Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hielt sich bei der gestrigen Sitzung alle geldpolitischen Optionen offen, so Mondher Bettaieb, Head of Corporate Credit bei Vontobel Asset Management.
Die Zentralbank habe die Wachstumsprognose für die Europäische Union für dieses Jahr von 1,1 auf 1,2 Prozent angehoben, während sich die weiteren Aussichten nicht wesentlich verschlechtert hätten. Infolgedessen sei der Ton der EZB etwas weniger gemäßigt ausgefallen, als erwartet.
Mario Draghi habe zudem mehrmals betont, dass Zinssenkungen und erneute Anleihenkäufe weiterhin durchaus praktikable Optionen seien, um das System zu stützen - vor allem, wenn die US-Notenbank FED die Zinsen infolge anhaltender Handelsspannungen zwischen den USA und China wieder senken würde. Zinssenkungen seien eine Absicherungsstrategie der FED und würden dazu dienen, die Weltwirtschaft auf einem nachhaltigen Wachstumspfad zu halten. Schließlich gibt es derzeit viele Handelsunsicherheiten, die eine Zinssenkungen rechtfertigen würden, obwohl die Verbraucherausgaben auf beiden Seiten des Atlantiks in guter Verfassung sind und widerstandsfähig erscheinen, so die Experten von Vontobel Asset Management.
Die TLTRO-Preisgestaltung werde basierend auf dem Hauptrefinanzierungssatz (MRO-Satz) minus 10 Basispunkten errechnet. Das derzeitige Niveau sei für die Banken nach wie vor von Vorteil. Banken, die ihre Kreditziele überschreiten würden, könnten sich frisches Kapital zu noch günstigeren Konditionen beschaffen (im Moment würden diese Kosten zwischen -0,3% und +0,1% variieren). Dies sei positiv für die Banken und ziele darauf ab, den Privatkonsum in Europa zu stützen.
Für die europäischen Staatsanleihen- und Kreditmärkte sei das durchaus positiv, da das neue TLTRO letztendlich Überschussliquidität schaffen und so sicherstellen werde, dass sich die Banken günstig refinanzieren könnten. Dies habe unter anderem zur Folge, dass es weniger Emissionen von Bankanleihen geben werde. Mario Draghi habe auch die Möglichkeit offen gelassen, dass sich die Diskussion um die Zinssenkung oder zusätzliches quantitative Easing schnell konkretisieren könnte, und zwar nicht, weil sich die europäische Wirtschaft abschwäche, sondern als reine Vorsorgemaßnahme. (07.06.2019/alc/a/a)
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