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AT1-Anleihen/CoCos: Warum Größe im europäischen Bankensektor wichtig ist
09.10.25 12:00
Jupiter AM
London (www.anleihencheck.de) - Die europäischen Banken stehen heute ganz anders da als zum Zeitpunkt der globalen Finanzkrise, so Luca Evangelisti, Head of Credit Research und Investmentmanager, und Paridhi Garg, Investment Analyst bei Jupiter Asset Management.
Für die Kreditinstitute seien die weltweiten Turbulenzen vor fast zwei Jahrzehnten ein Weckruf gewesen, ihre Kapitalreserven aufzustocken und ihre Bilanzen zu stärken.
Die auf die globale Finanzkrise folgende Eurokrise habe die Schwächen der Banken in Ländern wie Irland, Portugal, Spanien, Griechenland und Zypern offengelegt und politisch heikle Rettungsmaßnahmen erforderlich gemacht. In diesem Zusammenhang seien Additional Tier 1 (AT1)-Anleihen (auch als CoCos bekannt) entstanden.
AT1-Anleihen seien hybride Instrumente, die Eigenschaften von Fremdkapital und Eigenkapital aufweisen würden und mit einem Puffer für die Verlustabsorption im Krisenfall ausgestattet seien. Die ersten AT1-Anleihen seien 2013 ausgegeben worden, um die Kapitalbasis von Banken zu stärken. Seither habe sich das Segment zu einer verlässlichen Kapitalquelle für Banken entwickelt. Das weltweit ausstehende Volumen an AT1-Anleihen entspreche mittlerweile etwa der Hälfte des Volumens an auf Euro lautenden hochverzinslichen Unternehmensanleihen.
In den vergangenen zehn Jahren hätten die europäischen Banken die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise genauso überstanden wie die Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Credit Suisse und der Vertrauenskrise im US-Regionalbanksektor aufgrund der Pleite der Silicon Valley Bank. Die vollständige Abschreibung der AT1-Anleihen der Credit Suisse im Jahr 2023 sei heftig umstritten gewesen und habe zu rechtlichen Auseinandersetzungen geführt, da die Aktionäre der Bank - die gemäß der üblichen Verlusthierarchie im Falle eines Bankzusammenbruchs hinter den AT1-Anleihegläubigern rangieren würden - eine Teilentschädigung erhalten hätten.
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Bank of England hätten jedoch klargestellt, dass sich eine derartige Behandlung nicht auf ihre Jurisdiktionen übertragen ließe, was zu einer Verengung der Credit Spreads beigetragen habe.
Zusätzlich gestützt worden seien die Fundamentaldaten der europäischen Banken durch die Straffung der Geldpolitik ab 2022, mit der die Zentralbanken die durch den pandemiebedingten Nachfragestau und Lieferkettenstörungen angeheizte Inflation wieder unter Kontrolle hätten bringen wollen. Die Zinsanhebungen hätten zu höheren Zinserträgen für Banken geführt, die ihre Kreditzinsen entsprechend angehoben hätten, während die Einlagenzinsen niedrig geblieben seien. Rekordhohe Gewinne, eine solide Kapitalausstattung, geringe Wertminderungen und hohe Zinsmargen hätten sich positiv auf das Eigenkapital und die Kreditbewertungen der Banken ausgewirkt.
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank habe sich die aggregierte annualisierte Eigenkapitalrendite des EU-Bankensektors deutlich vom Einbruch während der Corona-Krise erholt und Ende Juni 2025 bei 10,11% gelegen. So hoch wie aktuell - 16,12% - sei die aggregierte Kernkapitalquote der Banken in der EU seit mindestens 2015 nicht mehr gewesen.
Dadurch würden AT1-Anleihen weiterhin gute Spreads und Renditeaufschläge gegenüber normalen Hochzinsanleihen von Nicht-Finanzunternehmen mit BB-Rating bieten, obwohl ihre Spreads im historischen Vergleich eng seien. Ein weiterer Faktor für die anhaltende Attraktivität der Anlageklasse sei, dass rund 45% der im Umlauf befindlichen AT1-Anleihen ein Rating von BB oder niedriger hätten, aber größtenteils von Banken mit einem Investment-Grade-Rating emittiert würden.
