürzlich getroffenen Entscheidungen die konjunkturelle Erholung gewürdigt und eine vorzeitige Leitzinssenkung vom Tisch genommen. Vorerst begebe sie sich damit in eine wait-and-see-Position und werde vor möglichen weiteren Zinsschritten die weitere Datenlage genau beobachten. (13.05.2019/alc/a/a)