Ein aktuell großes Thema im europäischen Bankensektor, das seit 2024 an Dynamik gewonnen habe, sei die Bankenkonsolidierung. Nach großzügigen Ausschüttungen an ihre Aktionäre hätten die europäischen Banken gezielt ergänzende Akquisitionen getätigt, sowohl in ihren Heimatmärkten als auch grenzüberschreitend. Dies habe die Credit Spreads ebenfalls gestützt, vor allem die von Emissionen kleinerer, profitabler Banken, bei denen sich derartige M&A-Transaktionen durch Skaleneffekte, Kapitalwachstum und Kosteneffizienzen auszahlen würden.
Die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) würden seit langem die Auffassung vertreten, dass die Konsolidierung des Bankensektors zu einer stärker integrierten EU-Bankenunion beitragen werde, sofern überzeugende Businesspläne vorlägen, die auf Kostensynergien abzielen und sowohl für Kunden als auch für Aktionäre einen Mehrwert schaffen würden. Dieser Ansatz stoße jedoch häufig auf Widerstand seitens nationaler Regierungen und lokaler Gewerkschaften, die negative Auswirkungen auf Wettbewerb und Arbeitsplätze befürchten würden, insbesondere wenn große Bankengruppen beteiligt seien.
Wie ein aktueller Bericht von Moody‘s zeige, habe die Konzentration der Bankensysteme in Ländern wie Zypern, Griechenland, Spanien, Italien und Bulgarien, die nach der Krise von 2008 ums finanzielle Überleben gekämpft hätten, schneller zugenommen, während sie in Frankreich, Finnland, Belgien und Schweden zurückgegangen sei.
Zu den jüngsten M&A-Vorhaben im europäischen Bankensektor gehöre die Übernahme der portugiesischen Novo Banco durch die französische Bankengruppe BPCE. BPCE habe angekündigt, für 6,4 Mrd. Euro die 75-prozentige Beteiligung von Lone Star zu übernehmen, die der US-amerikanische Private-Equity-Fonds 2017 erworben habe. Novo Banco sei 2014 nach einer staatlichen Rettungsaktion aus der zusammengebrochenen Banco Espirito Santo entstanden. Die italienische UniCredit habe ihren Anteil an der Alpha Bank, der viertgrößten Bank Griechenlands (gemessen an der Bilanzsumme), schrittweise von 9% im Jahr 2023 auf 26% erhöht. Dieses anhaltende Interesse sei sowohl vom CEO der griechischen Bank als auch vom griechischen Premierminister begrüßt worden und habe die Credit Spreads der Alpha Bank gestützt. Im August 2025 habe die französische Credit Agricole ihren Anteil an der italienischen Banco BPM auf rund 20% erhöht und sei damit zum größten Anteilseigner der Bank geworden.
Einige Übernahmeversuche seien jedoch auf Widerstand der betreffenden Regierungen gestoßen. In Spanien habe BBVA im Mai 2024 ein Übernahmeangebot in Höhe von 12 Mrd. Euro für Banco Sabadell abgegeben. Die Verhandlungen seien noch im Gange und die Genehmigung der Transaktion stehe noch aus, da sowohl der Vorstand von Sabadell als auch die spanische Regierung die Fusion nicht befürworten würden. In Deutschland habe sich die Regierung einer Übernahme der Commerzbank, des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts, durch UniCredit entgegengestellt. UniCredit habe über die vergangenen zwölf Monate eine nennenswerte Beteiligung an der Commerzbank aufgebaut. In Italien habe die Regierung unter Berufung auf das sogenannte Golden-Power-Gesetz und nationale Sicherheitsinteressen strenge Auflagen für eine Übernahme der italienischen Banco BPM durch UniCredit erlassen. Daraufhin sei der Deal geplatzt.
Synergieeffekte durch Konsolidierung
Aus Sicht von Jupiter Asset Management sei eine Konsolidierung der EU-Bankenlandschaft grundsätzlich vorteilhaft. Für Kreditinvestoren sei jedoch entscheidend, dass jede Fusion letztlich kapitalerhöhend wirke und auch auf kurze bis mittlere Sicht nicht zu einer erheblichen Verschlechterung der Eigenkapitalquoten führe. Genauso wichtig seien der Zeitplan für den Abschluss der Transaktion, Details zu potenziellen Kosteneinsparungen und etwaige Änderungen der Finanzierungsstruktur. Eine Transaktion ohne klar definierte Finanzierungsstrategie führe zu Unsicherheit in Bezug auf die Credit Spreads und könne die kurzfristige Strategie der Bank beeinträchtigen.
Ganz allgemein sei Größe wichtig. Das gelte insbesondere für Europa, wo zahlreiche kleine Banken durch steigende IT-Kosten und hohe Regulierungskosten unter Druck stünden. Fusionen und Übernahmen könnten entscheidend dazu beitragen, größere, effizientere und fundamental stärkere europäische Bankengruppen zu schaffen. Dadurch könnten sich auch die Credit Spreads dem Niveau der großen US-Banken weiter annähern. (09.10.2025/alc/a/a)
Für die Kreditinstitute seien die weltweiten Turbulenzen vor fast zwei Jahrzehnten ein Weckruf gewesen, ihre Kapitalreserven aufzustocken und ihre Bilanzen zu stärken.
Die auf die globale Finanzkrise folgende Eurokrise habe die Schwächen der Banken in Ländern wie Irland, Portugal, Spanien, Griechenland und Zypern offengelegt und politisch heikle Rettungsmaßnahmen erforderlich gemacht. In diesem Zusammenhang seien Additional Tier 1 (AT1)-Anleihen (auch als CoCos bekannt) entstanden.
AT1-Anleihen seien hybride Instrumente, die Eigenschaften von Fremdkapital und Eigenkapital aufweisen würden und mit einem Puffer für die Verlustabsorption im Krisenfall ausgestattet seien. Die ersten AT1-Anleihen seien 2013 ausgegeben worden, um die Kapitalbasis von Banken zu stärken. Seither habe sich das Segment zu einer verlässlichen Kapitalquelle für Banken entwickelt. Das weltweit ausstehende Volumen an AT1-Anleihen entspreche mittlerweile etwa der Hälfte des Volumens an auf Euro lautenden hochverzinslichen Unternehmensanleihen.
In den vergangenen zehn Jahren hätten die europäischen Banken die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise genauso überstanden wie die Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Credit Suisse und der Vertrauenskrise im US-Regionalbanksektor aufgrund der Pleite der Silicon Valley Bank. Die vollständige Abschreibung der AT1-Anleihen der Credit Suisse im Jahr 2023 sei heftig umstritten gewesen und habe zu rechtlichen Auseinandersetzungen geführt, da die Aktionäre der Bank - die gemäß der üblichen Verlusthierarchie im Falle eines Bankzusammenbruchs hinter den AT1-Anleihegläubigern rangieren würden - eine Teilentschädigung erhalten hätten.
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Bank of England hätten jedoch klargestellt, dass sich eine derartige Behandlung nicht auf ihre Jurisdiktionen übertragen ließe, was zu einer Verengung der Credit Spreads beigetragen habe.
Zusätzlich gestützt worden seien die Fundamentaldaten der europäischen Banken durch die Straffung der Geldpolitik ab 2022, mit der die Zentralbanken die durch den pandemiebedingten Nachfragestau und Lieferkettenstörungen angeheizte Inflation wieder unter Kontrolle hätten bringen wollen. Die Zinsanhebungen hätten zu höheren Zinserträgen für Banken geführt, die ihre Kreditzinsen entsprechend angehoben hätten, während die Einlagenzinsen niedrig geblieben seien. Rekordhohe Gewinne, eine solide Kapitalausstattung, geringe Wertminderungen und hohe Zinsmargen hätten sich positiv auf das Eigenkapital und die Kreditbewertungen der Banken ausgewirkt.
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank habe sich die aggregierte annualisierte Eigenkapitalrendite des EU-Bankensektors deutlich vom Einbruch während der Corona-Krise erholt und Ende Juni 2025 bei 10,11% gelegen. So hoch wie aktuell - 16,12% - sei die aggregierte Kernkapitalquote der Banken in der EU seit mindestens 2015 nicht mehr gewesen.
Ein aktuell großes Thema im europäischen Bankensektor, das seit 2024 an Dynamik gewonnen habe, sei die Bankenkonsolidierung. Nach großzügigen Ausschüttungen an ihre Aktionäre hätten die europäischen Banken gezielt ergänzende Akquisitionen getätigt, sowohl in ihren Heimatmärkten als auch grenzüberschreitend. Dies habe die Credit Spreads ebenfalls gestützt, vor allem die von Emissionen kleinerer, profitabler Banken, bei denen sich derartige M&A-Transaktionen durch Skaleneffekte, Kapitalwachstum und Kosteneffizienzen auszahlen würden.
Die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) würden seit langem die Auffassung vertreten, dass die Konsolidierung des Bankensektors zu einer stärker integrierten EU-Bankenunion beitragen werde, sofern überzeugende Businesspläne vorlägen, die auf Kostensynergien abzielen und sowohl für Kunden als auch für Aktionäre einen Mehrwert schaffen würden. Dieser Ansatz stoße jedoch häufig auf Widerstand seitens nationaler Regierungen und lokaler Gewerkschaften, die negative Auswirkungen auf Wettbewerb und Arbeitsplätze befürchten würden, insbesondere wenn große Bankengruppen beteiligt seien.
Wie ein aktueller Bericht von Moody‘s zeige, habe die Konzentration der Bankensysteme in Ländern wie Zypern, Griechenland, Spanien, Italien und Bulgarien, die nach der Krise von 2008 ums finanzielle Überleben gekämpft hätten, schneller zugenommen, während sie in Frankreich, Finnland, Belgien und Schweden zurückgegangen sei.
Zu den jüngsten M&A-Vorhaben im europäischen Bankensektor gehöre die Übernahme der portugiesischen Novo Banco durch die französische Bankengruppe BPCE. BPCE habe angekündigt, für 6,4 Mrd. Euro die 75-prozentige Beteiligung von Lone Star zu übernehmen, die der US-amerikanische Private-Equity-Fonds 2017 erworben habe. Novo Banco sei 2014 nach einer staatlichen Rettungsaktion aus der zusammengebrochenen Banco Espirito Santo entstanden. Die italienische UniCredit habe ihren Anteil an der Alpha Bank, der viertgrößten Bank Griechenlands (gemessen an der Bilanzsumme), schrittweise von 9% im Jahr 2023 auf 26% erhöht. Dieses anhaltende Interesse sei sowohl vom CEO der griechischen Bank als auch vom griechischen Premierminister begrüßt worden und habe die Credit Spreads der Alpha Bank gestützt. Im August 2025 habe die französische Credit Agricole ihren Anteil an der italienischen Banco BPM auf rund 20% erhöht und sei damit zum größten Anteilseigner der Bank geworden.
Einige Übernahmeversuche seien jedoch auf Widerstand der betreffenden Regierungen gestoßen. In Spanien habe BBVA im Mai 2024 ein Übernahmeangebot in Höhe von 12 Mrd. Euro für Banco Sabadell abgegeben. Die Verhandlungen seien noch im Gange und die Genehmigung der Transaktion stehe noch aus, da sowohl der Vorstand von Sabadell als auch die spanische Regierung die Fusion nicht befürworten würden. In Deutschland habe sich die Regierung einer Übernahme der Commerzbank, des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts, durch UniCredit entgegengestellt. UniCredit habe über die vergangenen zwölf Monate eine nennenswerte Beteiligung an der Commerzbank aufgebaut. In Italien habe die Regierung unter Berufung auf das sogenannte Golden-Power-Gesetz und nationale Sicherheitsinteressen strenge Auflagen für eine Übernahme der italienischen Banco BPM durch UniCredit erlassen. Daraufhin sei der Deal geplatzt.
Synergieeffekte durch Konsolidierung
Aus Sicht von Jupiter Asset Management sei eine Konsolidierung der EU-Bankenlandschaft grundsätzlich vorteilhaft. Für Kreditinvestoren sei jedoch entscheidend, dass jede Fusion letztlich kapitalerhöhend wirke und auch auf kurze bis mittlere Sicht nicht zu einer erheblichen Verschlechterung der Eigenkapitalquoten führe. Genauso wichtig seien der Zeitplan für den Abschluss der Transaktion, Details zu potenziellen Kosteneinsparungen und etwaige Änderungen der Finanzierungsstruktur. Eine Transaktion ohne klar definierte Finanzierungsstrategie führe zu Unsicherheit in Bezug auf die Credit Spreads und könne die kurzfristige Strategie der Bank beeinträchtigen.
Ganz allgemein sei Größe wichtig. Das gelte insbesondere für Europa, wo zahlreiche kleine Banken durch steigende IT-Kosten und hohe Regulierungskosten unter Druck stünden. Fusionen und Übernahmen könnten entscheidend dazu beitragen, größere, effizientere und fundamental stärkere europäische Bankengruppen zu schaffen. Dadurch könnten sich auch die Credit Spreads dem Niveau der großen US-Banken weiter annähern. (09.10.2025/alc/a/a)


